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Quatsch- und Spaß-Geschichten auf hohem Niveau

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

shz.de von
erstellt am 16.Sep.2013 | 00:33 Uhr

Der Charlottenhof bebte in seinen Grundfesten. Nicht durch Dezibel einer Band, sondern durch herzhaftes Lachen. Das Kieler Lüdemann-Theater versetzte die Zuschauer in einen Ausnahmezustand, denn alle waren bereit dazu. Das merkte man schon beim Einstieg, ein Aufwärmen wie in der Fernsehshow durch Frontmann Andreas Schauder. Er erklärte die Spielregeln hautnah – und Broder in der ersten Reihe fand sofort seine Berufung. Genauso funktioniert es beim Improtheater, alle machen mit. Das erhöht den eigenen Spaß, denn die Zuschauer bestimmen, was sie sehen wollen. Die Schauspieler Alexander und Carsten improvisierten flugs anhand der in den Saal gerufenen Begriffe, schlüpften in die für sie angedachten Rollen.

So ging es gleich in der ersten Szene um eine Liebesgeschichte und die dramatische Rückkehr nach Klanxbüll. Um die Ereignisse voranzutreiben, befragte Andreas Schauder immer wieder das Publikum. Sprachen aller Art mussten im zweiten Sketch beackert werden. Nun galt es anhand einer handfesten Sauna-Szene Platt, Dänisch, Alien-Sprech, Kisuaheli und Maori umzusetzen, wahrhaft köstlich. Nicht zu toppen war am Ende die stumme kaulquappenartige Fisch-Mimik der beiden Protagonisten.

Mit Requisiten aus dem Publikum, ausstaffiert mit einer kaputten 3-D-Brille und einer Benotti-Blumenjacke, zeigten die Akteure eine weitere Beziehungsszene, die das Gelächter und den Applaus weiter steigerte.

Auch der Klassiker der Freizeitgestaltung, bei dem ein Mitspieler die Armbewegungen des Kollegen von hinten übernimmt, wurde geistreich als Ratespiel inszeniert und kam gut an. Ebenso goutiert wurde ein deutsch-französische Lesung mit überraschender Übersetzung. Sprachspiele der besonderen Art! Das Publikum war bereits kurz davor, den Rubikon Lachkoller zu überschreiten, amüsierte sich lautstark über ein klangvolles „Pipong-Pipong“. So einfach ging es an diesem Abend! Und die Zuschauer wollten mehr. Schrieben fleißig Zettel mit leidenschaftlichen Wünschen, aus denen nach der Pause die nächste wüste Story gebastelt wurde. Natürlich ging es wieder um die Liebe, die Bundestagswahl und die einzig wahre Erkenntnis „Ich liebe meinen Volkswagen“.

Der Spaß am höheren Blödsinn ließ nicht nach. Heike aus Horsbüll durfte die Amor-Pistole einsetzen, Sven und Gaby bewegten unter dem Jubel der Zuschauer Alexander und Carsten als große Gliederpuppen, Albert ließ seine „Erster-Kuß-Geschichte“ mit Freundin Astrid hinter der Scheune wieder aufleben. Die Schauspieler funktionierten hier per „Fernbedienung“. Mit einer Version des Klassikers „Antigone“ statt „Schatz, ich habe den Panda gef....“ ging es dem Schluss entgegen, da war es schon spät. Zur Zugabe kam dann Broder endlich auf die Bühne. Gemeinsam wurde eine herrliche Quatsch-Geschichte über Nordfriesland erfunden: „Wo sind denn bloß die Berge hin?“ Lachen und Beifall – ohne Ende.

Mit dieser Mischung aus Comedy, Theater und Interaktion bewiesen die Spieler des Lüdemann-Theaters, wie einfach und schnell gute Geschichten erzählt werden können, wenn das Publikum so animiert ist, wie im Charlottenhof.

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