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Nordfriesland Tageblatt

17. August 2017 | 02:03 Uhr

Tauschring : Persönliche Talente im Tausch

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Biete Babysitten, suche Bügelhilfe: In Südtondern soll erstmals ein sogenannter Tauschring entstehen, um private Dienstleistungen anzubieten

Sylt hat einen, Husum auch, in Bredstedt ist er auf dem Weg und wenn es nach Kirsten Grote geht, wird es ihn in Kürze auch in Niebüll geben: einen Tauschring. Tauschen war früher eine ganz normale Sache, seinerzeit, als es noch kein Geld gab. Damals, kurz nach dem Krieg, ebenfalls. In der Regel ging es um Warentausch. Das ist beim Tauschring Niebüll jedoch anders.

Bei der ersten Sitzung in Jims Café erfuhren die Neugierigen gleich zu Beginn von Initiatorin Kirsten Grote, dass hier keinesfalls bekannte Tauschobjekte an den Mann gebracht werden. Vielmehr geht es um gegenseitige Hilfe dank der eigenen Fähigkeiten. „Man kann auf dem Markt alles anbieten, was man kann“, erklärte die Tauschring-Gründerin. Getauscht werden dabei Dienstleistungen ohne Einsatz gesetzlicher Zahlungsmittel. Im Testlauf präsentierten die Besucher Dienste wie Gartenarbeit, Kinderbetreuung, Fahrdienst aber auch so Ungewöhnliches wie Holzschnitzen oder Fraschunterricht. „Eine tolle Sache“, befand ein Teilnehmer, der gleich das Haareschneiden gegen Rasenmähen anbot. Ein Anbieter muss jedoch sein Angebot an die Zentrale melden, die diese dann an einen Interessenten vermittelt. In Planung ist ein nach Rubriken geordnetes Verzeichnis mit allen Angeboten und Gesuchen der Mitglieder, das regelmäßig aktualisiert und per Mail verschickt wird. Wann, wo und auf welche Weise eine angebotene Tätigkeit ausgeführt wird, vereinbaren nach der Vermittlung dann die jeweils Beteiligten. Die Leistungen und Gegenleistungen sollen in einer eigenen Währungen verrechnet werden. Gewertet wird dabei in sogenannten Talenten. Für jedes Mitglied wird ein fiktives Konto geführt. „Die Wertigkeit, die Höhe des Talents, bestimmen die Anbieter selbst“, erklärt Kirsten Grote einem Besucher der Veranstaltung, der eine Radtour anbieten möchte. Diese dauere jedoch oft bis zu acht Stunden, so der sportliche Teilnehmer der Infoveranstaltung. Wie viele Talente ist die Tour wert? Generell gilt: Jeder Anbieter hat in der Einschätzung seiner Leistung freie Hand.

Der Tauschring will künftig als Verein arbeiten. Beim nächsten Treffen, am 4. März im Jims Café, soll eine Gründung erfolgen und ein Vorstand gewählt werden. Zu diesem Treffen hofft die Initiatorin außerdem auch auf viele neue Gesichter. Zum einen, weil ein Tauschring umso besser funktioniere, je mehr Mitglieder er habe. Und zum anderen, weil mit ihm gerade Menschen, die nicht im Berufleben stehen, einen neuen Wert erfahren könnten. „Beim ersten Treffen“, erklärt Kirsten Grote, „nahm bereits eine armenische Lehrerin teil, die in Deutschland nicht in ihrem Beruf arbeiten kann. Ihr Angebot Russisch zu unterrichten stieß gleich auf zwei Interessierte. “ Die Initiatorin ist sicher, dass es noch viel mehr Menschen gibt, die im Tauschring auf diese Art ihre Fähigkeiten einbringen könnten, ältere ebenso wie ausländische Mitbürger. „Für die kann der Tauschring so auch ein aktiver Beitrag zur Integration sein.“

Besonders gut wird nach Meinung Grotes der Start des Tauschrings gelingen, wenn dessen Mitglieder nicht nur Hilfe anbieten, sondern auch die Dienste der anderen in Anspruch nehmen. „Und das fällt gar nicht immer leicht. Um etwas zu fragen, ohne dafür zu bezahlen, ist in unserer Gesellschaft so ungewöhnlich, dass es häufig wie das Bitten um Almosen empfunden wird.“ Damit dies in Niebüll keine Hürde wird, gibt es monatliche Treffen, bei denen das persönliche Kennenlernen helfen wird, Hemmschwellen abzubauen. Der Tauschring trifft sich künftig jeden ersten Mittwoch im Monats, 15 Uhr, in Jims Café (Lorenz-Jannsen-Straße 1). Mehr Infos gibt es unter 0160/91353368. Kontakt per E-Mail: info@tauschring-niebuell.de.



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erstellt am 06.Feb.2015 | 05:00 Uhr

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