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Temposünder : Polizei auf Raserjagd in Südtondern

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Für die Polizeiverkehrsüberwachung ist die nördliche B5 ein Einsatzschwerpunkt / Videowagen und „Blitzer“ sind täglich im Einsatz

Gefährlicher Alltag auf der nördlichen B5: Ein Mittelklassewagen schert mit 130 km/h aus und setzt zum Überholmanöver an. Auf der Gegenfahrbahn nähert sich in kurzer Entfernung ein Auto. Der Entgegenkommende muss schnell reagieren und mit seinem Wagen auf den Mehrzweckstreifen ausweichen. Ein riskantes Überholmanöver, wie es wohl jeder Autofahrer in Südtondern schon mal beobachtet hat. Die B5 zwischen Stedesand und Risum- Lindholm verleitet so manchen Verkehrsteilnehmer zum Tritt aufs Gaspedal. Das weiß natürlich auch die Polizei: „Es gibt typische Gefahrenmomente auf der B5“, sagt Stephan Kurella. Der Polizeihauptkommissar und sein Kollege Hans-Ulrich Kob sind hier deswegen regelmäßig mit einem Videowagen auf Streife. Die Beamten mischen sich unauffällig in den Verkehr und nehmen bei gefährlichen Überholmanövern oder Raserei die Verfolgung auf – alles wird dann auf VHS-Band dokumentiert. So kann es vorkommen, dass die Polizisten der Verkehrsüberwachung mit Sitz in Husum innerhalb nur einer Stunde drei „Kolonnenspringer“ aus dem Verkehr ziehen müssen. „Diese Fahrer vertrauen darauf, dass die anderen ausweichen – das ist mehr als leichtsinnig“, so Kurella. Werden die Verkehrssünder von den Beamten anschließend mit ihrem Verhalten auf Video konfrontiert, zeigen sich die meisten Fahrer einsichtig. „Der renitente Typ ist die Ausnahme“, weiß Kommissar Hans-Ulrich Kob. Im Gegenteil: „Die Mehrheit ist eher überrascht, dass die Strafe nicht höher ausfällt und ist und deswegen in der Regel richtig dankbar.“ Diese paradoxe Reaktion kommt zustande, weil die Beamten automatisch eine Toleranz von ihrer Messung abziehen müssen. Was die Verkehrssünder auf ihrem Tacho sehen, unterscheidet sich von dem, was ihnen später vorgeworfen wird. „Trotzdem riskieren die Raser neben der erheblichen Gefahr schwerster Unfälle auch das Risiko eines Strafverfahrens wegen Straßenverkehrsgefährdung oder Nötigung und im Falle einer rücksichtslosen Gefährdung des Entgegenkommenden oder anderer Verkehrsteilnehmer ein langfristigen Entzug der Fahrerlaubnis“, mahnt Stephan Kurella.

Bei einer normalen Dienstfahrt summieren sich die gefahrenen Kilometer im Videowagen ohne weiteres auf 300. Etwas weniger hektisch und deutlich ungefährlicher geht es für die Beamten und zivilen Mitarbeiter der stationären Geschwindigkeitsmessung zu. An mehr als 349 Messstellen im gesamten Kreis ist das feste Team nahezu jeden Tag im Jahr im Einsatz (wir berichteten). Mitarbeiterin Birgit Kirchner braucht rund eine halbe Stunde, um die unterschiedlichen Sensoren und zwei Gestellkameras am Straßenrand aufzubauen. Danach beobachtet sie in einem verkabelten Wagen die gemessenen Geschwindigkeiten der vorbeifahrenden Autos. Hat es „geblitzt“ kommen häufig besorgte Fahrer an den Messwagen, um sich nach den Konsequenzen zu erkundigen. „Da muss man auch mal Seelsorger sein“, sagt Kirchner und erinnert sich an einen jungen Mann, der wegen einer drohenden Nachprüfung in der Probezeit vor ihr in Tränen ausbrach.

Dass es bei dem Einsatz der „Blitzer“ nicht um Geldmacherei geht, davon ist Polizeihauptkommissar Horst Görrissen überzeugt: „Es geht darum, die Autofahrer für die Gefahren zu sensibilisieren – besonders vor Schulen und sozialen Einrichtungen.“ Gemeint sind besonders Menschen, die unkontrolliert aufs Gas treten. „Kürzlich haben wir im Tempo-70-Bereich des Broweg einen Fahrer mit 161 km/h gemessen“, sagt Kirchner, „da fasst man sich schon an den Kopf“.
 

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erstellt am 07.Mär.2015 | 05:00 Uhr

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