zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

18. August 2017 | 06:55 Uhr

Prävention : Pfoten weg!

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Puppenspiel als Prävention: Irmi Wette vermittelte Kindern in der Niebüller Stadthalle, wie man zwischen angenehmen und gegenteiligen Gefühlen unterscheiden und dem eigenen Befinden vertrauen kann.

Wenn Tante Herzi und Onkel Burschi ihren Besuch ankündigen, kommt den Geschwistern Salome, Lotte und Tom das Grausen. Sie mögen es nicht, wenn sie von dem „lieben Besuch“ angetatscht, befummelt und schmierig umarmt werden oder gar einen schlabbrigen Kuss aufs Gesicht geschmatzt bekommen. Sie wollen sowas nicht, sollten es sich auch nicht gefallen lassen und lauthals „Nein“ schreien. Und das nicht nur, weil sie sich vor den Verwandten ekeln, sondern auch sonstigem Unbehagen Ausdruck verleihen – und zwar auf ihre Art.

Kinder dürfen und sollen „Nein“ sagen

Kinder dürfen das. Sie sollen es auch. Denn bei dem oben angedeuteten Besuch geht es eindeutig um eine sexuellen Übergriff. Und in der Geschichte, die vor Kindern aus drei Schulen und zehn Kindergärten an zwei Tagen in der Stadthalle Niebüll aufgeführt wurde, ging es um Missbrauch, Prävention und Selbstbewusstsein, obwohl diese Begriffe mit keinem Wort erwähnt wurden. Die Geschichte wurden ihnen in Form eines Puppenspiels erzählt. Dazu hatten Susanne Borrett (Weißer Ring Nordfriesland-Nord) und die Gleichstellungsbeauftragte des Amtes Südtondern Sylke von Kamnlah-Emmermann die Konstanzer Puppenbühne mit ihrer Hauptprotagonistin Irmi Wette nach Niebüll geholt.

Die Puppenspielerin, examinierte Erzieherin und Mutter eines sechsjährigen Jungen, ist seit 13 Jahren in diesem Metier tätig und seither auch für den Weißen Ring im Projekt „Pfoten weg“ durch die bundesdeutschen Lande unterwegs und hat seither vor 47  000 Kindern gespielt. Das von ihr aufgeführte Puppenspiel hat sie in Zusammenarbeit vor allem mit der Polizei selbst geschrieben. In dem bildhaft-liebevoll gestalteten Spiel bleibt die Erzählerin der Geschichte sichtbar und lässt zu ihren Mono- und Dialogen nur die „Puppen tanzen“.

Im Spiel mit den Puppen wird dem kleinen Publikum vermittelt, wie man zwischen angenehmen und gegenteiligen Gefühlen unterscheiden und dem eigenen Befinden vertrauen kann. Die Kinder bekommen mit, wie wichtig es ist, offen und frei über eigene Gefühle zu reden, und dass sie getrost „nein“ sagen dürfen. Auch erfahren sie, dass es gute und schlechte Geheimnisse gibt. Kurzum versteht es die Puppenspielerin, ihre kleinen Zuhörer in ihre Geschichte einzubeziehen, sie gedanklich auf die Bühne zu holen und mit ihnen den „Präventions-Song“ anzustimmen – nach der Melodie von „Hänschen klein…“

Übrigens: die Familiengeschichte spielt in einer Katzenfamilie. Die drei Geschwister und Hauptfiguren, die Besuch von Onkel und Tante bekommen, sind Katzenjunge. In Wort und Spiel drücken sie ihr Unbehagen über die Annäherungsversuche des Besuchs aus. Dagegen anzugehen helfen ihnen ihre Freunde. Das sind Hase, Igel und die motorisierten Wildschweine Sausi und Brausi sowie die in die Szene herab schwebende Katzenfee. Mit ihrer Hilfe werden die drei Geschwister stark und lernen, wie man sich gegen die unliebsamen Attacken der Erwachsenen wehrt.


Kinderrecht auf Geborgenheit und Fürsorge

„Kinder haben ein Recht darauf, in Geborgenheit und ohne Gewalt aufzuwachsen. Als die schwächsten Glieder in der Gesellschaft sind sie auf den Schutz und die Fürsorge aller angewiesen.“ Das schrieb Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen in sein Grußwort zum Projekt „Pfoten weg“. Als Leiter der zuständigen Behörde für den Kinderschutz in Nordfriesland hat er die Schirmherrschaft im Kreis übernommen.
 

zur Startseite

von
erstellt am 12.Sep.2015 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen