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Bahn-Frust in Niebüll und Westerland : Pendler formieren sich

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Neu gegründete Facebook-Gruppe will mit Protestaktionen auf die häufigen Verspätungen im Bahnverkehr aufmerksam machen

von
erstellt am 06.Feb.2016 | 05:00 Uhr

Der Protest im Internet breitet sich aus. 1500 Leute sind es bereits, die sich innerhalb nur weniger Tage in der Facebook-Gruppe „NOB Pendler Husum-Westerland“ formiert haben, um ihren Ärger über die ihrer Meinung nach viel zu vielen Verspätungen im Bahnverkehr zwischen Niebüll und Westerland Luft zu machen. Sätze wie „Ein Witz ist das alles. Ich bin zu allem bereit!“ oder „Ich bezahle Geld für die Fahrkarte und erwarte ein klein bisschen Verantwortung “ sowie „Aus Protest bei jeder Verspätung sollten alle die DB mit E-Mails bombardieren, sodass dort jedesmal der Surver zusammenbricht“ machen deutlich, wie groß die Verärgerung manch eines Pendlers ist.

Hauptkritikpunkte: Seit Mitte Dezember, seitdem die Deutsche Bahn an ihre Autozüge Personenwaggons kuppelt, käme es zu mehr Verspätungen auf der Strecke. Die große Befürchtung: Sollte Bahnkonkurrent RDC den Betrieb seiner Autozüge wirklich aufnehmen, könnte es noch schlimmer werden. Und: Die Pendler fühlen sich mit dieser Problematik alleingelassen.

Das soll sich nun ändern: Achim Bonnichsen und Oke August gehören zu den Administratoren der Pendler-Gruppe im Netz. Die beiden pendeln seit Jahren von Klixbüll beziehungsweise Langenhorn aus nach Sylt und treffen sich nun mit Gleichgesinnten, um Wege zu finden, wie sich die Sylt-Pendler wehren können. „Erst einmal wollen wir Werbung für die Gruppe machen, damit wir mehr werden und endlich ernst genommen werden“, erklärt Bonnichsen. Die 18 Mitarbeiter seines Betriebs leben alle auf dem Festland. „Wenn sie morgens wegen des Zugs eine halbe Stunde zu spät kommen, summiert sich das insgesamt auf neun Stunden“, rechnet der Fliesenleger-Meister vor. „Meinen Leuten fehlt dann eine halbe Stunde auf dem Stundenzettel. Sie sind also länger unterwegs, haben weniger Freizeit und kriegen auch noch weniger Geld.“

Welche Form der Pendler-Protest genau annehmen soll, dazu haben sich Bonnichsen und August noch nicht entschieden. Angedacht sei es unter anderem, eine Art Protestsymbol zu schaffen – ähnlich wie die roten Holzkreuze, die sich überall in Nordfrieslands Landschaft finden, um gegen die Abbaupläne in der Klinik Niebüll zu protestieren. Auch Flugblätter sollen gedruckt werden, damit noch mehr Pendler von den Aktivitäten der Facebook-Gruppe erfahren. Denn es sei nicht hinnehmbar, dass der Kampf um den Hindenburgdamm auf dem Rücken der Pendler ausgetragen werde.

Die Häufigkeit der Verspätungen stößt ebenfalls bei Risum-Lindholms Bürgermeister Hauke Christiansen auf Kritik. „Ich finde es äußerst bedauerlich, dass gerade unsere Handwerker, die sowieso schon mit der An- und Abreise nach Sylt einen langen Arbeitstag haben, durch das Wettbewerbs-Chaos nun noch länger unterwegs sein müssen“, bemängelt das Oberhaupt der Gemeinde, die aufgrund der vielen ortsansässigen Firmen auch das Handwerkerdorf genannt wird. „Ich kann gut verstehen, dass die Pendler von jeder Minute Wartezeit genervt sind.“

Auch die Nord-Ostsee-Bahn zeigt Verständnis für den Unmut. Die zukünftige Anbindung der Insel beschäftige die Menschen zurecht, heißt es von Sprecher Kay Goetze. Er macht noch einmal deutlich, dass das Unternehmen an den bestehenden Verhältnissen nichts ändern kann: „Die DB Netz AG trägt die Verantwortung dafür, dass die von DB Fernverkehr, RDC und NOB beantragten und von DB Netz vergebenen Trassen letztlich auch fahrbar sind“, so Goetze. Die NOB selbst sei bei der Auseinandersetzung „leider das letzte Glied in der Kette und kann nur gebetsmühlenartig auf die Befürchtungen hinweisen.“

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