Naturschutz : Retter mit Eimer und flinker Hand

Teamarbeit: Das Einsammeln der Küken.
Teamarbeit: Das Einsammeln der Küken.

Am Hauke-Haien-Koog findet seit ein paar Tagen eine Aktion statt, die Graugansküken vor dem Straßenverkehr schützen soll

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26. April 2014, 05:30 Uhr

Die Sammelaktion, die derzeit rund um den Hauke-Haien-Koog zu beobachten ist, sorgt für Schmunzler und ist dennoch eine sinnvolle Maßnahme. Mitarbeiter des „Vereins Jordsand zum Schutze der Seevögel und Natur“ sind täglich damit beschäftigt, Graugansküken am Deich entlang des Speicherbeckens Nord und Süd einzufangen, um sie in einem Eimer über die vielbefahrene Landstraße 191 zu tragen.

Graugänse brüten eigentlich in Süßwasserbereichen. „Da Füchse aber bis zu 95 Prozent der Gehege auf dem Festland plündern, sind die Gössel mittlerweile auf die Halligen ausgewichen. Dort gibt es die Raubtiere normalerweise nicht“, erläutert der Biologe Dr. Walther Petersen-Andresen. Ist der Nachwuchs jedoch geschlüpft, führen die Altvögel die Küken zu den Wiesen des Hauke-Haien-Koogs, beim Süßwasser herrschen bessere Aufzuchtsbedingungen. Vier bis fünf Kilometer wandern die Graugans-Familien dorthin gemeinsam über das Watt. Doch vom Meer kommend, wird den Küken auf dem Festland der Weg zu den Wasserflächen zum Teil von einem langen Stacheldrahtzaun versperrt, an dem das Gras derart hoch wächst, das es von den Jungvögeln oft nicht überwunden werden kann, während die Altvögel über den Zaun hinüberfliegen. Die Küken werden zur leichten Beute für Möwen. Auch stellt die Landesstraße eine Bedrohung für diejenigen Gössel da, die das Hindernis von allein überwinden konnten.

Auf einer über sechs Kilometer langen Strecke ist es daher mehrmals am Tag Aufgabe freiwilliger Helfer, die Jungvögel einzusammeln. Und da diese scheu und schnell sind, müssen die Naturschützer ebenfalls flink sein. „Einige Küken ducken sich ins Gras und sind leicht zu fangen, andere laufen weg“, erklärt Studentin Svenja Schacky, die bei der Einsammelaktion von Autofahrern häufig interessiert beobachtet wird. „Die Altvögel verteidigen ihren Nachwuchs und fauchen uns an, fliegen dann aber in letzter Sekunde weg.“

Wurden die Jungtiere im Eimer über die Straße gebracht, werden sie zügig wieder ausgesetzt. Innerhalb weniger Minuten finden die Eltern zum Nachwuchs zurück. „Die Küken werden gleich angenommen, auch wenn wir sie angefasst haben“, so Schacky.

Drei bis vier Familien werden pro Tag auf der Strecke vorgefunden. Der Kükendienst wird noch bis Mitte Mai stattfinden und gehört derzeit zu den Hauptaufgaben der jungen Leute des Vereins. „Man könnte die Gänse natürlich sich selbst überlassen“, sagt Dr. Petersen-Andresen über die Aktion. „Zaun und Straßen sind aber Hürden, die der Mensch geschaffen hat.“ Auch sei die Hilfsaktion nötig, um den Straßenverkehr zu sichern. Die bis zu vier Kilogramm schweren Altvögel könnten andernfalls zur Gefahr für Autofahrer werden. Dr. Petersen-Andresen: „Und uns freut natürlich, dass sich der Gansbestand insgesamt gut entwickelt hat.“

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