Filial-Schliessungen : Nospa-Pläne erneut in der Kritik

Die Mitglieder des Amtsausschusses beklagten den Rückzug der Nord-Ostsee-Sparkasse aus den Dörfern.

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01. Juli 2014, 11:03 Uhr

Scharfer Wind wehte Enno Körtke, Vorstandsmitglied der Nord-Ostsee-Sparkasse (Nospa), von Kommunalpolitikern aus Südtondern entgegen. Der Nospa war in der 5. Sitzung des Amtsausschusses Gelegenheit gegeben worden, zu ihrem angekündigten Rückzug aus der Fläche Stellung zu nehmen (wir berichteten). Zur Erinnerung: Die Nospa plant, Filialen zu schließen oder sie in einen Selbstbedienungs-Standort umzuwandeln. In Südtondern sind davon die Standorte Enge-Sande, Neukirchen, Risum-Lindholm und Süderlügum betroffen. Mit der Umsetzung soll Ende des Jahres begonnen werden.

Die Nospa geht beim Privatkundengeschäft mit dem Leitgedanken „Mehr Sparkasse. Das volle Programm, gleich nebenan“ in die Offensive. Deren zentrale Punkte lägen darin, dass Filialkunden in der Fläche an deutlich mehr Standorten als bisher „eine alle Produkte und Dienstleistungen umfassende Beratung angeboten wird“. Der Service werde ausgeweitet, „damit Nospa-Kunden alltägliche Bankgeschäfte zeitlich und örtlich so flexibel wie möglich erledigen können“.

Enno Körtke erklärte die Zielsetzungen der Sparkasse damit, sie seien im Grunde genommen von den Kunden auch gewünscht worden. „Wir sind nach draußen gegangen und haben die Kunden gefragt“, berichtete er, ließ aber anklingen, dass die finalen Beratungen noch kommen – und noch nichts endgültig entschieden sei.

„Zuerst Tonderner Kreissparkasse, dann Sparkasse Nordfriesland und jetzt Nospa. Sie haben einen alten Ruf zu verteidigen“, erklärte Amtsvorsteher Peter Ewaldsen. Er selbst bezeichnete den Rückzug der Nospa „aus den Dörfern“ als einen Verlust von Infrastruktur. Im weitesten Sinn sei das auch ein Verlust dessen, was das Leben auf dem Lande lebenswert macht und eine Verödung der Landschaft. „Es tröstet uns allerdings, dass wir noch eine Bank mehr haben.“

Thomas Nissen (Neukirchen) erinnerte die Nospa an ihren Versorgungsauftrag für die Menschen in der Region. „Sie gebärden sich hier wie die großen Banken“, wetterte er. Vorstand Enno Körtke konterte mit dem Hinweis, das sei sachlich nicht korrekt, weil der Vergleich hinke. „Wir sind doch in Leck und Niebüll präsent, haben ein engmaschiges Netz und können an bestimmten Dingen nicht festhalten.“ Ob es für die anstehenden Entscheidungen auch andere Gründe als die der Wirtschaftlichkeit gebe, wollte Ingo Scholz (Leck) wissen. Nein, erklärte Enno Körtke, das Beispiel Bredstedt von der Hand weisend. Auch das Beispiel Flensburg könne (zeitlich) nicht herangezogen werden. Lecks Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn: „Der Nordwesten der Bundesrepublik blutet immer mehr aus. Und dazu tragen Sie als Nospa bei.“ Das seien schlechte Signale, fügte er hinzu. Man möge bei der Nospa darüber nachdenken, dass jetzt womöglich andere Banken Zulauf bekommen – nachdenken darüber, ob der Norden überhaupt noch wert sei, erhalten zu bleiben. Amtsvorsteher Peter Ewaldsen: „Die Zeit läuft weiter. Das hier ist eine Entwicklung, die weh tut.“

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