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Nordfriesland Tageblatt

22. August 2017 | 21:17 Uhr

Perfekte Ernteaussichten

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Termin der Landwirtschaftskammer in Südtondern: Der Raps boomt – aber auch bei den Getreidesorten gehen die Erträge nach oben

Schleswig-Holsteins „Lieblingsfrucht“, wie sie der Präsident der Landwirtschaftskammer, Claus Heller, nannte, ist wieder in der Erfolgsspur: In diesem Jahr zeichnen sich satte 35 Prozent mehr Erträge ab als 2016 – insgesamt 394000 Tonnen. Das sagte Heller bei der Ernte-Pressekonferenz der Kammer gestern auf dem Hof von Landwirt Max Uwe Hansen vor den nordwestlichen Toren Niebülls.

Dass das Plus beim „Gold des Nordens“ derart massiv ausfällt, hat auch damit zu tun, dass die Anbaufläche gestiegen ist – um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Haupt-Grund für den Boom ist, dass 2016 durch Sonnenmangel und Schädlingsbefall ein außergewöhnlich schlechtes Jahr für Raps war.

Gerade auch auf dem Hof von Max Uwe Hansen lässt die Raps-Prognose die Herzen höher schlagen: „Raps ist auf unserem Betrieb die Hauptfrucht, und sie hat die ganze Zeit einen guten Eindruck gemacht.“ Hansen hat sich 2005 mit dem Hof am Südergotteskoogweg selbstständig gemacht, nachdem er dort zuvor als Angestellter gearbeitet hat. Inzwischen wird er in der Führung des Betriebs von seinem Sohn Steffen, der ebenfalls Landwirt ist, unterstützt. Dass die in Rendsburg ansässige Kammer in diesem Jahr ihren Betrieb für das Pressegespräch ausgesucht hat, empfand die Familie nach eigenem Bekunden „ein Stück weit als Anerkennung“. Überhaupt war es für Nordfriesland und auch den Landesteil Schleswig ein seltenes Ereignis: In den vergangenen Jahren hatte die Kammer den Termin deutlich weiter im Süden Schleswig-Holsteins angesiedelt – weil dort die Vegetation schneller fortschreite, wie es zur Begründung hieß. Dennoch sollten alle Regionen einmal drankommen.

Während die Gerste, die traditionell den Auftakt der Erntesaison bildet, in den südlichsten Landesteilen denn auch bereits komplett eingefahren ist, sind die Mähdrescher im Norden Schleswig-Holsteins dafür erst in diesen Tagen gestartet. Hochbetrieb erwartet die Landwirtschaftskammer je nach Teilregion in ein bis drei Wochen: Dann wird nahezu zeitgleich die Raps- und Weizenernte beginnen. Und Weizen stellt mit einem Anteil von 28 Prozent nach wie vor die Hauptgetreideart im nördlichsten Bundesland.

„Das größte Qualitätsrisiko in der Endphase ist und bleibt das Wetter“, sagte Kammer-Präsident Heller. „Wir brauchen jetzt eine trockene, beständige Witterung.“ Durchgängig zeigen sich bei allen Getreidesorten aber günstige Aussichten: Die Ertragsprognosen liegen bei Gerste um 14, bei Weizen um 3,6 und bei Roggen um elf Prozent über Vorjahresniveau. Das für die Landwirte ebenfalls wichtige Futtergetreide Triticale steuert auf ein Plus um 17,4 Prozent zu. Die guten Werte hängen damit zusammen, dass die Aussaat in einem warmen September und Oktober erfolgte, dass kein nennenswerter Winter herrschte und ein März mit vergleichsweise hohen Temperaturen einen frühen Wachstumsstart bedeutet hat. Negativ schlugen ein kalter April und vereinzelt Starkregen Ende Juni/Anfang Juli zu Buche.

„Eine eher über dem Durchschnitt liegende Ernte ist auch dringend nötig, um die Ertragslage der Ackerbaubetriebe zu stabilisieren“, betonte der Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer, Peter Levsen Johannsen. Allerdings sieht er keine großen Sprünge bei den Preisen. Das Überangebot an Getreide auf dem Weltmarkt halte an. Und mindestens 60 Prozent ihrer Getreideernte müssten Schleswig-Holsteins Bauern außerhalb Deutschlands verkaufen, weil es dafür keine inländischen Abnehmer gebe. Der Vorsitzende des Ackerbau-Ausschusses der Kammer, Heinrich Kröger, erwartet eine geringere Konkurrenzfähigkeit deutschen Getreides durch die neue Düngeverordnung: Weniger Dünger verringere den Rohprotein-Gehalt des Korns – das sei aber das gängigste Kriterium, wenn es darum gehe, Getreide auf den Märkten anzupreisen.

Wie stets seit 2011 ist der ökologisch vielkritisierte Maisanbau abermals zurückgegangen – um 2,7 Prozent gegenüber 2016. Das liegt nach Einschätzung der Kammer nicht nur daran, das kaum noch neue Biogasanlagen gebaut werden – sondern ebenfalls daran, dass in den vorhandenen statt Mais teilweise eine Silage aus Wintergetreide Verwendung findet. Auch für die Rinderfütterung werde diese Silage als Alternative zu Mais entdeckt.

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erstellt am 21.Jul.2017 | 18:18 Uhr

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