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Nordfriesland Tageblatt

16. August 2017 | 17:42 Uhr

Leck : Pavillon wird doch noch nicht saniert

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Rund 400 000 Euro würde der Umbau des Denkmals kosten – zu viel für die Gemeinde. Nun muss wieder neu geplant werden.

Der Beginn der Sanierungsarbeiten am Lecker Pavillon verzögert sich erneut. Am Dienstagabend hatte der Bauausschuss der Gemeinde unter Ausschluss der Öffentlichkeit getagt. Es ging darum, welche Unternehmen mit den Umbauarbeiten am „Denkmal der Entschleunigung“ beauftragt werden sollen. In ein paar Wochen hätten die Arbeiten beginnen können. „Die Ergebnisse der Ausschreibung haben dummerweise ergeben, dass wir insgesamt in den Bereich von rund 400  000 Euro gekommen wären“, sagte Bürgermeister Andreas Deidert gestern. Das Doppelte der ursprünglich veranschlagten Summe. Die Mitglieder im Ausschuss waren sich einig: viel zu teuer. „Wir suchen nun nach anderen Lösungen“, sagte Deidert.

Die neue Summe übersteige die Möglichkeiten der klammen Gemeinde, erläuterte Deidert. „Es geht um 120 Quadratmeter. Dafür wären uns 400  000 Euro zu viel. Das hätten wir den Bürgern auch nicht vermitteln können.“ Dass sich der Baubeginn erneut verschiebt, nannte der Bürgermeister „ärgerlich“. Nachdem sich der Pavillon als schützenswerte Perle der Nachkriegszeit entpuppt hatte, habe die Gemeinde mit etwa 30  000 Euro zusätzlich gerechnet – und außerdem auf Fördermittel gehofft. „Bislang hat sich noch nichts ergeben. Wir versuchen aber weiter, Wege zu finden.“

Die Gemeinde, das Bauamt Südtondern und das Niebüller Architekten-Büro Limbrecht & Jensen wollen nun überlegen, wo gespart werden kann. Bis zur Gemeindevertretersitzung am 28. April sollen Ideen geprüft werden. Wenn nicht genug Einsparpotenzial gefunden wird, folgt eine neue Ausschreibung. „Wir hoffen, dass wir das Projekt trotzdem bis Sommer angeschoben bekommen“, sagte Deidert.

Dass die potenziellen Kosten so hoch gestiegen sind, kam nach Angaben aller Beteiligten überraschend. Mit Schuldzuweisungen hielten sie sich gestern zurück. Klar ist, dass das Projekt auf dem prominenten Platz vor der Kirche durch Auflagen vom Landesamt für Denkmalschutz komplexer geworden ist. Außerdem müssen die Voraussetzungen für einen Gastronomiebetrieb geschaffen und Barrierefreiheit bei den Toiletten gewährleistet werden. Eine Gemengelage, die Architekt Oliver Jensen zufolge nur bedingt kalkulierbar ist. Außerdem habe sich beispielsweise erst während der Planungen herausgestellt, dass im Dach des Pavillons asbesthaltiges Material verbaut wurde. Auch dieser Fakt treibe die Kosten für eine Sanierung nach oben. „Mit der jetzigen Situation sind wir auch nicht glücklich“, sagte Jensen. Mit seinem Architekten-Büro, das er zusammen mit Ursula Limbrecht führt, ist er unter anderem auch für die Sanierung der Mensa der Bildungs- und Arbeitswerkstatt in Niebüll sowie den Bau des Gemeindehauses in Risum-Lindholm zuständig. Dass die Auftragsbücher vieler Unternehmen aus der Region derzeit voll seien, habe man ebenfalls schlecht vorhersehen können, sagte Jensen. „Wir haben nach der Ausschreibung nur wenige Rückläufer bekommen und dementsprechend wenig Spielraum“, bestätigte Bürgermeister Deidert. Das lasse zumindest eine positive Schlussfolgerung zu: „Unserem Gewerbe geht es anscheinend recht gut.“

Dass im Zuge der neuen Überlegungen auch noch mal grundsätzlich über die weitere Nutzung des Pavillons diskutiert werden muss, schlossen gestern fast alle Beteiligten aus. Lediglich Hans-Martin Petersen (SPD) sagte: „Für mich persönlich wäre es auch vorstellbar, bei der Nutzung des Pavillons abzuspecken.“ Bürgervorsteherin Sabine Detert und Bürgermeister Deidert betonten hingegen, sie seien vom Konzept für den Pavillon, in den das Café „Coffee & Spirit“ einziehen soll, weiterhin überzeugt. Deidert sagte, er könne sich nicht recht erklären, warum die potenziellen Kosten so sehr gestiegen sind. Detert stellte die Frage, inwieweit die Unternehmen noch an ihre ursprünglichen Angebote – vor der Einstufung des Pavillons als Denkmal und der erneuten Ausschreibung – gebunden seien. Dies wolle sie mit dem Bauamt klären. „Das Projekt war von Anfang an mit mein Baby, weil ich den Abriss nicht wollte“, sagte sie. Dass der Pavillon inzwischen unter Denkmalschutz stehe, mache ihn offenbar zu einem „teuren Schmuckkästchen“.

Man könnte sagen: Berlin hat den neuen Flughafen, Hamburg die Elphilharmonie – und Leck den Pavillon.

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erstellt am 13.Apr.2016 | 12:04 Uhr

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