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Nordfriesland Tageblatt

19. August 2017 | 04:09 Uhr

Orchester in Hochform

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das „Collegium musicum“ der Kreismusikschule Nordfriesland begeisterte sein Publikum in der Niebüller Stadthalle

Ein hervorragendes Konzert bot in der Niebüller Stadthalle das „Collegium musicum“ der Kreismusikschule Nordfriesland – ein aus engagierten Laienmusikern zusammengesetztes Sinfonieorchester. Für dieses Konzert wurde das Ensemble durch auswärtige Gäste zu einem 64 Instrumentalisten umfassenden Klangkörper verstärkt. Die musikalische Leitung der Darbietungen lag in den sicheren Händen von Henning Bock, der den Musikern sehr präzise ihre Einsätze anzeigte und erfreulich untheatralisch dirigierte.

Als Solisten wirkten die junge, aber bereits – unter anderem beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ – mehrfach ausgezeichnete Pianistin Katharina Hack aus Dortmund, die in Köln studiert, und der Cellist Friedemann Magaard aus Husum mit. Letzterer, ein Mitglied des Orchesters, war für die aus gesundheitlichen Gründen abwesende Anouchka Hack (Schwester der Pianistin) kurzfristig eingesprungen.

Das anspruchsvolle Konzert, bei dem sich alle Register des Orchesters in Hochform präsentierten, begann mit dem Klavierkonzert a-moll, op. 16, von Edvard Grieg, dem anzuhören war, dass der Komponist den Romantiker Robert Schumann sehr verehrte. Denn ohne diesen zu kopieren, griff er doch auf einige seiner charakteristischen Stilmittel zurück und schrieb die Komposition wohl nicht zufällig in der selben Tonart, in der sein Vorbild sein eigenes Klavierkonzert verfasst hatte. Ein Trommelwirbel – vermischt mit einem unfreiwilligen Trompetenton – leitete über zum kraftvollen Einsatz des Pianos, das sodann mehrere Themen unterschiedlichen Tempos und Charakters vorstellte und mit dem Orchester in einen reizvollen Dialog eintrat. Das dreisätzige, im „nordischen Ton“ gehaltene Werk nutze Katharina Hack, ihr virtuoses spieltechisches Können deutlich unter Beweis zu stellen und sich als einfühlsame Interpretin zu präsentieren. Nach dem lebhaften Beifall der Zuhörer wartete die Pianistin noch mit einer Zugabe auf: der Etude As-Dur, op. 25, von Frederic Chopin.

Es folgte der 2. Satz des Konzertes h-moll für Violoncello und Orchester von Antonin Dvorak, ein anrührendes Adagio, dessen Kernstück, das Zitat eines Liebesliedes, die Besorgnis des Komponisten über die tödliche Erkrankung seiner Jugendliebe und Schwägerin zum Ausdruck bringt. Ein satter, weicher Streichklang war hierfür ein wirkungsvolles Stilmittel. Friedemann Magaard zeigte sich seiner kurzfristig übernommenen Aufgabe vollauf gewachsen. Wenn er seine böhmisch gefärbte Musik genüsslich ertönen ließ, konnte man gedanklich nicht nachvollziehen, weshalb Dvorak einmal gesagt haben soll, das Cello sei „ein Stück Holz, das oben schreit und unten brummt“.

Den Abschluss des Programms bildete die Sinfonie Nr. 3, Es-Dur, op.97, genannt die „Rheinische“, von Robert Schumann. In dem Werk spiegelt sich die fröhliche Stimmung des Komponisten nach dessen Umzug von Dresden nach Düsseldorf wider. Davon auszunehmen ist der feierliche vierte Satz, zu dem Schumann sich durch den Anblick des Kölner Domes und eine darin erlebte Zeremonie anregen ließ. Die Blechbläserfraktion, insbesondere die Gruppe der hervorragend besetzten Waldhornisten, zelebrierten choralähnliche Passagen, die sich von den eher volkstümlichen Klängen der beiden vorhergehenden Sätze deutlich absetzten. Abschließend muss gesagt werden, dass die hervorragenden Leistungen der Musiker ein wesentlich größeres Publikum verdient hätten.


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erstellt am 30.Mär.2015 | 12:14 Uhr

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