Aktion : Party-Stimmung im Gotteshaus

Die Coverband „Joyride“ verzichtete auf jegliche Bezahlung und brachte ihr Publikum in der Karlumer St. Laurentius-Kirche sogar zum Tanzen

shz.de von
14. Juli 2015, 05:00 Uhr

Sie brachten ihr Publikum nicht nur zum Tanzen, sondern spielten auch völlig gagefrei: Die Musiker der Coverband „Joyride“ bereicherten das Sommerevent des Fördervereins der gut 800 Jahre alten St. Laurentius-Kirche Karlum nicht nur künstlerisch. Die Band nahm den Begriff „Benefizkonzert“ zugunsten des geplanten, kostspieligen Innenanstrichs des schmucken Gebäudes wörtlich und verzichtete auf den ihr zustehenden Anteil an dem Spendenaufkommen der Zuhörer.

Bei ihrem Konzert gingen die hervorragend aufeinander eingespielten Hobbymusiker mit derartiger Freude zu Werke, dass diese unverzüglich auf ihre Zuhörer übersprang. So dauerte es nur wenige Takte, bis das Publikum den Rhythmus der Darbietungen begeistert mitklatschte. Später bewegten sich sogar einige besonders Begeisterte tänzerisch im Mittelgang des Kirchenschiffs.

Zunächst hatte „Joyride“ mit dem Problem zu ringen, sich auf die schwierige Akustik in der Kirche einzustellen. Denn sie musizierte innerhalb des durch einen Torbogen vom Kirchenschiff abgetrennten Altarraums, während die Zuhörer von sehr kräftigen Lautsprechern beschallt wurden. Aber schon nach wenigen Titeln gelang es, hinsichtlich der Lautstärke einen tragbaren Kompromiss zu finden. Das Programm bestand aus Oldies, deren Originale in den 50-er bis 80-er Jahren entstanden, ergänzt durch vereinzelte Abstecher, die bis in die Gegenwart reichten. Der älteste Coversong – „Ain't That a Shame“, dem einst Fats Domino zu hohem Bekanntheitsgrad verhalf – datierte aus dem Jahre 1955. Die neuesten Beiträge waren zwei genuschelt imitierte Songs von Udo Lindenberg: „Mein Ding“ und „Gegen den Strom“. Beim Gros der schmissigen Darbietungen handelte es sich um Pop- und Rocksongs, aber auch Schlager, die in den 60-er und 70-er Jahren populär waren und viele der Zuhörer an ihre Jugendzeit erinnert haben mögen: allesamt handgemachte Musik vom Feinsten.

Von Zeit zu Zeit warteten die Instrumentalisten mit Solopassagen auf, die lebhaft beklatscht wurden, bis sie wieder ins Tutti einmündeten. Zu den besonders gelungenen Titeln zählten der von Frank Bernstein-Jensen geschmetterte Song „See you later aligator“, die von Marion Bernstein vorgetragene Erinnerung an Nancy Sinatra „The Boots“, das stürmische „At the hop“ von Danny & The Juniors aus dem Jahre 1957 und „Hey tonight“ (1970) mit einem virtuosen Gitarrensolo des Carsten Ayke Peters. Andrea Bockholt glänzte mit mehreren gekonnten Saxophonpassagen, Björn Jensen immer wieder als einfühlsamen und fingerfertiger Keyboarder. Der Schlagzeuger, Thade Ketelsen, war durchgehend intensiv beschäftigt und sorgte für stabile Rhythmen. Nach Ende des regulären Programms erklatschte sich das Publikum noch vier Zugaben.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen