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Nordfriesland Tageblatt

23. August 2017 | 22:17 Uhr

Flug-Oldtimer : Rarität auf Reisen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Aventofter Segelflugzeug-Rarität Minimoa mit dem Baujahr 1938 wird auf der internationalen Fachmesse AERO am Bodensee ausgestellt.

Wenn vom 15. bis 18. April (Mittwoch bis Sonnabend) in Friedrichshafen am Bodensee zum 23. Mal die AERO, Europas wichtigste internationale Fachmesse für die Allgemeine Luftfahrt, stattfindet, ist auch ein Flieger-Star aus Aventoft dabei: Das altehrwürdige und ehemalige Hochleistungssegelflugzeug Minimoa D-8064 vom Luftsportverein Südtondern (LSV) wird ebenfalls vor Ort sein.

Der Oldtimer, Baujahr 1938, wurde dafür extra in der Werkstatt und im Hangar auf dem Aventofter Segelflugzeug von den LSV-Mitgliedern Matthias Dubbik und Hans-Friedrich Pest auf Hochglanz poliert. Schließlich geht es dann im über zehn Meter langen Spezialanhänger hinter dem Pkw auf die gut 1000 Kilometer lange Reise nach Friedrichshafen. Bei Pausen unterwegs auf den Rastplätzen muss das lange Geschütz auf Lkw-Parkflächen abgestellt werden. Aber Matthias Dubbik wird nicht nonstop dort hin fahren, sondern einen Zwischenstopp in seiner Heimatgemeinde Buchholz in der Nordheide einlegen. Von dort geht es dann zunächst weiter nach Paderborn, wo das doppelsitzige Schulungs-Segelflugzeug Doppelraab D-6061 unter Denkmalschutz gestellt und die Aventofter Minimoa ebenfalls ausgestellt wird. Eine Besonderheit des Doppelraab ist die Anordnung der beiden Sitze. Der Lehrersitz hinten ist erhöht. Vorne sitzt der Schüler, dem der Ausbilder über die Schulter schaut und notfalls auch den einzigen, vorne angebrachten Steuerknüppel bedient.

Letzte Etappe ist dann Friedrichshafen. Auf einem der weltweit modernsten Messegelände direkt am Flughafen präsentieren dort über 630 Aussteller aus rund 35 Ländern auch die Innovationen und alle Facetten der Branche rund um das Thema Flugzeug. Dabei gibt es vom Segelflugzeug über Hubschrauber bis zum exklusiven Business-Jet alles zu bestaunen. Die Minimoa wird sich in Friedrichshafen als erstes und immer noch einziges in Schleswig-Holstein unter Denkmalschutz gestelltes Segelflugzeug präsentieren. Bundesweit sind es insgesamt auch nur 21 Segelflugzeuge.

„Mit dem Denkmalschutz unterliegt sie dem besonderen Schutz der öffentlichen Hand“, so Gerhard Allerdissen, der nicht nur 2. Vorsitzender des LSV, sondern auch Ehrenmitglied im Deutschen Aero-Club sowie Präsident des in Gersfeld beheimateten Kuratoriums Stiftung Deutsches Segelflugmuseum mit Modellflug, Wasserkuppe, in der Rhön ist. Unter seiner Federführung war der LSV vor gut 15 Jahren Vorreiter, nicht nur historische Gebäude, sondern auch alte technische Geräte unter Denkmalschutz zu stellen.

Die Minimoa mit dem Kennzeichen N 2664 B / D 8064 wurde 1938 nach einem Entwurf des Ingenieurs Wolf Hirth bei Schemp-Hirth in Göttingen gebaut. Sie hat eine Spannweite von 17 Metern, eine Länge von sieben Metern, ein Einradfahrwerk mit Bremse und eine geschlossene Kabine. Während der Rumpf aus einem Holzgerüst mit Sperrholzbeplankung besteht, sind die Tragfläche und die Leitwerke aus Holzgerippe mit Stoffbespannung.

Die Minimoa erreichte als erstes Segelflugzeug der Welt eine Serie von insgesamt 110 Stück und war in den Jahren 1936 bis 1942 führend. Heute sind weltweit nur noch vier flugtüchtige Originalmaschinen vorhanden: in Japan, England, Niederlande und Aventoft. Markant sind die Knicks in Verbindung mit starker Pfeilstellung der Außenflügel. Eine sehr einfache, aber wirksame Einrichtung aus dem Baujahr 1938 ist ein mit einer Klappe unter dem Heck befestigter Tennisball, der bei der Landung des Flugzeugs zur Abfederung dient. Dieser erfüllt heute noch immer seinen Zweck. „Nur der Tennisball wird ab und zu mal ausgewechselt“, sagt Matthias Dubbik schmunzelnd.

Einige Konstruktionsmerkmale der Minimoa waren richtungsweisend für den Segelflugzeugbau – bis heute. So auch für den einfachen Zusammenbau, denn drei Mann können das beeindruckende Segelflugzeug in 20 Minuten montieren.







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erstellt am 08.Apr.2015 | 08:00 Uhr

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