zur Navigation springen

Bekannt als Orakel bei Fußball-WM : Pferd Nasar kämpft um sein Leben

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Hauspferd erleidet schwere Verletzungen. Überlebt der Araber die Akutphase in Spanien, wird er in Niebüll und Tarp behandelt

Schwerste, für ein Pferd an sich nicht zu überlebende Verletzungen prägen die dramatischste Nacht, die Stephanie Arndt je erlebt hat. Vor knapp zwei Jahren zieht die Ärztin aus Holt mit ihrem sechsjährigen Araber, der seit dem Orkan Xaver im Jahr 2013 bei ihr im Haus lebt, nach Spanien. Dort erleidet das außergewöhnliche Pferd in der Nacht zum 18. Juni einen dramatischen Unfall. Nasar bricht mit seinem rechten Hinterbein in einen Hohlraum ein, der durch die Verlegung einer Wasserleitung auf einem der Felder von Stephanie Arndt entstanden ist. In diesem Hohlraum reißt sich das Pferd an einem Metallpfosten das Bein über eine Länge von 80 Zentimetern bis auf den Knochen auf. An sich ein Todesurteil. „Ein unfassbar schrecklicher Anblick. Ich habe zu der Tierärztin gesagt, sie kann Nasar einschläfern. Ich war bereit, ihn gehen zu lassen“, sagt sich Stephanie Arndt. Doch die Tiermedizinern erkennt, dass „nur“ Weichteile schwer verletzt zu sein scheinen, und dass Nasar nicht gehen will.

Durch eine mögliche Infektion besteht für das außergewöhnliche Pferd, das auch erfolgreiches Orakel für die Fußball-Weltmeisterschaft war, das aus Tassen trinke und von Tellern isst, permanent Lebensgefahr.

Als „fortgeschrittene Chirurgie“ bezeichnet die Pferdemutter und Medizinerin das, was die Tierärztin in dieser Nacht, beleuchtet von Handy- und Taschenlampen, in einer Not-Operation leistet. Danach wird Nasar in die Tier-Uniklinik in das 200 Kilometer weit entfernte Barcelona gebracht. Dort kämpft das Pferd, das sich laut Stephanie Arndt für einen Menschen hält, seitdem um sein Leben.

Die Fotos von seiner Verletzung, die einen blanken Knochen zeigen, an dem unterhalb des Knies nur noch Hautfetzen hängen, sind so schrecklich, dass die Pferdebesitzerin sie an sich nicht zeigen wollte. „Ich habe mich dann Dienstagabend doch dazu entschlossen. Damit sich die vielen Freunde von Nasar ein Bild davon machen können, wie dramatisch es ist“, sagt Stephanie Arndt. Die Anteilnahme aus ganz Deutschland über die sozialen Netzwerke sei überwältigend. Die Fotos von der Verletzung sind über eine Sicherung allerdings nur ab 18 Jahren frei gegeben. „Sie sind einfach zu gruselig, ich kann den Anblick manchmal selbst nicht ertragen“, sagt die vor Sorgen schon ziemlich platte Pferdemutter am Mittwoch am Telefon.

Nachts schläft sie neben Nasar in seiner Box auf der Pferde-Intensivstation, deren Kachelwände- und -böden zweimal pro Tag bis in die kleinste Ritze desinfiziert werden. „Geht die Entzündung auf den Knochen, ist alles vorbei“, weiß Stephanie Arndt – und hofft doch, dass es zu diesem Moment niemals kommt, denn: „Ein Leben ohne Nasar kann ich mir nicht vorstellen.“

Ein Kämpfer: Nasar am Mitttwoch auf dem Weg zum Verbandswechsel.
Ein Kämpfer: Nasar am Mitttwoch auf dem Weg zum Verbandswechsel. Foto: Stephanie Arndt
 

Die sommerliche Hitze, der Staub und die vielen Insekten in Spanien verschärfen dieses Risiko enorm. Deshalb soll Nasar, wenn er die kommenden Wochen in der Tierklinik überlebt und sich wieder erstes Gewebe um den Knochen gelegt hat, in seiner Heimat, im Norden Schleswig-Holsteins weiter behandelt und gesund gepflegt werden.

In der Nähe von Niebüll richtet der mit Stephanie Arndt befreundete Einzelhandelsunternehmer Ove Lück bereits eine per Video überwachte Box mit hohem Hygiene-Standard für Nasar her. „Wir drücken ganz fest die Daumen, dass Nasar es schafft, er ist jung und hat hoffentlich gutes Heilfleisch“, sagt der Pferde-Liebhaber. Die schweren Wunden am Bein sollen dann alle zwei Tage in der Pferdeklinik in Tarp behandelt werden – über viele Monate. Die derzeitigen Spülungen und Verbandswechsel wären für Nasar mit fast unerträglichen Schmerzen verbunden, deshalb wird er dafür jedesmal narkotisiert. Jeder Tag könnte sein letzter sein, der Weg bis zur Heilung ist lang und hart. Doch Nasar zeichnet sich auch jetzt durch ganz außergewöhnliche Fähigkeiten aus. „Er will das überstehen, er will leben – das zeigt er mir und den Ärzten ganz deutlich“, sagt Stephanie Arndt. 
 

Das Pferd Nasar wurde 2014 nach einem Artikel in den Schleswiger Nachrichten bekannt - damals lebte das Tier im Haus von Stephanie Arndt. Sie hatte es zum Schutz vor dem Orkan Xaver ins Haus geholt – und seitdem einen unternehmungslustigen Dauergast.

Zahlreiche Medien aus Deutschland und der ganzen Welt griffen die Geschichte auf und erzählten sie ebenfalls.

zur Startseite

von
erstellt am 28.Jun.2017 | 13:06 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen