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Vorbildlich : Patenschaft als gelebte Integration

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Sonja Grommeck war die erste Ehrenamtliche beim Runden Tisch in Leck, die eine Flüchtlings-Familie unter ihre Fittiche genommen hat

von
erstellt am 13.Aug.2015 | 05:30 Uhr

Kinder tollen im Garten, die Erwachsenen halten einen gemütlichen Plausch bei Tee und Süßem. Nichts Ungewöhnliches, wenn es sich nicht um Einheimische und Flüchtlinge handeln würde. Sonja Grommeck betreut als Patin die Familie Shams aus Afghanistan, hatte diese sowie Familie und Bekannte zum Kaffeekränzchen eingeladen. Ein sichtbarer Beweis dafür, dass gelebte Integration nicht nur eine leere Worthülse bleiben muss.

In Leck leben derzeit rund 100 Flüchtlinge, weitere 20 werden der Gemeinde in den nächsten zwei Monaten zugewiesen. „Und das wird sicher nicht das Ende der Fahnenstange sein“, meint Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn. Nach Schätzungen von Bundesinnenminister Thomas de Maiziére werden es allein in diesem Jahr 400  000 Menschen sein, die Zuflucht in Deutschland suchen. Nun ist es nicht damit getan, den Ausländern ein Dach über den Kopf zu geben. Deshalb wurde im Herbst vorigen Jahres auch in Leck ein „Runder Tisch zur Integration von Flüchtlingen und Asylbewerbern“ gegründet. Eine Begrüßungsgruppe wurde eingerichtet, die „Sprachgruppe“ bietet ehrenamtliche Kurse an, die dritte Gruppe formiert sich unter dem Stichwort „Alltagsleben“. Koordinatorin Monika Hahn-Nanninga bezeichnet als Kernstück ihrer Arbeit die Vermittlung von Paten für Neuankömmlinge, für Einzelpersonen, Ehepaare und Familien. Inzwischen engagieren sich 30 Paten, um den Flüchtlingen den Anfang in einem für sie fremden Land leichter zu machen.

Sonja Grommeck hat sich als erste ehrenamtliche Mitarbeiterin beim Runden Tisch für eine Patenschaft bereit erklärt. Nachdem sie in Rente gegangen war, suchte sie nach neuen Aufgaben, um sich nützlich machen. Regelmäßig hilft sie bei der Südtondern Tafel, und seit Dezember 2014 hat sie die Familie Shams aus Afghanistan unter ihre Fittiche genommen. „Die Chemie stimmte gleich beim Kennenlernen“, sagt sie.

Hinter dem Ehepaar Shams und den Söhnen Jawed (12), Jawad (10) und Sadjad (3) liegt eine Odyssee. „In Afghanistan herrscht Krieg, und in unserem kleinen Dorf waren die Taliban“, erklärt der Familienvater, möchte aber nicht näher auf die Fluchtgründe eingehen. Türkei, Griechenland, Schweden, Neumünster, Niebüll waren die Stationen.

Jetzt leben die Afghanen seit einem Jahr und vier Monaten in Leck. „Die Familie war aufgeschmissen, keiner kümmerte sich  …“, weiß Monika Hahn-Naninga. Mit Sonja Grommeck wendete sich das Blatt. „Ich musste in diese Rolle erst hineinwachsen. Ich wusste nicht, was mich erwartete“, überlegt sie. Der Zweifel wich, Vertrauen baute sich auf. Insbesondere Sohn Jawed entpuppt sich als Sprachtalent und übernimmt gern den Part als Dolmetscher. Den Kindern fällt das Erlernen der deutschen Sprache leichter als Vater Norullah. Doch auch er kann sich verständlich machen, Mutter Samira geht im September „auf die Schulbank“.

Das jüngste Kind der Asylbewerber, die kleine Yegane, kam um die Weihnachtszeit zur Welt. Bei der Anmeldung im Standesamt unterstützte Sonja Grommeck den Vater, begleitete die Familie zur Ausländerbehörde nach Husum, vermittelt zwischen Schule und den Shams, erinnert an Behördengänge wie zum Rathaus, Sozialamt oder an Arzttermine, gibt Tipps und Ratschläge für das alltägliche Leben. „In einem Ablagekasten sammelt Norullah Shams alle Briefe, die ins Haus flattern. Die gehen wir dann gemeinsam durch, damit nichts Wichtiges versäumt wird“, erklärt die Patin. Ein- bis zweimal wöchentlich besucht sie ihre Schützlinge.

„Jeder Pate kann sich einbringen soviel wie er kann oder möchte“, betont Sonja Grommeck. Sie nimmt die Familie gern bei der Hand: „Es ist mir wichtig, dass die Eltern und Kinder einen guten Start haben!“ Beispielsweise hat sie dafür gesorgt, dass die beiden ältesten Söhne im Verein Fußball spielen können: „Die sind so begeistert, dass sie dafür alles stehen und liegen lassen.“ Die ersten Schwimmabzeichen legten die beiden Jungs erfolgreich ab, nahmen an der Ferienaktion im Nachbarschaftstreff „Wiki 44“ teil und haben sich Aktionen im Ferienpass der Gemeinde ausgesucht. Darum kümmerte sich ebenfalls Sonja Grommeck: „Woher sollen sie denn wissen, dass es so etwas bei uns gibt?“

Die Patin sieht die Erfolge und freut sich darüber. Auch die Afghanen freuen sich, selbstständiger zu werden und überschütten sie mit Gastfreundschaft. „Die Leute in Leck sind alle sooo nett“, lobt Norullah Shams. Der Besuch bei der Patin Zuhause gehört natürlich nicht zu den Aufgaben der Ehrenamtlichen, doch Sonja Grommeck öffnete ihre Türen weit zu ihrem Geburtstag. Die Asylbewerber kamen mit Blumen, einem Küsschen links, rechts und links bei der herzlichen Begrüßung.

 




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