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Nordfriesland Tageblatt

16. Dezember 2017 | 22:09 Uhr

Tierschutz : Nur wenige tierische Urlaubsopfer

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Südtondern Tierschützer gehen nur von einer geringen Zahl ausgesetzter Katzen aus / Hunde werden in der Urlaubszeit nur selten „abgeschoben“

Sie werden auf Parkplätzen angebunden, im Wald zurückgelassen oder fliehen vor Besitzern, die sie nicht mehr versorgen. Nach Schätzungen des Deutschen Tierschutzbundes werden hierzulande jährlich etwa 70  000 Tiere ausgesetzt. Besonders die Sommerferien stehen in dem Ruf, dass sich dann regelmäßig viele Menschen von ihren Hunden oder Katzen trennen. Oft passten die Tiere nicht in die Urlaubsplanung, so die gängige Erklärung. Südtonderns Tierschützer schätzen die Ursachen und die Schwerpunkte des Problems dagegen unterschiedlich ein.

„Heute muss im Prinzip keiner mehr seine Tiere aussetzen“, sagt Svenja Mauer-Günther. Die Vorsitzende des Vereins „Tiere in Not Südtondern“ beobachtet aber genau das immer wieder: „Wir hatten Ruhe, bis die Ferien anfingen.“ In nur wenigen Tagen nach Beginn der großen Ferien stieg die Zahl der eingelieferten Tiere schlagartig: „In dieser kurzen Zeit sind zwölf Katzen zu uns gekommen“, berichtet Mauer-Günther. Oft seien es Passanten gewesen, die die herrenlosen Tiere in Leck und auch in Schafflund aufgelesen haben. „Wir haben im Team natürlich vermutet, dass es einen zeitlichen Zusammenhang zwischen Reisezeit und Tierfunden gibt.“ Beweisen ließe sich das allerdings nicht, sagt die Tierschützerin.

Anders ist die Lage bei den Ehrenamtlichen des Vereins Tierschutz Niebüll und Umgebung. Hier werden nur sehr selten ausgesetzte Tiere gemeldet. „Das klassische Aussetzen von Tieren am Straßenrand gehört in Südtondern eher in den Bereich der Legende“, sagt Gesche Iben-Hebbel. „Das Aussetzen in einer Box ist wirklich die Ausnahme bei uns.“ Das Problem, das die Tierschützer vor Ort deutlich stärker beschäftige, sei stattdessen die große Anzahl nicht kastrierter Katzen. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Niebüller Tierfreunde zu einer großen Kastrations-Aktion aufgerufen (wir berichteten).

Den Grund für die besonders seltenen Fälle von ausgesetzten Hunden in Südtondern sieht Tierschützerin Iben-Hebbel auch als Folge guter Vernetzung im Internet. In Themen-Foren im sozialen Netzwerk Facebook oder bei Ebay-Kleinanzeigen könnten Tierhalter ihre Vierbeiner an neue Besitzer vermitteln oder Betreuung in der Urlaubszeit organisieren. Auch Svenja Mauer-Günther, vom Verein „Tiere in Not Südtondern“ ist dieser Meinung: „Mit persönlichen Netzwerken lässt sich jedes Tier versorgen.“

Wer seinen Hund oder die Katze trotzdem „schnell“ am Straßenrand loswerden will, für den könnte das ein empfindliches finanzielles Nachspiel haben: Das Aussetzen von Tieren verstößt gegen das deutsche Tierschutzgesetz und kann mit einer Strafe bis zu 25  000 Euro geahndet werden. Klartext spricht in diesem Zusammenhang auch Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes: „Tiere sind keine Wegwerfware, die ich entsorgen kann, sobald sie meiner Urlaubsplanung im Weg stehen.“  

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