Altenpflege : Plan gegen Pflegenotstand

In der Altenpflege  werden auch in Niebüll Fachkräfte dringend gesucht.
In der Altenpflege werden auch in Niebüll Fachkräfte dringend gesucht.

Seniorenbeirat stellt Prüfantrag an die Verwaltung für die Suche eines alternativen Trägers für das Heim Niebüll-Gath.

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15. März 2018, 07:50 Uhr

Niebüll | „Wir sind sehr besorgt und sehen Handlungsbedarf.“ So fasst die Vorsitzende Frauke Rörden-Prang gestern in der Sitzung des Seniorenbeirats zusammen, was die Vertretung der älteren Bürger in Niebüll bewegt – mit Blick auf den drohenden Pflegenotstand in Niebüll allgemein und auch speziell mit Blick auf die Missstände, die im Februar ein ehemaliger Mitarbeiter der Alloheim-Seniorenresidenz in Niebüll-Gath öffentlich angeprangert hat (wir berichteten). Dieser kritisierte Hygienemängel und Personalnotstand.

Der besorgte Seniorenbeirat hat gehandelt und einen Prüfantrag an die Verwaltung übergeben. Die gravierenden Mängel in dem genannten Seniorenheim seien nicht hinnehmbar. Die Stadt Niebüll habe eine Verpflichtung für die Versorgung aller ihrer Bürger, heißt es darin. Um die Versorgung der alten, pflegebedürftigen Bürger, deren Anzahl rasant steigen werde, sicherzustellen, bedürfe es einer vorausschauenden Planung, sagt Beiratsmitglied Frank Steinauer. Daher fordert der Beirat die Verwaltung unter anderem dazu auf, zu prüfen, ob ein möglichst gemeinnütziger Träger einspringen könne, falls die Seniorenresidenz geschlossen werden sollte, ob es im Stadtgebiet geeignete Grundstücke für den Bau einer Altenpflegeeinrichtung gebe und wie qualifizierte Mitarbeiter gewonnen werden könnten. Dies gelte – so betonte Frank Steinauer – ausdrücklich auch mit Blick auf den allgemeinen, sich verschärfenden Pflegenotstand. Denn die Zahl der über 80-Jährigen wird in Niebüll in den kommenden zehn Jahren um 27 Prozent steigen. Stark zunehmen wird auch die Zahl der an Demenz Erkrankten.

„Der Personalmangel, besonders der der über drei Jahre ausgebildeten, examinierten Pflegekräfte, scheint in der Tat das größte Problem“, sagt Wilfried Bockholt. Der Bürgermeister betont, dass es sich um ein „äußerst kritisches und sensibles Thema handelt – besonders mit Blick auf die Bewohner und deren Angehörige, die die Pressedarstellungen über die Missstände sehr belastet hat.“

Und das völlig zu Recht – jedenfalls nach Ansicht der zur Sitzung eingeladenen Vertreter der ehrenamtlichen Patienten-Hilfe an der Niebüller Klinik. „Wir sind sehr betroffen, dass es solche Pflegemängel bei uns im schönen Niebüll direkt vor der Haustür gibt, diese müssen sofort beseitigt werden“, sagen die Patienten-Helfer. Ihr Wunsch ist, dass es solche Ehrenamtler, die sich Zeit für die Patienten, ihre Wünsche und Sorgen nehmen, auch bald im Seniorenheim Niebüll-Gath gibt.

Dieses sucht übrigens eine neue Geschäftsführung. Derzeit übt Miriam Beyer, Leiterin des Alloheims in Leck, diesen Job kommissarisch aus. „Sie kann auf Dauer aber nicht zwei Häuser leiten“, sagt Wilfried Bockholt.

Mit Blick auf den Prüfantrag des Seniorenbeirats, sagt der Bürgermeister: „Wir sind bei weitem noch nicht an dem Punkt, an dem eine neue Pflegeeinrichtung geplant wird. Uns geht es vorrangig um die personelle Verbesserung in den bestehenden Häusern.“

Dafür hat der Niebüller Seniorenbeirat mit seiner Initiative auf Einrichtung einer einjährigen Pflegeklasse als Grundlage für eine dann verkürzte, qualifizierte Ausbildung bereits einen großen Schritt getan, den der Bürgermeister ausdrücklich anerkennt. Wilfried Bockholt gibt aber zu bedenken, „dass wir viel zu wenig darüber wissen, wie Pflege heute organisiert, kontrolliert und reglementiert wird.“ Neue Erkenntnisse soll der Besuch der Heimaufsicht des Kreises im nichtöffentlichen Teil der nächsten Sitzung des Sozialausschusses bringen. Der Bürgermeister will sich dafür einsetzen, dass dann auch ein Vertreter des Seniorenbeirats dabei sein kann. „Das ist ein sehr guter Vorschlag“, sagt Frauke Rörden-Prang, „dann können wir in dem Gespräch mit der Heimaufsicht unsere Ängste und Sorgen einbringen.“

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