zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

14. Dezember 2017 | 20:37 Uhr

Puzzlestücke zu einem historischen Geheimnis

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Hamburger Institut untersucht Holz der Fahretofter Kapelle von 1634

von
erstellt am 22.Feb.2016 | 16:22 Uhr

Für den Laien mögen es nur einfache Holzstifte sein, für Historiker jedoch sind diese vergleichbar mit Puzzlestücke, die Stück für Stück an eine Kapelle aus dem Jahr 1634 erinnern. Erbaut wurde sie vom holländischen Deichbaumeister Jan Adriaenzoon Leghwater. Einst stand sie auf einer kleinen Warft (neben der Fahretofter Raiffeisen-Sparkasse), bis sie 1682 abgerissen wurde. Ausgangspunkt war die Zeit des Deichbaus am Bottschlotter Werk. Dort arbeiteten von 1632 bis 1648 bis zu 5500 Holländer unter der Regie von Deichbaumeister Leghwater. Für sie war die katholische Kapelle gebaut worden.

Nach dem Abriss der Kapelle sind einige Baumaterialien in der Region wiederverwendet worden. Darauf lässt unter anderem eine Steinplatte schließen, die heute vor dem Momsen-Haus platziert ist. Auf der Vorderseite der Platte steht der Name des Landmanns, Mechanikers und Mathematikers Hans Momsen (1735–1811). Auf der Rückseite der lange Zeit unbeachtet gebliebenen Steinplatte sind biblische Szenen zu sehen (wir berichteten). Vermutet wird, dass die Platte dem Altar der katholischen Kapelle zuzuordnen ist. Der Geschichte von der Steinplatte gehen aktuell Experten nach: vom Landesamt für Denkmalschutz Dr. Dirk Jankonski und der ehemalige Leiter des Freilichtmuseums Molfsee, der Nordfriese Prof. Dr. Carl Ingwer Johannsen.

Von der früheren Kapelle scheinen aber noch mehr Reste erhalten zu sein. Bekannt ist, dass der Friese Jens Breckling Sparren des Dachstuhls 1780 für sein Haus am Holländerdeich 66 verwendete – heute bewohnt von der Familie Carsten Sibbersen. Kürzlich haben dort nun zwei Studenten aus vier Sparren mit Hohlbohrungen Holzproben entnommen, um mehr um den Ursprung des Materials zu erfahren. Besonders interessant für die Experten ist, aus welcher Region diese Holzstifte stammen.

Das Holzinstitut Hamburg (HIH) ist derzeit dabei, das zu ermitteln. Dabei werden die genommenen Proben „dendrochronologisch“ untersucht, wie man das Verfahren der Jahresringforschung nennt. Die Ergebnisse lägen noch nicht vor, erklärte Hans Werner Paulsen. Für den Südtonderaner, Initiator des Projekts Momsen-Haus und Vorsitzender der Hans-Momsen-Gesellschaft, könnten diese aber eine „echte Sensation“ liefern – zumindest für Geschichtsinteressierte. Paulsen: „Jedes Stück von der alten Kapelle erzählt eine Geschichte. Wenn man allein nur die Form der vier Sparren betrachtet, kann davon ausgegangen werden, dass die Kapelle einen Turm gehabt haben muss. Ob da auch eine Glocke drin war, wissen wir nicht“, sagt Paulsen, der nun auf die Ergebnisse vom Hamburger Institut wartet.




zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert