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Weiß Lösungen: Sievert Johannsen
Weiß Lösungen: Sievert Johannsen

Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung: Sievert Johannsen ist der einzige Vorsorgelotse im nördlichen Nordfriesland

shz.de von
29. März 2014, 05:45 Uhr

„Jeder sollte vorsorgen, solange er noch kann“, sagt Sievert Johannsen. Jeder! Es kann jung oder alt gleichermaßen treffen – plötzlich und unerwartet: ein Verkehrs- oder ein Reitunfall, ein Schlaganfall oder ähnliches reichen aus. Die Betroffenen haben zu ihrem Schicksal meistens eine weitere Bürde zu tragen: Ihnen ist in der Regel das höchste Recht genommen: das auf Selbstbestimmung. „Wer kümmert sich um mich, wenn ich es selbst nicht mehr kann?“ Sprich: Wer trifft für mich und in meinem Sinne die wichtigen und vor allen Dingen die richtigen Entscheidungen? Die Frage klingt ganz einfach, die Antwort auch. „Mein Partner“, werden die meisten Angesprochenen spontan erklärten. „Falsch“, weiß Sievert Johannsen aus Risum-Lindholm. Denn Ehegatten, Partner, Kinder oder Eltern sind entgegen weit verbreiteter Annahme nicht automatisch berechtigt, für die zu Betreuenden zu handeln und zu entscheiden. Es sei denn, der zu Betreuende hat dies vorher und zu einer Zeit, in dem ihm dies noch möglich war, schriftlich festgelegt: in einer Vorsorgevollmacht, einer Betreuungsverfügung und/oder in einer Patientenverfügung.

Wie sie auszusehen haben, weiß der 75-Jährige genau, und sein Wissen gibt er weiter. Sievert Johannsen, ehemaliger Maurermeister und bis zu seiner Rente im damaligen Kirchenkreis Südtondern zuständig für das Bauwesen, ist einer von zwei, vom Verein für Betreuung und Selbstbestimmung in Nordfriesland, eingesetzten Vorsorgelotsen. Zuständig ist er für den nördlichen Teil des Kreisgebiets – von Husum bis zur dänischen Grenze und Medelby. Seit 2003 ist er Mitglied im Verein für Betreuung und Selbstbestimmung und seither als ehrenamtlicher Betreuer tätig. In einer erstmals durchgeführten, viertägigen Schulung hat er gemeinsam mit Kollegen aus ganz Schleswig-Holstein nun den nötigen „Feinschliff“ erhalten. Finanziert wurde diese Maßnahme durch das Land. „Viele Menschen beschäftigen sich nicht mit ihrem eigenen Ableben, haben Angst vor der Entscheidung. Ich möchte Ihnen die Ängste nehmen.“ Durch eine umfassende Aufklärung und Hilfestellung, ehrenamtlich und kostenlos.

Die wichtigste Vollmacht ist eine Vorsorgevollmacht. Sie stellt sicher, dass ein in ihr namentlich benannter Mensch des Vertrauens im Sinne der Betreuten tätig ist – in vermögensrechtlichen und behördlichen Angelegenheiten, in persönlichen Belangen und bei der Sorge für die Gesundheit. Aber auch beim Erstellen einer Patientenverfügung gibt es Formulierungshilfen zu berücksichtigen. Sievert Johannsen erklärt die Unterschiede und gibt Tipps.

Wichtig ist auch, dass jeder einen Vorsorgeausweis, er kann selbst angefertigt sein, im Portemonnaie bei sich trägt. „Hier wird im Notfall zuerst nach den Personalien gesucht“, weiß der Vorsorgelotse. Auf dem Kärtchen sollten neben Name und Adresse des Inhabers sowie Art und Anzahl seinen hinterlegten Vollmachten auch die Angaben zum Bevollmächtigten vermerkt sein. Dieser wiederum sollte wissen, wo sich die Originale der Vollmachten befinden. Nur somit ist er sofort handlungsbevollmächtigt.

Grundsätzlich gilt: Wer sich gar nicht kümmert, sein Schicksal auf die leichte Schulter nimmt, hat ein Problem: „Wenn ich nicht vorgesorgt habe, werde ich fremdbestimmt.“ Durch wen, entscheidet dann das Vormundschaftsgericht. Wie erwähnt: Die Inanspruchnahme des Vorsorgelotsen ist umfassend, kompetent und kostenlos. „Sie ersetzt aber keine Rechtsberatung“, so Sievert Johannsen.

Offene Gesprächsrunden finden an jedem ersten Donnerstag im Monat (das nächste Mal am 3. April) in der Zeit von 9 bis 11 Uhr im sogenannten Betreuungsrechtscafé statt. Treffpunkt: Seniorenwohnanlage Niebüll-Gath, Bachstelzenring 3-7. Auch Beratungswünsche zu Vorsorgevollmachten und Betreuungsverfügungen sind möglich. Anmeldungen unter Telefon 04841/4175.

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