zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

14. Dezember 2017 | 00:27 Uhr

Quartiermanager als Alternative auf dem Land

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Friedlinde Grabert will die Eigenständigkeit der Senioren fördern

shz.de von
erstellt am 04.Okt.2013 | 00:33 Uhr

Frau Grabert, als Leiterin der DRK-Sozialstation Karrharde-Leck/Süderlügum-Neukirchen werben Sie für die Realisierung des Projektes „Quartiersmanager“. Was beinhaltet der Quartiersgedanke?

Die demographische Entwicklung hat bewirkt, dass die Menschen immer älter werden und die Zahl der Pflegebedürftiger ständig zunimmt. Dies hat zur Folge, dass es vielen nicht mehr möglich ist, selbständig zu Hause wohnen zu bleiben. Da die vielen Kleinstpflegeheime im ländlichen Raum aufgrund ihrer schwierigen finanziellen und personellen Situation auch nicht in der Lage sind, den gesamten zusätzlichen Bedarf an Hilfe- und Pflegeleistungen abzudecken, musste nach neuen Lösungen gesucht werden. Vorgeschlagen wurde, Bürgergemeinschaften eines Stadtteils oder Einwohner benachbarter ländlicher Gemeinden, die im alltäglichen Leben Gemeinsamkeiten aufweisen oder in sozialer Hinsicht zusammenarbeiten, als Quartier auszuweisen und diesem einen Manager nach Art eines Kümmerers an die Seite zu stellen. Dessen Aufgabe ist es, dafür Sorge zu tragen, dass ältere Menschen auch außerhalb größerer Zentralorte möglichst lange in der eigenen Wohnung – oder zumindest am selben Ort – verbleiben und selbstbestimmt leben können.

Wie kann dies geschehen?

Indem ein wertschätzendes Umfeld geschaffen wird, in dem das Alt-Sein und alle Sachverhalte, die zur Ausgrenzung führen, enttabuisiert werden, was einer Vereinsamung entgegenwirkt. Der Kümmerer könnte Gespräche führen, Behördengänge erledigen, die Wohnung und den Garten seines Schützlings im Auge behalten und ihn in jeder Hinsicht aktiv unterstützen.

Können Sie ein konkretes Beispiel für ein mögliches Quartier nennen?

In einem Quartierskonzept für den Kreis Nordfriesland wurde angeregt, den Bereich der Gemeinden Bramstedtlund, Ladelund und Westre zu einem Quartier zusammenzufassen. Wenig später wurde auch Karlum noch in die Überlegungen einbezogen.

Darf denn Ladelund als „Bedarfsgemeinde“, die ihren Haushalt nicht aus eigener Kraft ausgleichen kann, sich überhaupt an einem derartigen Projekt beteiligen?

Eine Anfrage bei der Kommunalaufsicht ergab dieser Tage, dass ihr dies nicht verwehrt werden dürfe.

Welche Kosten würden denn für die Gemeinden anfallen?

Die Personalkosten eines Managers beziehungsweise Kümmerers, ein Betrag in Höhe von knapp 33 000 Euro pro Jahr, würden für drei Jahre zu 80 Prozent (also mit rund 26 300 Euro) bezuschusst werden. Die verbleibenden 20 Prozent müssten sich die beteiligten Gemeinden teilen, die somit jährlich je rund 1600 Euro aufzubringen hätten.

Als Vorsitzende der DRK-Wohnprojektgesellschaft Ladelund können Sie noch mit einem zusätzlichen Wohn- und Betreuungsangebot aufwarten.

Das ist richtig. Denn dank des Erwerbs der vom Diakonischen Hilfswerk Schleswig-Holstein in der Ladelunder Bergstraße als stationäres Angebot geplanten und erbauten, jedoch sieben Jahre lang ungenutzten Seniorenwohnungsanlage, konnten wird diese so herrichten, dass sie ein generationsübergreifendes Wohnen von Gesunden, Pflegebedürftigen und Behinderten ermöglicht, wie es unter der Bezeichnung „Bielefelder Modell“ bundesweit bekannt wurde. Die Anlage, seit 2011 zugleich Sitz der Verwaltung der DRK-Sozialstation Karrharde-Leck/Süderlügum-Neukirchen gGmbH, konnten wir mit Hilfe von Zuschüssen aus Mitteln der AktivRegion-Nord so herrichten, dass sie auch behinderten Menschen – ohne Betreuungspauschale – ein selbstbestimmtes Wohnen mit Versorgungssicherheit ermöglicht.

Glauben Sie daran, dass das angesprochene Ladelunder Quartiersprojekt zustande kommt?

Da bin ich guter Dinge. Immerhin hat die Gemeinde Ladelund ihre Bereitschaft zur Teilnahme bereits bekundet. Wie werden sehen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen