Klassik in Leck : Rasante Tonfolgen und ruhige Akkorde

Das „Duo Asatryan-Golkhovaya“ spielt vor rund 100 Zuhörern Piano und Saxophon im Sitzungssaal des Lecker Rathauses

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27. März 2014, 05:45 Uhr

Saxophon und Klavier, in dieser selten anzutreffenden Besetzung musizierte – auf Einladung der „Vereins der Musikfreunde in Leck und Umgebung e.V.“ – das „Duo Asatryan-Golkhovaya“ vor gut 100 Zuhörern im Sitzungssaal des Lecker Rathauses.

Die beiden Instrumentalisten gewannen im Jahre 2012 als Team den renommierten „Deutschen Musikwettbewerb“, woraufhin sie in die exklusive Auswahl des Deutschen Musikrates („Konzerte junger Künstler“) aufgenommen wurden. Als 1. Vorsitzende der Gastgeber hieß Heidi Specht-Christel die Mitwirkenden und deren Publikum willkommen und führte sie in die Geschichte des im Jahre 1840 erfundenen Instrumentes ein, das aufgrund seines Blattmundstücks zu den Holzblasinstrumenten zählt, obwohl sein Körper aus Blech gefertigt ist. „Sollten Sie das Saxophon bislang nur vom Jazz her kennen, wo es überwiegend zu Hause ist, werden Sie heute erfahren: Es kann auch ganz anders“, so die Vereinschefin, deren Vorhersage sich vollauf bestätigen sollte. Koryun Asatryan (Sopran- und Altsaxophon) und die Pianistin Julia Golkhovaya warteten mit einem höchst anspruchsvollen Programm auf, das sie – im Hinblick auf die sonnige Herkunft der musikalisch zu Worte kommenden Komponisten – mit „Mediterana“ überschrieben hatten. Zum Auftakt erklang eine moderne Bearbeitung der „Sonate op. 185 für Sopransaxophon und Klavier“ von Francis Poulenc, deren Original für Oboe und Klavier verfasst war. Auf eine vom Saxophon in höchster Tonlage angestimmte und vom Piano mit ruhigen Akkorden begleitete Elegie, im Verlaufe derer beide Instrumente ständig miteinander kommunizierten, folgte ein quicklebendiges Scherzo, bevor das auf jegliche „Pfefferminzakkorde“ verzichtende Werk mit einer sehr intensiv vorgetragenen Klage ausklang und am Ende verhauchte.

Auch bei einer Folge von sechs spanischen Liedern, eingerichtet für Altsaxophon und Klavier, stellten Koryun Asatryan und Julia Golkhovaya ihr traumhaft sicheres Zusammenspiel und ihre herausragende Virtuosität eindrucksvoll unter Beweis. Sie zeigten auf, dass das Saxophon auch „singen“ kann. Beide Angehörige des Duos präsentierten sich je einmal solistisch: die Pianistin bei ihrer makellosen Interpretation einer aus drei Sätzen bestehenden Sonatine von Maurice Ravel, der Saxophonist bei der Wiedergabe einer abenteuerlich anmutenden „Etude“ von Christian Lauba. Bei dieser nutzte der Künstler die Gelegenheit, in schwindelerregend rasanten Tonfolgen seine enorme Fingerfertigkeit und Atemtechnik aufzuzeigen und seinen staunenden Zuhörern vor Augen und Ohren zu führen, auf wie verschiedene Weise ein Saxophon klingen und Geräusche produzieren kann: von sanftesten Klängen bis hin zur Erzeugung von Knack- und Knattertönen sowie Klappergeräuschen. Gesitteter ging es zu bei der „Vocalise-Etude“ in Form einer temperamentvollen, kubanischen „Habanera“, bei der die ursprünglich vorgesehene Singstimme durch das Altsaxophon ersetzt wurde. Auch hierbei agierten der Künstler und die Künstlerin gleichrangig „auf Augenhöhe“. Den Höhepunkt ihres Programms hatte sich das Duo bis zu dessen letzten Beitrag aufgespart: den Czardas „Pequena Czarda“ von Pedro Iturralde (geb. 1929). Für den lange anhaltenden Schlussapplaus des Publikums bedankte sich das Duo mit mehreren Zugaben, darunter eine etwas „jazzige“ Kompositionen von Erwin Schulhoff.





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