Reporter mit Leib und Seele

Ein Niebüller Original wird 90: Dieter Wrege war viele Jahrzehnte für das Nordfriesland Tageblatt im Einsatz.
Ein Niebüller Original wird 90: Dieter Wrege war viele Jahrzehnte für das Nordfriesland Tageblatt im Einsatz.

Er ist ein echtes Urgestein der Berichterstattung in Nordfriesland: Dieter Wrege wird heute 90 Jahre alt

shz.de von
16. August 2018, 06:00 Uhr

Wie viele Artikel er über hohe Geburtstage verdienter Bürger schon geschrieben hat – das weiß nur Dieter Wrege selbst. Heute jedoch steht der langjährige Berichterstatter des Nordfriesland Tageblatts selbst einmal im Mittelpunkt der Berichterstattung: Er feiert heute seinen 90. Geburtstag. 2017 hat sich Dieter Wrege in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet, nachdem er zuvor rund 60 Jahre lang als freier Mitarbeiter zu jeder Tages- und Nachtzeit für die Zeitung im Einsatz war. Eine Lebensleistung, die ihresgleichen sucht, wie auch Würdenträger und Weggefährten bestätigen, die dem Jubilar herzlich zum Ehrentag gratulieren.

„Dieter Wrege ist ein ehrgeiziger Sportsmann durch und durch. Ich habe ihn vor mehr als 60 Jahren zum ersten Mal getroffen, und zwar, als ich gegen ihn Handball gespielt habe“, erinnert sich der frisch ausgeschiedene Amtsvorsteher Peter Ewaldsen, der zudem mehr als 30 Jahre Neukirchens Bürgermeister war. Auch seine Arbeit als Reporter habe Dieter Wrege immer als sportliche Herausforderung verstanden. „Er war immer korrekt und hat sich nie zu Spekulationen hinreißen lassen. Ich habe grenzenloses Vertrauen zu ihm. Dadurch, dass er Situationen gut einschätzen konnte und stets mehrere Seiten beleuchtet hatte, konnte er auch manchmal gute Ratschläge geben.“

Niebülls Altbürgermeister Heinz Loske erinnert sich ebenfalls gerne an den maßgeblichen Berichterstatter seiner Amtszeit. „Ich habe seine faire Berichterstattung und die Zusammenarbeit mit ihm sehr geschätzt. Aber er war auch objektiv und hat nicht davor zurückgescheut, die Wahrheit zu schreiben“, sagt Loske weiter, der von 1974 bis 1998 Niebülls Bürgermeister war.

„Dieter Wrege ist für jeden Niebüller und jede Niebüllerin, die mit ihrer Lokalzeitung verbunden sind, der Inbegriff für gut recherchierte Berichterstattung aus unserer Stadt und der Region“, würdigt Niebülls aktuelles Stadtoberhaupt Wilfried Bockholt den langjährigen Berichterstatter. Niebülls Bürgervorsteher Uwe Christiansen fügt hinzu: „Ich habe Dieter Wrege immer bewundert, auch für die Qualität seiner Bilder. Die waren immer tipptopp, sagenhaft gut.“

Bürgermeister Bockholt lobt zudem das umfangreiche Wissen, das sich Dieter Wrege erarbeitet hat: Über die jahrzehntelange journalistische Tätigkeit sei er auch ein guter Hintergrundbeleuchter geworden. „Denn das Bild der Gegenwart wird häufig erst dann komplett, wenn man die dahin führende Entwicklung reflektieren und einbeziehen kann. Das konnte Dieter Wrege. Es ging nicht um die Schlagzeile, mit der der Leser meint, schon alles erfasst zu haben. Es ging immer um den Inhalt und das Geschehen, die Personen dahinter. Oder den sportlichen Ehrgeiz auf dem Fußballplatz.“

Das bestätigt Ernst Hinrichsen, langjähriges Vorstandsmitglied des TSV Rot-Weiß Niebüll: „Ich sehe es direkt vor mir: Noch vor ein paar Jahren lag Dieter Wrege bäuchlings bei einem Spiel hinter dem Fußballtor, um das beste Bild zu ergattern. Er war immer sehr zuverlässig und sachkundig – ich glaube nicht, dass irgendeiner in der Region so viel weiß wie Dieter Wrege.“

Tatsächlich hat der langjährige freie Mitarbeiter, dem ein fehlerfreier und qualifizierter Schreibstil immer besonders wichtig war, buchstäblich Zeitungsgeschichte geschrieben. Seine ersten Zeitungstexte tippte Dieter Wrege in den 50-er Jahren auf der Schreibmaschine. Mit seinem ersten Bild und Text informierte er die Leser über einen Unfall auf dem Mitteldeich zwischen Deezbüll und Galmsbüll – ein Milchwagen war umgekippt. Es folgten ungezählte Berichte und Bilder – ob Sportveranstaltungen, Feierlichkeiten, Jubiläen, Gemeinderatssitzungen oder andere berichtenswerte Geschehnisse, der Mann mit der Kamera in Jeans und Pullover gehörte dazu.

„Eine Besonderheit an Dieter Wrege ist auch seine Heimatverbundenheit – nicht nur auf Niebüll bezogen, sondern auch auf die Bereiche Wiedingharde und Bökingharde“, berichtet Amtsdirektor Otto Wilke, der den Jubilar schon seit Kindertagen kennt: „Wir waren seinerzeit in der Kieler Straße Nachbarn. Schon in den 50-er Jahren hat er alle möglichen Ereignisse mit der Kamera festgehalten.“

Und: Über viele Jahre hinweg war Niebüll der Schnittpunkt zwischen Lokalredaktionen in Nordfriesland und dem Druckstandort Flensburg – und daran waren besonders die Eheleute Wrege beteiligt. Dieter Wrege, im Hauptberuf Beamter bei der Post, fungierte als Adresse und Anlaufstelle. So landete zum Beispiel am Sonnabend der Brief mit den Sylter Anzeigentexten und Fotos für den redaktionellen Teil im Hause Wrege und wurde von Edith Wrege am Sonntagmittag zum Bus nach Flensburg gebracht.

Die Technik entwickelte sich – Dieter Wrege entwickelte sich mit. Ehefrau Edith, die in der vergangenen Woche auch ihren 90. Geburtstag feierte, seine beiden Kinder Jan und Susanne mit den vier Enkelkindern trugen sein Engagement mit – selbst wenn sie oft auf seine Anwesenheit verzichten mussten. Wenn Feierlichkeiten in der Familie anstanden, reichte die Zeit nur für ein Stück Torte und eine Tasse Kaffee. Dann musste der rasende Reporter wieder los.

Ob er es an seinem Ehrentag etwas gemütlicher angehen lässt? Das weiß nur Dieter Wrege. „Herr Wrege zeigt mit seinen 90 Jahren: Geistige Auseinandersetzung, mit welchem Thema und welchen Personen, Institutionen, oder was auch immer, ist ein gutes Mittel für Fitness und Agilität bis ins hohe Alter“, sagt Niebülls Bürgermeister Wilfried Bockholt. Das möge noch lange so bleiben, findet unter anderem Peter Ewaldsen: „Ich wünsche Dieter Wrege für seinen Ruhestand alle Gesundheit der Welt und dass er seine geistige Beweglichkeit noch lange behält. “






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