Hochwasser : Regenrekord: Südtondern läuft voll

Laut Deich- und Hauptsielverband arbeiten die 32 Schöpfwerke derzeit auf Vollast / Vergangenes Jahr 2014 war besonders regenreich

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17. Januar 2015, 05:00 Uhr

Südtondern hat viel abbekommen: Für den Deich- und Hauptsielverband (DHSV) Südwesthörn-Bongsiel war das vergangene Jahr mit Niederschlägen von zusammen 973,9 Millimetern besonders regenreich. Dazu allerdings trugen zwei extrem nasse Monate bei: der August mit der Rekordmenge von 236,5 und der nach 1999 zweitstärkste Dezember mit 168,4 Millimetern.

Auch das neue Jahr zeigt sich bisher sehr regenreich: Bis zum 15. Januar fielen bereits 47 Millimeter Regen, die sich dem Januar-Mittel der letzten 20 Jahre von 67,7 Millimeter nähern. Die Lage im 50  000 Hektar großen Verbandsgebiet treibt Verbandsingenieur Thies Horn Sorgenfalten auf die Stirn: „Zurzeit fahren wir mit allen 32 Schöpfwerken Volllast“, sagt Horn mit blickt er auf den Monitor auf seinem Schreibtisch, wo er gerade die Daten vom Schöpfwerk Verlath ablesen kann. Es ist das erste Werk, mit dem der DHSV „digital online“ ist. Das soll bei allen anderen Anlagen eines Tages inklusive Fernsteuerung auch der Fall sein. In Verlath muss das Wasser aus der Schmale von -2,6 Metern unter NN (= normal null) in den Rutebüller See auf +0,9 Meter NN angehoben werden – also genau 3,5 Meter hoch. Das besorgen fünf Pumpen – zwei Diesel- und drei E-Pumpen. Letztere bringen jährlich 1,4 Millionen Kilowattstunden auf den Zähler, die den DHSV allein 266  000 Euro kosten. Insgesamt erarbeiten alle Schöpfwerke 3,1 Millionen Kilowattstunden (kWh). Die mit 808  000 Euro zu Buche schlagen. Und das, damit das Verbandsgebiet bewirtschaftet werden kann, Straßen und Wege (und Keller) nicht unter Wasser stehen und Gummistiefel im Schuhschrank stehen bleiben können. „Bei solchen Wetterlagen sieht man, welche Bedeutung die Wasser- und Bodenverbände haben und wie wichtig eine geordnete Wasserwirtschaft ist“, sagt Thies Horn.

Dies ist ein Grund dafür, dass die Wehren im Amtsgebiet trotz der hohen Niederschlagsmengen bisher keine Keller leerpumpen mussten: „Wir sind in diesem Jahr noch zu keinen Keller-Einsatz gerufen worden“, sagt Niebülls Wehrführer Uwe Mussack. „Wir hoffen natürlich, dass das so bleibt.“ Auch in Leck ist die Lage bisher ruhig, wie Wehrführer Tobias Kaim berichtet.

Mit dem Abfluss des überflüssigen Niederschlagswassers aus dem eigenen Verbandsgebiet in die Nordsee ist es nicht getan. Der heimische DHSV entwässert insgesamt ein etwa 91  000 Hektar großes Gebiet, das von vor den Toren Flensburgs bis zur Westküste reicht. Der Dreiharder Gotteskoogstrom entwässert 5000, die Lecker Au 14  000 und die am stärksten belastete Soholmer Au 72  000 Hektar Marschland und „Oberlieger-Ländereien“, wie der Wasserbauer sagt. Bei extremer Wetterlage wie jetzt verstärken sich die Forderungen nach mehr „Retentions-Reserven“. Gemeint sind Überflutungsräume, in denen Niederschlagswasser „geparkt“ werden kann, bis die Wasserläufe wieder in Richtung Westen in Bewegung sind. Denn: Bei starkem westlichen Wind bleiben die Schleusentore geschlossen – und staut sich das Wasser in den Wasserläufen und Speicherbecken, von denen die Soholmer Au im Raum Riesbriek, Soholmbrück und Spölbeck dringend mehr haben müsste. Doch vom Verband angestrebter Landkauf ließ sich bisher nicht realisieren. Anhaltend hohe Wasserstände haben dazu geführt, dass die Audeiche schwammig-weich wurden – und der Deich der Soholmer Au Heiligabend sogar an einer Stelle überlief. Zu den starken Niederschlägen gesellen sich auch noch Sturmfluten wie jüngst wieder. Und in den Sternen steht, wie sich klimatischen Verhältnisse überhaupt entwickeln.

Thies Horn sieht, was eine geordnete Wasserwirtschaft im Einzugsgebiet des DHSV angeht, alle Nutznießer in solidarischer Pflicht. Danach sollte die Unterhaltung der Gewässer und Schöpfwerke und deren Kosten Sache eines großen Verbandes sein. „Doch wenn es ums Geld geht, schwenken sachliche Argumente schnell zu einer emotionalen Seite um.“

Fazit des Verbandsingenieurs: Bis auf einen kritischen Bereich im Verlauf der Soholmer Au funktionieren Gewässer und Schöpfwerke einwandfrei. Um großflächige Deichüberströmungen im Bereich Riesbriek und Soholmbrück aufzufangen, wird mehr Speicherraum benötigt. Dieser wäre entbehrlich, wenn der DHSV auf Spitzenlast-Schöpfwerke umrüsten würde. „Doch wer soll das bezahlen?“

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