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Nordfriesland Tageblatt

21. August 2017 | 16:17 Uhr

Premiere : Proben für den großen Tag

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Am 8. September richtet der Freie Fanfarenzug Niebüll zum ersten Mal die Landesmeisterschaft der Spielmanns-Vereinigung aus

„Das geht gar nicht“. Die Stimme von Werner Sönnichsen dröhnt über den Schulhof der Alwin-Lensch-Schule. Der Freie Fanfarenzug Niebüll probt für die Landesmeisterschaft am 8. September in Niebüll die Marschwertung. Takt und Klangreinheit, aber auch die Abstände in den Rotten und Reihen einhalten sind wichtig. Und dann das: Eine Spielerin hat bemerkt, dass ihr Schnürsenkel aufgegangen ist. Sie tritt aus der Reihe und knotet sich das Bänzel wieder zu. Ein Fauxpas, der dem Zug im Ernstfall wichtige Punkte bei den Wertungsrichtern kosten kann. Das erklärt der Vorsitzende dem Mädchen – freundlich aber bestimmt. Die Botschaft ist angekommen. Vanessa Bruhn (14) reißt den Stab nach oben, ein Schlag der Trommel ist das Zeichen, ins Stillgestanden zu gehen, dreht sich um die eigene Achse, und weiter gehts. Am 8. September richtet der Fanfarenzug Niebüll erstmals die Landesmeisterschaft der Spielmanns-Vereinigung Schleswig-Holstein (SVSH) aus. Sechs Wertungsrichter aus allen Ecken des Landes werden auf dem Sportplatz der Beruflichen Schulen und in der Stadthalle die Spielleute bewerten. Selbst kleine Fehler kosten Punkte, und die Profis bemerken jeden: Sei es falsche Töne, Schwankungen bei der Spielgeschwindigkeit, schlecht gestimmte Trommeln oder schief gehaltene Instrumente. Eine fallen gelassene Flöte oder Fanfare – der Supergau.

Und auch die Marschwertung, bei der es neben dem spielerischen Können auch auf die exakte Übernahme der Instrumente, das fehlerfreie Laufen eines Parcours sowie den Abriss und Neubeginn eines Musikstückes, fordern die Spielleute. Das macht auch für Vanessa Bruhn, vertreten wird sie im Notfall von Alexandra Werner (14), die Sache nicht einfacher. 16 Schritte hat die Stabführerin nach dem Zeichen durch die Wertungsrichter Zeit, das Musikstück abzureißen, 16 Schritte bis zur Instrumenten-Aufnahme und dem Anriss des nächsten Stückes. Keiner mehr, keiner weniger. Das muss natürlich geübt werden. Zweimal wöchentlich (montags und donnerstags von 18.30 bis 20 Uhr) auf dem Schulhof oder, wie unlängst, während eines Übungswochenendes in Neukirchen an der Ostsee.

Werner Sönnichsen spielt selber mit und kennt „seinen Laden“. „Wichtig ist, dass Du mit Ann-Kathrin eine Reihe bildest“, mahnt Vereinschef in einer kurzen Pause eine Spielerin. „Ihr müsst alle darauf achten, dass ihr die gleiche Schrittfolge habt, wie die Stabführerin.“ Und auch für Alexandra Werner (14), die zwischendurch den überdimensionalen Taktstock übernimmt, hat er gut gemeinte Tipps. „Du musst allgemein noch etwas zackiger werden, denn der Zug reagiert auf Deine Langsamkeit.“ Birgit Werner möchte von den Spielleuten mehr Selbstbewusstsein. Auch sie hilft mit ihrer langjährigen Erfahrung als immer noch aktive Spielerin.

Bei aller Strenge: Im Freien Fanfarenzug Niebüll geht es locker zu. Lässig hocken die Jugendlichen nach dem Übungsabend auf dem Boden, schwatzen, lachen und albern herum. Gemeinschaft und Zusammenhalt werden hier groß geschrieben, und das schätzen die Spielleute. Sie haben eine Alternative zum Abhängen vor Computern oder Spielkonsolen gefunden und trotz des teils erheblichen Altersunterschieds Spaß daran, gemeinsam etwas zu unternehmen: Lea, die mit ihren zehn Jahren schon die zweieinhalb Kilo schwere Trommel spielt, Lisa (11), die seit einem Jahr Fanfare spielt. Thies Andresen (18) schlägt beispielsweise seit sechs Jahren die Tim Toms, Michael Christiansen die Pauke, Sebastian Werner die Landsknechttrommel, Dennis Sönnichsen und Simon Trautwein die Snare-Drums.

Seinen jüngsten Erfolg feierte der Fanfarenzug Niebüll beim Musikfest in Hattstedt, holte sich eine Goldmedaille. „Darauf sind wir stolz“, sagt Werner Sönnichsen. Mit 20 Spielleuten geht der Freie Fanfarenzug Niebüll am 8. September ins Rennen um die begehrten Trophäen. Die Spielleute wissen, woran sie bei sich noch arbeiten müssen. Stabführerin Alexandra: „Das schwierigste ist, die 16 Schritte einzuhalten. Man darf sich nicht ablenken lassen.“

Das Ziel für den 8. September? Madita spricht aus, was alle hoffen: „Den 1. Platz erreichen.“ 1,8 Punkte reichen, um bei der Deutschen Meisterschaft an den Start zu gehen.

 

 

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erstellt am 27.Aug.2013 | 00:35 Uhr

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