Raum für feine Soli

Die Musiker von Kramer & Friends sind tatsächlich „alles Freunde“.
Die Musiker von Kramer & Friends sind tatsächlich „alles Freunde“.

Mit besonderen Texten bietet die Gruppe Kramer & Friends dem Publikum im Andersen-Hüs in Risum-Lindholm Musik zum Genießen

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18. August 2017, 10:50 Uhr

Im Andersen-Hüs gibt es immer mal wieder neue Entdeckungen: Musiker beziehungsweise Musikgruppen, die noch nicht an der Westküste aufgetreten sind, die hier noch nicht bekannt sind. Kramer & Friends entpuppten sich am Donnerstagabend als Glücksgriff für diejenigen, die den Weg ins Veranstaltungszentrum in Risum-Lindholm gewagt hatten. Die Besucher wurden belohnt durch einen Abend zum Zuhören und Genießen.

Kramer, eigentlich Frank Rühmann, ist seit 1992 Flensburger, kam aus Göttingen in den Norden. „Ich wollte immer hier leben“, sagte er in seinem persönlichen Statement. In der Fördestadt hat er sich einen Namen gemacht als Sänger der Gruppe „Toy“, später war bei „Spirit of Santana“ dabei. „Musiker war ich immer. Irgendwann habe ich mich selbstständig gemacht“, berichtet Kramer. Er gründete eine Musikschule, schrieb viele eigene Lieder. Diese präsentiert Kramer auf Deutsch und in Englisch, stets mit einleitenden Erläuterungen.

Ihm zur Seite stehen erfahrene Musiker, die alle schon lange im Geschäft unterwegs sind – alles Profis also. Prägend für den Sound ist Rüdiger Karahn an der Pedal-Steel-Gitarre. Benito Battiston, im Brotberuf Musikproduzent, ist ein ausgezeichneter Gitarrist, Bassist Achim Gafert steht ihm in nichts nach. Ralph Schmedecke rundet mit Cajon und Perkussion den Klangkörper sensibel ab. Frontmann Kramer, selbst Gitarrist, hat eine bemerkenswerte Stimme, die zwischen Randy Newman und Jim Croce angesiedelt sein könnte.

„Jeder hat seine eigenen Assoziationen“, lacht Kramer, der natürlich zu allererst an seine eigene Kramer-Stimme denkt. Die ist sein Kapital, sein Markenzeichen, doch auch seine Songs sind beeindruckend. Hier hat sich jemand Gedanken gemacht, die eigene Befindlichkeit ausgelotet und erzählt nun aus seinem Leben. Da tauchen „Zwei Brüder“ auf, die sich nicht mehr verstehen oder eine verbitterte, ältere Dame kommt unvermittelt aus dem Off. Das sind Erinnerungen an ein Telefongespräch oder an vergangene Zeiten, gesungen mit Wehmut, Selbstzweifel und Empathie. Mehrstimmig dargeboten immer ein Genuss; klanglich aufgepeppt durch Pedal Steel Guitar oder Cello.

Die Melodien sind eingängig, bieten den Musikern Raum für feine Soli. Allgemeinplätze werden umgedreht „Ziel ist der Weg“ und zum Mutmachen reicht ein „Do what you want“, das an Huey Lewis erinnert. Das hat Klasse, hat Ohrwurmformat. Die Songs sind stets persönlich, klingen jedoch jedes Mal anders.

Der Sänger plädiert für ein gezieltes „Wir sind wer wir sind“, votiert immer wieder für einen individuellen Weg zu Frieden und Freiheit, wie er es nennt. Er nimmt unter anderem die Religionen aufs Korn, fragt, warum nicht alle Menschen das Prinzip der Liebe leben. Seine in Noten und Worte gefasste Geschichte über eine spanische Stadt in der Sierra Nevada, die Francos Truppen verwüstete, ist eindringlich und bewegend. Doch Kramer kann auch anders, versteht es das Gefühl einer Autofahrt im Sommer einzufangen. Emotionen zu wecken liegt ihm. Hart an der Grenze zur Empfindsamkeit geht es um Menschliches. Da möchte man ihm spontan zustimmen, der Beifall beweist die Richtigkeit seiner These.

Manche Lieder klingen fast sphärisch, halten immer wieder kleine Kostbarkeiten bereit. Der Dichter als Denker: Kramer thematisiert „gekränkte Eitelkeiten“ und hat mit dem Song „Vergebung“ eine Antwort darauf gefunden. Ein Liebeslied „Ich bin Zuhause bei Dir“ rührt an den Gefühlen, mit dem Stück „Heimat“ ist dem Musiker sogar ein sh:z–Hit gelungen.

Am Keyboard beweist der Meister ein weiteres Mal seine Klasse, am Ende des Abends wird es schneller und richtig rhythmisch. Kramer und seine kongenialen Friends („Es sind tatsächlich alles Freunde.“) geben Gas „Volldampf voraus!“ ist das Motto. Da ist von der Party auf dem Eiffelturm die Rede, später vom „Blau machen und ins Grüne fahren“ - alles Dinge, die man auch öfter machen sollte, denkt da sicher so mancher Zuhörer. Das Publikum geht mit, freut sich ein weiteres Mal über schöne Balladen und zum guten Schluss sagt der „Mann im Mond“ als Zugabe schlicht „Goodnight“. Ein gelungener Abend – und im kommenden Jahr werden Kramer und Friends wieder nach Südtondern kommen. Der Weg aus Flensburg ist zum Glück nicht so weit.

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