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Nordfriesland Tageblatt

23. August 2017 | 14:32 Uhr

Querdenken als Strategie

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Guerilla-PR-Aktionen oder ein eigenes Bier: Niebüller Stadtmarketing holt sich Inspirationen von außerhalb und erschließt neue Möglichkeiten

Bürgermeister Wilfried Bockholt brachte es beim Jahrestreffen des Niebüller Stadtmarketings auf den Punkt: „Keiner kann ohne den anderen“, sagte er und verwies auf das Gemeinwesen einer Kleinstadt wie Niebüll: „Wir arbeiten alle Hand in Hand.“ Das zeigte die gut besuchte Versammlung im Ratskeller: Erschienen waren neben dem Stadtoberhaupt Bockholt natürlich Stadtmanager Holger Heinke sowie Kurt-Heinz Jappsen vom Verschönerungsverein, Vertreter der Wirtschaftsförderungsgesellschaft und Politiker aller Fraktionen. Der HGV-Vorsitzende Heinz H. Christiansen lobte die Aktivitäten des Stadtmarketings trotz eines schmalen Budgets. Niebüll sei klasse, könne aber noch besser werden, fügte Bockholt hinzu.

Für neue Inspirationen kann ein Blick über den Tellerrand sorgen – den Niebüller Akteuren gaben gleich zwei Vorträge Impulse von anderswo. Den Anfang machte Elke Roch, Geschäftsführerin der Osteroder Agentur „Zapalott“. Sie referierte darüber, wie das regionale Selbstbewusstsein der Harzbewohner erfolgreich vermarktet wurde. Der Ansatz: Heimatliebe positiv besetzen – in die Wege geleitet wurde alles ehrenamtlich. Nachdem ein Artikel über die angeblich schnell sterbende Stadt Osterode (Platz 1 in Deutschland) in die Presse kam, ging Elke Roch auf die Barrikaden per Leserbrief. Und sie startete gemeinsam mit anderen ungewöhnliche Aktionen: Ausgehend vom Negativ-Image des Harzes („nur alte Leute in beigefarbenen Hosen“) gab es eine selbstironische „Meine-beige-Hose-Aktion“ mit vielen lustigen Fotos und Selfies. Die Mode-Marke „Harzkind“ wurde etabliert, bedruckte T-Shirts und eine Harz-Kräuterlimo angeboten. Bei einem Flashmob am Prinzenteich versammelten sich rund 100 Harzbewohner, die sich zu ihrer Heimat bekannten. Bei Facebook wurden entsprechende Filme gezeigt, die zigtausende Male geklickt wurden. Die PR-Guerilla-Aktionen garantierten Aufmerksamkeit und Anerkennung: Das Modelabel „Harzkind“ wurde zweifach von der Wirtschaft ausgezeichnet. Es geht noch mehr: Elke Roch bietet außergewöhnliche Tagesreisen in den Harz an, „zum Beispiel einen Geburtstag mit Klangschalenkonzert in der Höhle oder Kräutersammeln mit Picknick im Wald.“ Dafür gab es viel Beifall und einen Kommentar von Holger Heinke: „Ideen werden geboren, nicht erzwungen.“

Nicht ganz so weit in die Ferne ging es mit dem zweiten Vortrag von Annika Müller, sie ist Stadtmanagerin der nordfriesischen „Holländerstadt“ Friedrichstadt. Sie ist eine der Gewinnerstädte des bundesweiten Wettbewerbs „Zukunftsstadt“ im Wissenschaftsjahr 2015. Das bedeute Geld, aber auch unendliche Mühen. Das kleine Städtchen habe mit Leerstand zu kämpfen, habe einen „inoffiziellen, grauen“ Übernachtungsmarkt und müsse sich nun „neu erfinden“, wie die Stadtmanagerin berichtete.

35  000 Euro, mit denen die Bürger gemeinsam ein nachhaltiges Konzept für die Zukunft ihrer Stadt entwerfen wollen, bewilligte das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die Folge waren Gesprächsrunden, Seminare und Workshops: „Quer- und Vorausdenken ist ausdrücklich gewünscht“, betonte der seinerzeit von der Wirtschaftsförderung Nordfriesland beauftragte Regionalmanager Tilmann Meyer.

„Es ist mühselig“, gab Annika Müller zu. Zunächst habe man sich auf naheliegende Ideen wie Weihnachtsbeleuchtung oder den Geburtstag der Eiderbrücke kapriziert. Anregungen aus anderen Orten wie Niebüll (Stadtmagazin) oder eigene Biersorten wurden aufgenommen. Ideen gebe es viele, zum Beispiel die Grachten als Wasserspielplatz zu gestalten, allerdings sei die Umsetzung oft kostspielig: „Alles dauert, vieles muss ausgelotet werden.“ Aber es gebe Licht am Horizont: „Inzwischen kommen junge Leute, die hier arbeiten wollen.“ Problematisch bleibe der Verfall der leerstehenden Häuser. „Hier gibt es keine Handhabe“, so Tilman Meyer.

Welche Anregungen Niebüll aus dem Blick über den Tellerrand ziehen kann, wird sich zeigen; Gastgeber Holger Heinke jedenfalls zeigte sich spontan begeistert von der Idee einer eigenen Biersorte: „Das brauchen wir hier auch.“ Wer weiß: Vielleicht gibt es bei einem künftigen Jahrestreffen des Stadtmarketings tatsächlich ein Niebüller Bier.

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erstellt am 24.Feb.2017 | 11:39 Uhr

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