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Neubaugebiet : Plädoyer für mehr Einheitlichkeit

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Der Trend in der Baubranche geht zum Individualismus / Die Stadt Niebüll schiebt Häuslebauern jedoch einen Riegel vor

Früher stellte sich gar nicht erst die Frage, ob den Bauwilligen in punkto Gestaltung Vorgaben gemacht werden sollten. Denn damals gab es Wichtigeres, worauf die Eigenheimbesitzer in spe wert legten. Günstig, gut geschnitten, warm, trocken und praktisch sollten die Neubauten im ländlichen Raum sein. Der Handwerker aus der Nachbarschaft, der allein durch seine für die Region typische Handwerkskunst für eine gewisse Einheitlichkeit in den Baugebieten sorgte, wurde mit den Arbeiten beauftragt. So reihte sich Friesenhaus an Friesenhaus oder Rotklinker an Rotklinker. Ausnahmen davon gab es, doch eher selten.

Heutzutage aber, in Zeiten der Globalisierung, soll das Eigenheim zunehmend die persönliche Note der Häuslebauer unterstreichen: „Zeig mir, wie du wohnst, und ich sag dir, wer du bist.“ Im Urlaub oder Fernsehen werden die Bauwilligen auf verschiedene Baustile aufmerksam, die dann kopiert (oder als Fertighaus bestellt) und so ins heimische Neubaugebiet verpflanzt werden können. Ein skandinavisches Holzhaus in Südtondern? Gibt es. Eine toskanische Stadtvilla? Gibt es ebenfalls. Ein Bungalow im Bauhausstil? Auch das. Die Auswahl ist groß – ein gewisser Wildwuchs in manch einem Baugebiet die Folge. „Im Extremfall ist es überspitzt gesagt wie in Las Vegas, wo Schlösser neben Schwarzwaldhäusern gebaut werden“, sagt Guntram Blank aus dem Kieler Architekturbüro für Stadtplanung, „Jänick & Blank“, das mit der Konzeptionierung von Niebülls jüngstem Großbauprojektes beauftragt ist. Dort soll es derart viel Vielfalt jedoch nicht geben. Die Stadtväter schieben der Kreativität der Häuslebauer im Baugebiet Nr. 57 am südöstlichen Rand der Stadt mit hohen Auflagen einen Riegel vor. Nicht jeder darf, wie er will. „Auch wenn es immer wieder in der Diskussion steht. Eine gewisse Einheitlichkeit ist notwendig, um ein hochwertiges Baugebiet zu schaffen“, sagt Niebülls Bürgermeister Wilfried Bockholt. Wer also bauen will, bekommt Regeln mit auf den Weg. Glasierte Dachziegel beispielsweise sind tabu, das Verblendmauerwerk soll rot sein, und nur Sattel- oder Krüppelwalmdächer sind erlaubt. „Um für ein harmonisches und für die Region typisches Gesamtbild zu sorgen“, begründet Bockholt dies. „Bauen entwickelt sich jedoch auch weiter. Daher gibt es innerhalb des Gebietes Bereiche, in denen in begrenztem Umfang auch moderneren Bauformen Raum gegeben wird. Dies umfasst die Gebäudeform und die Verwendung vom roten Ziegel abweichender Materialien. Wichtig ist und bleibt aber auch dort die Bezugnahme auf ortsübliche Baustile sowie Materialien und eben keine völlige Freiheit in der Materialwahl“, ergänzt Guntram Blank.

„Nehmen Sie das Beispiel der Siedlungshäuser in der Alwin-Lensch-Straße. Obwohl sich die Häuser alle ähneln, sind sie sehr beliebt. Sie werden als harmonisch empfunden, was mit der homogenen Gestaltung und dem goldenen Schnitt zu tun hat“, erklärt Bürgermeister Bockholt. Aufgabe der Stadt sei es, städtebauliche Strukturen zu schaffen, die solch eine positive Wirkung haben.

Eine derartige Strenge mit den Häuslebauern muss sich eine Gemeinde aber auch leisten können. „Je beliebter ein Ort ist, desto höhere Auflagen kann er stellen“, sagt Guntram Blank. Und Niebüll kann. Für die bis zu 62 Grundstücke des neuen Baugebiets gibt es aktuell 80 Interessierte – trotz der hohen Auflagen.

 

 

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erstellt am 14.Feb.2015 | 05:00 Uhr

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