„Von Mädchen und Pferden“ : Rodenäs: Grenzort als Kulisse für Pferdefilm

Ulrike Ehlers, Monika Treut und Peter Möller Ehlers mit Stute „Sissi' und Hofhund „Ben“.
Ulrike Ehlers, Monika Treut und Peter Möller Ehlers mit Stute „Sissi" und Hofhund „Ben“.

Der Spielfilm „Von Mädchen und Pferden“ läuft derzeit in deutschen Kinos. Regisseurin Monika Treut suchte einen Drehort und fand ihn auf dem Hof von Familie Möller unweit der Grenze

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19. Januar 2015, 13:09 Uhr

Rodenäs | Der „Hof Rickelsbüll“, landwirtschaftlicher Betrieb mit Reithalle und Ferienwohnungen der Eheleute Ulrike und Peter Möller Ehlers in Rodenäs, war Hauptdrehort für den Spielfilm „Von Mädchen und Pferden“ der Filmemacherin Monika Treut. Der Film läuft derzeit in den deutschen Kinos und war auch schon bei zahlreichen Filmsfestivals in vielen Ländern Europas sowie in den USA, Kanada und Argentinien zu sehen.

Warum gerade Rodenäs als Filmkulisse auserwählt wurde, erzählte die gebürtige Mönchengladbacher Monika Treut, die seit 1979 in Hamburg wohnt, während eines Besuchs bei der Familie Ehlers auf Hof Rickelsbüll. So hatte die Autorin die einfacher Struktur vom Drehbuch für ihren neuen Film schon fertig und brauchte als Drehort dafür einen Pferdehof. Und da ihr Nordfriesland von Urlaubsreisen nach Sylt und St. Peter Ording besonders gut gefällt, sollte möglichst in dieser Region gedreht werden. Nach Recherchen im Internet wurden fünf Höfe ausgewählt, die Monika Treut mit einer Mitarbeiterin ihrer Hyena-Filmproduktion aufsuchen wollte. Der erste war bei der Familie Ehlers in Rodenäs an einem verregneten Märztag 2013. „Ich fand Ulrike und Peter auf Anhieb sympathisch, vertrauensvoll und aufgeschlossen - einfach Klasse“, so die Filmemacherin. Da auch die Pferde und die ganz Kulisse gefielen, wurde den anderen vier Höfen gleich abgesagt.

Drei der Schauspielerinnen mussten in dem Film mit Pferden auskommen. Dafür fand in Berlin ein entsprechendes Casting statt. Mit den Nachwuchs-Darstellern Ceci Chuh und Alissa Wilms, die beide aus recht verschiedenen Verhältnissen stammen, konnten ideale Besetzungen gefunden werden. Dazu kam noch mit der Hamburgerin Vanida Karun, die eine Reitlehrerin spielen sollte, eine perfekte Reiterin, die auch schon bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg mitgewirkt hatte.

Der Film sollte mit möglichst geringem Aufwand und recht kostengünstig erstellt werden. So bezog im September 2013 ein Mini-Tross von nur acht Personen für etwa drei Wochen die Ferienwohnungen im Hof Rickelsbüll. Neben der Regisseurin Monika Treut, den drei Hauptdarstellerinnen, einer Kamerafrau, einem Tonmann noch eine Betreuerin (Susi-Sorglos genannt) und ein Catering-Beauftragten. Es wurde oft von morgens früh bis abends spät und sogar auch mal in der Nacht gedreht und dabei sehr viel Hof eigenes Material, wie Pferdeanhänger oder der Geländewagen des Hausherrn, eingesetzt. Eine der tierischen Hauptdarstellerinnen war die Blauschimmelstute „Sissi“ der Familie Ehlers. Aber auch der Hofhund „Ben“, ein Jack-Russel-Mischling, die Ziege „Mecki“ oder die prächtige Rinderherde wirkten im Film mit. Dazu hatte Alissa Wilms noch ihr eigenes Pferd aus Berlin mitgebracht, das wunderbar in die Handlung hinein passte.

Für die Hausherren war die ganze Filmerei auf dem Hof natürlich etwas Neues und so guckten sie meist neugierig oftmals zu. „Ich habe gehofft, dass die beiden auch mitspielen,“ so Monika Treut und bat zunächst Ulrike Ehlers während einer Szene etwas zu sagen. Die wollte sich zuvor aber ihrer Arbeitsklamotten erledigen und sich schick machen. Aber genau das wollte die Regisseurin nicht, denn der Film sollte authentisch mit Land und Leuten sein und nicht verkrustet mit künstlichen Dramen. Und so spielten die Eheleute Ehlers ungeschminkt in mehreren Filmszenen mit, so wie man sie kennt. Unter anderem auch beim Heupressen, wo der erste Dreh gleich sitzen musste, da es der Rest für die Heu-Saison war. Aber auch weitere Komparsen von der Familie Ehlers und aus der Wiedingharde wirkten mit. So wurde ein Geburtstages-Fete von Enkeltochter Lena mit jungen Leuten als Party ebenso eingebaut wie ein Disco-Besuch im Lecker „Töff“. Da immer verschiedene Einstellungen mit gleicher Musik gedreht wurden, waren einige junge Leute schon mal genervt, so Monika Treut. Weitere Drehorte für den Film waren Hamburg und der Strand auf der dänischen Nachbar-Insel Röm. „Wir Stadtleute haben viel gelernt vom Alltagsleben auf einem Bauernhof“, so die Filmemacherin. „Alle waren sehr nett und wir haben durch den Filmdreh eine völlig neue Welt kennen gelernt“, freuten sich auch die Eheleute Ehlers.

Doch nach dem Abdreh des Film dauerte der Schnitt mit der Synchronisation noch am längsten. Und so wurde der Film erst im März 2014 fertig und die erste interne Vorführung erfolgte einen Monate später in Eck`s-Kino in Niebüll für die Groß-Familie Ehlers. Die Deutschland-Premiere war dann Anfang Oktober beim Hamburger Filmfest. Monika Treut bezeichnet den Hof Rickelsbüll inzwischen als ihren Lieblingsort im Norden und ist schon mehrere Male wieder dort gewesen - es ist sogar eine kleine Freundschaft mit der Familie Ehlers daraus entstanden. Auch ihre Sekretärin Sabine Linz mit deren Familie und Vanida Karun verbrachten anschließend schon Ferientage in Rodenäs. „Auch aus Prag haben wir eine Anfrage für eine Ferienwohnung,“ freute sich Ulrike Ehlers auf Grund, dass der Film dort bei einem Festival gelaufen ist. Am vergangenen Sonnabend war Monika Treut zur Vorstellung in Eck`s-Kino, wo sie zu Beginn eine kleine Ansprache hielt und danach mit den gut 60 Besuchern noch diskutierte und Fragen beantwortete. Der Film läuft noch von Freitag, 23. bis Sonntag, 25. Januar, jeweils um 16 Uhr in Eck`s-Kino in Niebüll.

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