Aus der Gemeindevertretung : Protest gegen Westküstenleitung

Neben der Hauptstraße ist auch der Rad- und Gehweg durch Humptrup erneuert worden.
Neben der Hauptstraße ist auch der Rad- und Gehweg durch Humptrup erneuert worden.

In Humptrup steht die Gründung einer Bürgerinitiative bevor – Bürgermeister fordert Einwohner auf, sich zu wehren.

shz.de von
25. Mai 2018, 10:06 Uhr

Humptrup | Obwohl die geplante 380-kV-Westküstenleitung gar nicht auf der Tagesordnung stand, war sie eines der beiden Hauptthemen bei der 23. und letzten Sitzung in der zu Ende gehenden Legislaturperiode der Humptruper Vertretung im Gemeindehaus. Dafür sorgten die anwesende Bürger in der Einwohnerfragestunde, die Bezug nahmen auf die Bürgerdialoge, die wenige Tage zuvor an gleicher Stelle stattgefunden hatten.

Bei Vorstellung der beiden möglichen Trassen-Korridore war deutlich geworden, dass der westliche nicht nur durch das erst vor kurzem ausgewiesene Landschaftsschutzgebiet, sondern unmittelbar am Dorf Humptrup vorbeilaufen könnte. Zumal für einige Anwesende feststeht, dass die östliche Trassenführung wegen der Nähe zur Kastagnette der Bundeswehr in Ladelund schon ausgeschlossen werden könnte. Aus den sachlich vorgetragenen Argumenten der Einwohner wurde deutlich, dass sich gegen diese Stromleitungsführung mit etwa 60 Meter hohen Masten eine Bürgerinitiative in Humptrup gründen wird.

„Wir wollen die Westküstenleitung nicht verhindern, sondern entsprechend abmildern“, sagte dann auch Carsten Jensen, der vorschlug, einen versierten Verwaltungsrechtler als fachlichen Berater hinzuzuziehen. Dieser könnte Bürgern und Landeigentümern Wege aufzeigen, was möglich wäre, damit sie nicht zu hart getroffen werden.

Auch Bürgermeister Erich Johannsen bezog klar Stellung: „Wir Humptruper sind gegen die Masten bei uns – wir wollen die Westtrasse nicht!“ Er wurde unterstützt von seinem Stellvertreter Asmus Thomsen, der kritisierte, dass in dem charakteristischen Landschaftsraum keine Windkraftanlagen aufgestellt werden dürfen und sagte: „Jetzt werden wir bestraft, dass wir die Trasse recht dicht an unser Dorf kriegen!“ Er sprach sich klar für eine Unterstützung der Bürgerinitiative aus und appellierte an alle Humptruper, auch insbesondere die jungen Leute, sich dieser anzuschließen.

Eventuell könnten hier auch die gleichfalls betroffenen Nachbargemeinden wie Uphusum und Holm mit einbezogen werden, so Thomsen weiter. „Man merkt, Humptrup wehrt sich“, so das Fazit von Bürgermeister Johannsen, der ebenso wie seine Mitstreiter die Einwohner dazu aufrief, sachliche Argumente und Fakten gegen die westliche Trassenführung dem Energiewendeministierium in Kiel schriftlich auf dem Dialogbogen oder per E-Mail: stromnetzausbau@melund.landsh.de mitzuteilen. Diese müssen aber bis spätestens 15. Juni dort eingehen, da dann das Dialogverfahren endet.

Weiteres Thema und nicht weniger „heißes Eisen“ war die Beratung über die Änderung der Straßenausbaubeitragssatzung, da hier aktuell die Anlieger der Hauptstraße (K 85) betroffen sind. Denn im Zuge der Sanierung dieser Straße ist auch der Rad- und Gehweg dort von der Gemeinde erneuert worden. Bis auf wenige kleine Restarbeiten sind die Maßnahmen fast abgeschlossen, aber noch nicht abgerechnet worden. Wie der Bauausschussvorsitzende Karl-Heinz Peters erläuterte, ist der geplante Gesamt-Fertigstellungstermin Ende Mai wohl nicht ganz zu halten. Zwei erarbeitete Varianten zur Satzungsänderung lagen der Vertretung vor: Die Anliegerbeiträge im Rahmen des Erlasses zu reduzieren oder rückwirkend ab dem 26. Januar 2018 aufzuheben. Eine Reduzierung würde bei der aktuellen Baumaßnahme von 50 auf 30 Prozent Beitragsanteil für die Anlieger bedeuten. Bürgermeister Johannsen plädierte ebenso wie der Finanzausschussvorsitzende Asmus Thomsen, die die bisherigen gesetzlich vorgeschriebenen Umlagesätze als zu hoch und ungerecht sahen, für eine Reduzierung. „Wir schränken uns sonst ziemlich ein und könnten künftige Investitionen nur über Kredite finanzieren, zumal Humptrup seit 2013 den Haushalt nicht mehr ausgleichen kann und zur Finanzbedarfsgemeinde geworden ist“, so der Tenor der beiden. Gemeindevertreter Christian Heinsen plädierte für eine Aussetzung, da die Steuerhebesätze für die Bürger schon hoch genug wären. Er hoffte ebenso wie seine Mitstreiter Lorenz-Peter Nissen und Bernhard Godbersen auf künftige Zuwendungen oder Ausgleichszahlungen vom Land Schleswig-Holstein. Am Ende hieß es sechs gegen vier Stimmen für die Beitragsaussetzung. Das bedeutet nun für die Gemeinde für die rund 330.000 Euro teure Baumaßnahme des Rad- und Gehweges an der Hauptstraße eine weitere Kreditaufnahme.

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