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Universitätsgesellschaft : „Obama darf gerne bei uns sprechen“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Gemeinsam mit drei weiteren Vorstandsmitgliedern der Universitätsgesellschaft Niebüll organisiert Horst Gransow jährlich zehn Vorträge

Horst Gransow ist seit zehn Jahren Vorsitzender der Universitätsgesellschaft Niebüll/Südtondern. Auch im Jubiläumsjahr der Christian-Albrechts-Universität, die momentan 350-jähriges Bestehen feiert, hat der ehemalige Lehrer der Friedrich-Paulsen-Schule interessante Vorträge aus vielen Wissenschaftsbereichen organisiert. Im Gespräch mit dem Nordfriesland Tageblatt spricht der 76-Jährige über die bewegte Geschichte des Vereins und verrät, warum nicht jeder Professor vor Schülern sprechen sollte.

Herr Gransow, Sie haben an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel auf Lehramt studiert. Was kam danach?

Horst Gransow: Ich ging zur Ausbildung an das Fördegymnasium in Flensburg, und anschließend wurde ich 1967 hier an die Westküste versetzt – etwas, das ich am Anfang gar nicht wollte (lacht).

Warum das?

Im Prinzip war ich immer ein Ostküstenmensch und habe mich in diese herbe Landschaft erst einleben müssen. Ich habe mich dann aber schnell sehr wohlgefühlt, sodass ich geblieben bin.

Nachdem Sie 37 Jahre lang Lehrer waren, engagieren Sie sich heute besonders in der Universitätsgesellschaft Niebüll. Seit wann gibt es denn die Sektion?

Am 18. Februar 1923 hat hier eine Gründungsversammlung stattgefunden. Nach langem Suchen haben wir diesen Termin sicher bestätigen können. Im Jahr 1998 hat meine Vorgängerin, Esther Schark, dann das 75-jährige Jubiläum feiern können und wir 2013 schließlich den 90-jährigen Gründungstag.

Was ist über die Gründerväter oder -mütter der Sektion bekannt?

Gegründet wurde die hiesige Ortsgruppe von einem Rechtsanwalt Feddersen. 1920 gab es die Volksabstimmung, und Tondern war als Kreisstadt verloren. Niebüll wurde neuer Kreisort und man suchte entsprechend geistigen Anschluss an die Landeshauptstadt. Das erklärt auch, warum ein so kleiner Ort – Niebüll hatte damals rund 3000 Einwohner – schon so früh die Anbindung an Kiel suchte.

Waren die Ziele der Organisation damals auch politischer Art? Der Zeitgeist war ja mehrheitlich völkisch und deutschnational.

Natürlich spielte der Zeitgeist zur Gründung eine Rolle, und auch mit der Grenzziehung waren selbstverständlich nicht alle zufrieden – im Detail lässt sich das heute aber nicht mehr untersuchen. Wichtig war aber auch der Wille, notleidende Studenten in Kiel mit Nahrungsmitteln vom Land zu versorgen. In der Zeit des Nationalsozialismus ist der Bildungsauftrag der Universitätsgesellschaft natürlich pervertiert worden. Da wurden zum Teil unsägliche Vorträge gehalten. Nach 1945 ist die Organisation aber schnell wieder aufgelebt und hat sich trotz vieler Schwierigkeiten neu aufgestellt. Nach der Notzeit setzte sich der Bildungsauftrag der Gesellschaft immer mehr durch.

Nachdem dieses Kapitel deutscher Geschichte nun lange zurückliegt – wie hat sich die Universitätsgesellschaft entwickelt?

Die lange Geschichte bedeutet, dass die Universitätsgesellschaft hier sehr gut vernetzt ist. Es haben sich über die Jahre neben den persönlichen Mitgliedschaften auch enge Bindungen an örtliche Betriebe und Institutionen entwickelt. Mit der hiesigen VHS als Partner veranstalten wir jährliche Studienfahrten. Auch unsere unterschiedlichen Vortragsorte – von der Schulmensa, dem Rathaus, den Museen bis hin zu einem Finanzinstitut – zeigen die vielfache Vernetzung und Unterstützung, für die wir sehr dankbar sind. Letztlich dient alles einer aktuellen Wissensvermittlung und Anregung in der persönlichen Begegnung und Diskussion mit forschenden Wissenschaftlern, die weder Fernsehen noch Internet in dieser Form leisten kann. Wir wenden uns an alle interessierten Menschen, auch ohne universitären Hintergrund. Dazu dient auch der niedrige Mitgliedsbeitrag und der geringe Eintritt für Gäste.

Auf welche Weise stellen Sie die Vorträge zusammen?

Es gibt ein Verzeichnis mit angebotenen Vorträgen, das wir auch einigen unser rund 250 Mitgliedern zur Auswahl geben, um möglichst viele Interessen abdecken zu können. Im Vorstand diskutieren wir dann die möglichst breite Auswahl. Über die Jahre weiß man auch, welcher Referent gut ist.

Nicht jeder Professor ist für Schülervorträge geeignet?

Genau - wenn ein Referent in der Mensa der FPS auch vor vielen Jugendlichen reden soll, dann kommt natürlich nicht jeder Professor und nicht jedes Thema in Frage. Professor Wolfgang Duschl konnte dieses Jahr als Astrophysiker die Schüler der beiden Gymnasien begeistern. 2013 hatten wir hier zum Beispiel den Klimaforscher Mojib Latif. Das war ein Highlight, da hatten wir 500 Besucher.

Wenn Sie sich einen Referenten wünschen könnten, wen würden Sie nach Niebüll einladen? Den Dalai Lama oder doch lieber US-Präsident Barack Obama?

Barack Obama wäre natürlich als Referent bei uns hochwillkommen (lacht). Wenn er über die Probleme der amerikanischen Innenpolitik reden möchte, darf Obama jederzeit gerne bei uns sprechen. Realistischer wäre es natürlich, einen Kieler Professor für Politik zum Thema einzuladen.

 

 

 

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