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Nordfriesland Tageblatt

22. August 2017 | 17:17 Uhr

Ohne Pflichtverteidiger kein Prozess

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

„Ich habe geklaut und bin erwischt worden. Das muss bestraft werden“, gestand ein wegen Diebstahls angeklagter 63-Jähriger dem Amtsgericht. „So geht es aber nicht“, erwiderte ihm die Richterin, die beim Verlesen eines Gutachtens mehrfach Blickverbindung zu dem Angeklagten hatte und nach eigenen Worten bei ihm „kognitive Einschränkungen“ erkannt zu haben glaubte. Das bestätigte auch der Staatsanwalt, der den Angeklagten auf die Tragweite der „Sache“ aufmerksam machte, von „sechs Monaten“ sprach und davon, dass jedermann vor Gericht die Möglichkeit habe, sich bestmöglich zu verteidigen.

Kurzum: Der Termin wurde ausgesetzt und dem allein und ohne Beistand erschienenen Angeklagten ein Pflichtverteidiger beigeordnet, „den Sie sich selbst aussuchen können“, wie die Richterin sagte. „Wissen Sie einen Rechtsanwalt?“, fragte sie. „Nein“, hieß es vom Angeklagten, der seinen Fall auf seine Art bewertete: „Da passiert so viel in der Welt. Und dagegen mein Fall?“ Dass Richterin und Staatsanwalt dem laut Gutachten voll schuldfähigen Mann entgegen kamen und ihm eine Brücke bauten, davon schien er wenig begeistert, sondern wollte diese Sache so schnell wie möglich hinter sich haben.

Doch nun heißt es: Fortsetzung folgt – mit einem Pflichtverteidiger.

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erstellt am 03.Mär.2016 | 12:06 Uhr

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