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Nordfriesland Tageblatt

18. November 2017 | 17:03 Uhr

Marschenpark : Park-Spaziergang mit Lerneffekt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Infotafeln berichten über die Geschichte des Deichbaus

Am westlichen Ende der Mühlenstraße gegenüber der Jugendherberge schlug die Stadt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie baute ein Rückhaltebecken, das Niederschläge aus dem südlichen Stadtteil auffängt und sie aus dem Becken in kontrolliertem Lauf in die Vorflut weiterleitet. Mit den 15  000 Kubikmeter Erdaushub wurden Deichprofile aus der Zeit von 1600 bis heute gestaltet.

Regenwasserrückhaltebecken und Deichprofile sowie Spazierwege und Grünflächen wurden nach Ideen des Planungsbüros Körkemeyer-Bonin zu einer zehn Hektar großen Anlage gestaltet, die nach einem Vorschlag der Stadtvertreterin Anja Cornils den Namen „Marschenpark“ erhielt – und in der Tat zu einem Park geworden ist, in dem man sich frei bewegen und erholen kann.

Am Sonnabend, dem „Tag der Architektur“, wurde der Park der Öffentlichkeit vorgestellt. Barbara Bonin und Bürgermeister Wilfried Bockholt gaben Erläuterungen. Was sie zu erzählen hatten, kann auch auf den Info-Tafeln im Park nachgelesen werden. Und: Man kann auf einem Spaziergang durch den Marschenpark eine Menge lernen. Der an der Mühlenstraße gelegene Eingang liegt etwa zwei Meter über normal null und zwar binnendeichs hinter dem Gotteskoogdeich, der lange Zeit Außendeich war und ein Gebiet schützte, das im Mittelalter regelmäßig von der Nordsee überflutet wurde, heute acht Kilometer von der See entfernt ist und derzeit mitsamt der Stadt auch nur von einem Deich geschützt wird. Weil das Stadtgebiet extrem tief liegt, ist die Ableitung des Niederschlagswassers schwierig. So entschloss sich die Stadt zum Bau des Rückhaltebeckens. Aus dem Boden des Beckens wurden die Deichprofile gebaut, wie man sie auch im Deichmuseum Neukirchen sehen kann – Profile und Deichhöhen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben.

Im Marschenpark kann sich der Besucher frei bewegen. Unterwegs sieht er auf weiteren Tafeln Infos über die Marsch, deren Entwässerung, den Landesschutz und weitere Details über dieses Land und dessen Leben mit dem Wasser, das man in Volksmunde und Literatur den „Blanken Hans“ nennt. Besagte Freiheit im Marschenparkt gilt allerdings nicht für Hunde, die an der Leine bleiben müssen. Und wenn es im Winter geschneit hat, darf an den Deichen gerodelt werden. Aufs Eis des Rückhaltebeckens zu gehen, ist nicht ratsam, weil der Wasserspiegel ständig in Bewegung ist.

Für das Parkgelände am westlichen Grüngürtel gab es schon lange Zeit vorher die eine oder andere Idee, die jedoch verworfen wurden. Der Wasserlauf von der Stadt zur Wehle und von dort weiter in den „Niebüller Graben“ geisterte auch schon mal als „Blaumilchkanal“ durch eine frühere Stadtvertretung – frei nach Ephraim Kishons Hörspiel, das vom irren Kasimir Blaumilch erzählt und vielleicht auch ein wenig das Hin und Her der möglichen Verwendung des „Stückens Land am Ende der Straße“ karikierte. Doch nichts da: Die Stadt hielt das Gelände im Rahmen ihres städtebaulichen Konzepts frei, bis aus einer möglichen Verwendung eine Notwendigkeit wurde – nämlich die Entsorgung überschüssigen Regenwassers und als Draufgabe die Gewinnung eines wunderschönen Parks, des Marschenparks.


 

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