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Besondere Immobilien in Südtondern : Rio-Reiser-Haus: Ladenhüter oder lohnendes Objekt?

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Wird das Rio-Reiser-Haus im zweiten Anlauf versteigert? Einige Immobilien bergen trotz ihres Alters noch ungeahnte Nutzungsmöglichkeiten – Experten raten trotzdem zur Vorsicht

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2014 | 05:00 Uhr

Stadum | „Hier ist Kreativität gefragt“, heißt es wohlwollend im Internet in der Objektbeschreibung des schon deutlich in die Jahre gekommenen 18-Zimmer-Reetdachhauses mit zweieinhalb Hektar Land. Denn weiterhin steht die Frage an, was mit dem Anwesen in Stadum (Kreis Nordfriesland), in dem einst Musiker Rio Reiser lebte und wirkte, geschehen soll.

Für 209.000 Euro wird das Gebäude, das zuletzt für eine Jugendhilfe-Einrichtung vorgesehen war, am 17. Oktober nun zur Zwangsversteigerung angeboten. Der zweiter Versuch, denn als der Hof bereits im April für 299.000 Euro unter den Hammer kommen sollte, fanden sich bei der Versteigerung zwar einige Schaulustige sowie Reporter im Niebüller Amtsgericht ein, jedoch kein Interessent.

Dass es diesmal einen Käufer geben könnte, vermutet dennoch Stadums Bürgermeister Werner Klingebiel, der bislang aber nur wenige Anfragen hatte. Unter anderem hätten schon Betreiber eines Pony-Hof Interesse gezeigt, ebenso ein Dichter, der den Ort als Quelle der Inspiration nutzen wolle. Und aktuell sei es ein Husumer, der für das Domizil mit den 15 Schlafzimmern und fünf Badezimmern möglicherweise Verwendung haben könnte. Klingebiel: „Aber was genau er mit dem Haus dann vorhat, steht nicht fest.“

Auf dem Immobilienmarkt gelten derartig spezielle Objekte meist als Ladenhüter. „Je individueller die Nutzungsmöglichkeiten sind, umso kleiner ist auch der Kreis der Interessenten“, sagt VR-Bank-Immobilienberater Claus Oldenburg. Vor dem Erwerb einer solchen Immobilie müsse sich jeder Interessent klar machen, dass neben dem Kaufpreis weiteres „erhebliches finanzielles Engagement“ nötig sei. „Zu hohe Sanierungskosten schrecken ab“, weiß auch Immobilienmakler Dirk Friedrichsen. „So ein Objekt wie das Rio-Reiser-Haus wird eher nur von Liebhabern gekauft, bei denen es um das Gefühl geht, nicht um die Rendite.“

Dass es auch anders geht, zeigt ein Beispiel aus Dagebüll: Kreativität und Investitionswille haben der Küstengemeinde das kleinste Hotel an der deutschen Nordseeküste beschert. Die Immobilie – ein Leuchtturm aus dem Jahr 1929 – wurde 1986 außer Dienst gestellt und fristete daraufhin über Jahrzehnte einem ungewissen Schicksal entgegen. Den Job des Signalgebers erledigt seither eine Lichtkanone auf der Dagebüller Mole. Die Unternehmer aus Berlin kauften dem Wasser- und Schifffahrtsamt Tönning den Turm ab und ließen dessen Inneres in ökologischer Bauweise in ein Luxushotel umbauen. Im Juni 2012 war die Verwandlung komplett. Seither zahlen Touristen für den einsamen 360-Grad-Blick auf die Insel- und Halligwelt 250 Euro für die Nacht, 290 am Wochenende und 400 Euro an Feiertagen. Die Investition in die außergewöhnliche Immobilie hat sich für das Unternehmerpaar aus Berlin gelohnt: Bis Anfang 2016 ist das Leuchtturmhotel nahezu restlos ausgebucht.

„Im Schnitt wechselt eine normale Immobilie innerhalb von sechs Monaten den Besitzer“, weiß Immobilienberater Claus Oldenburg. Weiche das Angebot allerdings von der Norm ab, so könne eine Vermittlung über mehrere Jahre dauern. Ein Beispiel: Seit 2009 stand das ehemalige Hertie-Haus in Niebüll, ein 100 Jahres altes Traditionshaus in der Hauptstraße, leer, verfiel zusehends. Käufer waren, trotz zentraler Lage, nicht zu finden – bis nun in diesem Jahr ein Niebüller Gebäude und Grundstück erwarb. Nach dem Abriss entstehen hier auf dem 1968 Quadratmeter großen Areal in dem Neubau 22 Wohneinheiten, auf zwei Geschosse verteilt. Das Erdgeschoss ist dem Gewerbe vorbehalten.

Immobilien, für die sich keine Nutzung mehr findet – etwa weil sie aufwendig renoviert werden müssten – droht unweigerlich der Abriss. So erst kürzlich geschehen mit der Niebüller Gaststätte Morgenstern an der Deezbüller Straße. Das geräumige Gasthaus war über ein Jahrhundert lang historische Adresse mit einem Kolonial- und Gemischtwarenladen, Lebensmittelgeschäft und Kneipe. Mittlerweile ist das Anwesen verschwunden und macht 17 Wohnungen Platz, die im kommenden Jahr auf dem freigewordenen Grundstück entstehen sollen.

Sollte das Rio-Reiser-Haus am 17. Oktober erneut keinen Käufer finden, so wird auch die Zukunft des Rockstar-Domizils zusehens ungewiss.

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