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Nordfriesland Tageblatt

18. Oktober 2017 | 10:06 Uhr

Denkmal : Pavillon wird endlich saniert

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

In wenigen Wochen sollen die Umbauarbeiten an der „Perle der Nachkriegsmoderne“ beginnen.

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2016 | 10:49 Uhr

Die Kunst ist weg. Seit einigen Tagen stehen keine Bilder mehr in den Schaufenstern des Pavillons am Kirchplatz. Ende des Monats beginnen voraussichtlich die Sanierungsarbeiten am Gebäude. Ein halbes Jahr sollen sie dauern. Danach könnte Ute Rusdorf mit ihrem Café „Coffee & Spirit“ aus der Bahnhofstraße einziehen. „Alle Beteiligten sind sich ziemlich sicher, dass das gelingen wird“, sagt Lecks neuer Bürgermeister Andreas Deidert. Darauf angesprochen, lacht Rusdorf erleichtert. „Wir freuen uns auf den Umzug!“, sagt sie. Rusdorf wartet schon lange darauf – viel länger als eigentlich geplant.

Der Pavillon prägt seit 1962 das Ortsbild von Leck. Er wurde unter anderem als Blumenladen und Kiosk genutzt, später als Imbiss. Nach einem Brand gab es lange Zeit keine konkreten Pläne für seine Zukunft. Klar war nur: Eine Sanierung würde viel Geld kosten. Sogar über einen Abriss wurde nachgedacht. In den vergangenen Jahren stand der Pavillon leer. Der Seniorenbeirat bestückte ihn lediglich provisorisch mit Kunstwerken.

Im Juni 2014 kommentierte das Nordfriesland Tageblatt: „Für jeden zu erkennen ist momentan nur, dass sich beim Pavillon nichts Offensichtliches tut. Und so scheint es – gerade mit Blick auf den Slogan ,Leck rennt‘ –, als hätte sich die Gemeindevertretung auf dem Kirchplatz eher ein Denkmal der Entschleunigung gesetzt.“

Tatsächlich entpuppte sich das „Denkmal der Entschleunigung“ im folgenden Jahr als „Perle der Nachkriegsmoderne“. So bezeichnete Lecks stellvertretender Bürgermeister Ingo Scholz den Pavillon. Damals hatte gerade das Landesamt für Denkmalpflege sein Veto gegen Umbaupläne eingelegt. Die Gemeindevertreter waren überrascht. Wenige Tage zuvor hatte Deidert, seinerzeit noch Bürgervorsteher, verkündet: Ute Rusdorf und ihrem Café gehört die Zukunft im Pavillon. Ende 2015 sollte der Umbau beginnen. Nun musste der beauftragte Architekt erst noch mal neu planen.

Die Einfachverglasung des Pavillons soll zum Beispiel erhalten bleiben. Das hätten die Denkmalschützer verlangt, erklärt Deidert. Daher werde innen eine zusätzliche Fensterfront eingebaut, um modernen Ansprüchen an den Energieverbrauch zu genügen. Insgesamt benötige man etwas mehr Platz. „Der überarbeitete Entwurf sieht vor, das Gebäude stärker nach hinten zu erweitern – auf Kirchengrund.“ Daher habe sich die Gemeinde mit der Kirche abstimmen müssen. „Die Gemeindevertreter treffen sich einmal im Monat zur Sitzung. Bei der Kirche sind die Abstände noch größer“, wirbt Deidert um Verständnis für die Verzögerung von fast einem Jahr. Auch Besucher der Kirche sollen künftig von einer barrierefreien Toilette am Pavillon profitieren.

200  000 Euro hatte die Gemeinde ursprünglich für die Sanierung des architektonischen Kleinods eingeplant. Durch die neuen Planungen sind die Kosten gestiegen. Die konkrete Summe wird spätestens gegen Ende der Baumaßnahmen feststehen.

Nils Meyer ist Gebietsreferent für den nördlichen Teil Schleswig-Holsteins beim Landesamt für Denkmalpflege. Er hat den Pavillon begutachtet. Meyer schwärmt von den großen, angekippten Panoramascheiben und dem abgesetzten Dach: „Man sieht sofort, aus welcher Zeit der Pavillon stammt. Für die Westküste fällt mir nichts Vergleichbares ein.“ Husum hat zwar auch einen Pavillon, dabei handelt es sich Meyer zufolge aber um einen Rundbau, der zudem nicht prominent als Einzelgebäude platziert sei. Er hoffe, dass sich die Lecker auf den sanierten Pavillon freuen.

Eine Frau ist definitiv jetzt schon gespannt. „Ich kann es kaum erwarten, den ersten Bauarbeiter zu sehen“, sagt Café-Betreiberin Rusdorf.

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