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Nordfriesland Tageblatt

20. August 2017 | 00:41 Uhr

Jugendprojekt : „Pfand gehört daneben“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Schülerin will dafür sorgen, dass Menschen in Niebüll ihre Pfandflaschen nicht in den Müll werfen. Vorbild ist ein Projekt mit Sitz in Hamburg.

Menschen, die in Mülleimern nach Pfandflaschen kramen, könnten in Niebüll bald der Vergangenheit angehören. Eine Schülerin will dafür sorgen, dass Niebüller und Besucher der Stadt ihre Pfandflaschen hier bald neben den Mülleimer stellen, statt sie hineinzuwerfen. Wiebke G. will dazu das Projekt „Pfand gehört daneben“ nach Nordfriesland holen, das seinen Sitz in Hamburg hat. Unterstützt wird die 19-Jährige dabei vom Niebüller Kinder-und Jugendbeirat (NKJB), das haben die Mitglieder auf ihrer jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen. Im nächsten Schritt wollen sie bei der Stadt um Unterstützung werben.


Menschen sollen nicht gedemütigt werden


 

„Es ist erniedrigend, im Müll wühlen zu müssen“, sagt G., die ursprünglich von der Insel Föhr stammt. Vor allem in Großstädten, aber inzwischen auch in kleineren Orten, gehören Menschen, die ihre Pfandflaschen einfach wegschmeißen und andere, die diese anschließend wieder aus den Mülleimern herausfischen, zum Stadtbild. Ziel sei es daher, dass Obdachlose und sogenannte Pfandsammler leichter an das Pfand kommen, das andere entsorgen, sagt die Schülerin. Unterstützt wird sie dabei von einer Freundin. „Wer Dosen und Flaschen nicht in Mülleimer wirft, sondern daneben stellt, zeigt eine kleine Geste der Solidarität mit Menschen, die mithilfe von Pfandgut ihr tägliches Leben meistern“, sagt sie. Zudem landeten wichtige Rohstoffe nicht auf dem Müll, sondern im Mehrwegsystem oder Recycling, erklärt die Gymnasiastin. Dadurch leistet jeder, der daneben stellt, auch einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz.

In Schleswig war die junge Frau auf das Projekt aufmerksam geworden und hatte die Macher in Hamburg daraufhin angeschrieben. Ginge es nach ihr, würden am ZOB und am Bahnhof große sowie mehrere kleine spezielle Pfandkisten in der Stadt aufgestellt, die zum Beispiel mit Aufklebern der Kampagne beklebt sind. Dort können zum Beispiel Reisende ihre leeren Trinkbehälter lassen – der Boden rund um die Abfalleimer bleibt frei. Ob und inwieweit sie diese Ideen umsetzen kann, weiß sie noch nicht. Das hänge davon ab, „wie weit die Stadt da mitgeht“, sagt sie.

 


Stadt will Projekt unterstützen


 

„Wir werden den NKJB immer unterstützen“, sagt der stellvertretende Niebüller Bürgermeister Bernd Neumann (CDU). Vielfach würde diese Unterstützung aber gar nicht benötigt, „da die Vorhaben immer gut überlegt und von ihnen gemeinsam erarbeitet sowie vorbereitet worden sind“, sagt er. Wie die konkrete Hilfe von der Stadt aussehen könnte, soll mit den Initiatoren besprochen werden.

Dass Menschen inzwischen auch in kleineren Orten wie Niebüll mit dem Sammeln von Pfandflaschen Geld verdienen, sei „ein Symbol des heutigen Auseinanderdriftens der Finanzströme in unserer Gesellschaft“. Dieses Symbol sei in den größeren Städten jedoch noch viel mehr anzutreffen und gehöre dort eher zum Stadtbild als in der überschaubaren Kleinstadt.

Das bestätigen auch die Gründer von „Pfand gehört daneben“: „Jedes Jahr werden Pfandflaschen im Wert von 172 Millionen Euro weggeworfen“, heißt es aus Hamburg. Dabei zeige sich der Unterschied zwischen Arm und Reich besonders deutlich. Während die einen es sich leisten könnten, Glasmehrwegflaschen und andere Verpackungen mit Pfand in den Müll zu werfen, seien diese für die anderen so wertvoll, dass sie es auf sich nehmen, danach im Abfall zu wühlen.

Das Projekt existiert seit 2011: Die Resonanz war so groß, dass der Gründer Aufkleber mit einem selbst kreierten Logo entwarf, um die Botschaft noch weiter zu streuen. Weil die Nachfrage und das Interesse immer mehr zunahmen, folgten bald Flyer, Poster und Postkarten.

Mittlerweile arbeitet die ursprünglich aus Spenden finanzierte Kampagne mit Unternehmen aus der Getränkeindustrie, mit Künstlern, zahlreichen prominenten Unterstützern und der Zielgruppe selbst zusammen. Seit 2015 führt die „fritz-kulturgüter GmbH“ – mit „Fritz-Kola“ bereits langjähriger Partner und Unterstützer der ersten Stunde – die mittlerweile eingetragene Marke „Pfand gehört daneben“.

 

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