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"Airpark" auf Flugplatzgelände : Raus aus dem Haus, rein ins Cockpit

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Was in den USA klappt, soll auch auf dem ehemaligen Flugplatzgelände Realität werden: Werner Schweizer plant dort einen „Airpark“

So könnte die Zukunft aussehen: Max Mustermann steht vom Frühstückstisch auf, verlässt sein Haus, läuft durch den Vorgarten die paar Meter zum Shelter, setzt sich in seine Cessna und fliegt zum Shoppen nach Hamburg. Abgehoben klingt es, aber für Klixbülls Bürgermeister Werner Schweizer (63) ist dieses Szenario durchaus realistisch. Denn er plant, Teile des ehemaligen Lecker Flugplatzes für einen sogenannten Airpark zu nutzen.

Solche Parks stammen aus dem Land der Drive-in-Restaurants und Shopping Malls. Eine amerikanische Erfindung, die das Leben der Hobbyflieger in den USA einfacher macht. Die nämlich haben als Bewohner solcher Parks vor der Haustür, was sie zum Glück brauchen: Ihr Wohnhaus liegt in unmittelbarer Nähe zu einem Shelter oder Hangar, in dem das eigene Privatflugzeug parkt. So wohnt der Hobbyflieger quasi direkt am Rollfeld und kann jederzeit starten. Das sonst übliche Ein- und Auschecken an Flughäfen sowie die An- und Abfahrtswege zum Flugplatz entfallen.

Airparks haben nichts mit den Parkplätzen an Großflughäfen zu tun. Vergleichbar sind sie mit dem Trend der Segler, direkt am Yachthafen zu wohnen. Mehrere hundert solcher Parks gibt es bereits in den USA. Auch in Frankreich sind sie gängig – hierzulande nicht. In der Nähe von Müritz ist länger schon einer in Planung, ebenfalls an der Ostsee unweit von Kühlungsborn. Doch ab in die Wolken geht es dort noch bei beiden nicht.

Laut Werner Schweizer, selbst Pilot, sei der Airpark ideal als Teil des Konversionskonzepts im Bereich der Shelterschleife. Insgesamt neun der elf Shelter könnten dafür genutzt werden. Links und rechts dieser Unterstellmöglichkeiten würden dann 50 bis 80 Wohneinheiten als eine Art Flieger-Kommune entstehen. Für einen optimalen Flugverkehr müsse die alte Rollbahn auf einer Strecke von mindestens 800 Meter reaktiviert werden, damit auch Maschinen über zwei Tonnen ganzjährig starten und landen könnten.

Im „Fliegermagazin“ hatte Werner Schweizer kürzlich von der für Südtondern geplanten Idee berichtet. An einem Mittwoch erschien die Fachzeitschrift, am Donnerstag gingen bereits die ersten Mails von Interessenten beim Bürgermeister ein. Es bestehe in Deutschland ein nicht unerheblicher Bedarf an Unterstellmöglichkeiten für private Flugzeuge mit angeschlossener Unterkunft, ist er sich daher sicher.

Seiner Meinung nach sind es vor allem Hobbyflieger oder auch Geschäftsleute mit Pilotenschein aus Süddeutschland, die sich für das Vorhaben interessieren. Die Nähe zu den deutschen und dänischen Inseln, Schweden und Norwegen – all das sei verlockend für jene, die es sich leisten können.

Durch einen Airpark gehe Nordfrieslands Touristikkonzept in eine weitere Dimension. „Menschen kommen zu uns, die sonst nicht kommen würden und bringen wertvolle Impulse und Ideen mit.“ Darin liege aus Schweizers Sicht ein wesentlicher Wirtschaftsaspekt. „Wir stehen erst am Anfang“, bilanziert er. „Es ist ein 1-Millionen-Schritte-Projekt mit etlichen Hürden.“ Über die Kosten könne er noch nicht sprechen. Der Airpark sei aber als GmbH & Co. KG geplant. Bis zu einer eventuellen Realisierung müssten weitere Analysen folgen, etliche Vorgaben eingehalten und noch diverse Genehmigungen eingeholt werden. Dennoch will Schweizer, der sich selbst nicht als Überflieger sieht, nicht mehr zögern. „Vielleicht scheitern wir, aber wir müssen es versuchen“, sagt er mit spürbarem Optimismus. An eine Bruchlandung mag Bürgermeister Schweizer vorerst nicht denken.

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erstellt am 15.Nov.2014 | 05:00 Uhr

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