Nordfriesen wollen nicht noch mehr Hafenschlick
Nationalpark-Kuratorium lehnt Verklappung von Hamburgs Baggergut ab
Nordfriesland | Das nordfriesische Nationalpark-Kuratorium hat gestern mehrheitlich einen Antrag auf Verklappung von Hamburger Hafenschlick in der Nordsee abgelehnt. Mit diesem Beschluss drücken die Nordfriesen auch Unmut darüber aus, dass die Hanseaten nach ihrem Eindruck nicht engagiert genug an einer Alternativlösung arbeiten. An der Sondersitzung im Kreishaus in Husum nahmen auch sechs Mitglieder des Dithmarscher Kuratoriums teil - die Nachbarn müssen sich zu diesem Thema ebenfalls positionieren.
Als Gastreferent hatte vor einer längeren Diskussionsrunde Dietmar Wienholdt, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft, Meeres- und Küstenschutz im Kieler Umweltministerum, das Problem der "Hamburg Port Authority" (HPA) genau erläutert und beteuert: "Es gibt noch keinen Kabinettsbeschluss."
Aktuell sind es 600 000 Kubikmeter "gering belasteter Schlick" (Wienholdt), vorrangig aus dem Köhlbrandhafen, den die Hanseaten verklappen müssen (wir berichteten). Die HPA hatte zunächst beantragt, diese Menge an der Westküste vor dem direkt an der Elbe gelegenen Dorf Sankt Margarethen einbringen zu wollen. "Dann würde der Schlick vor unserer Küste ankommen - mit unkannten Folgen", erklärte Wienholdt. Somit ist Tonne "E3" vor Helgoland erneut als Verklappungsadresse im Gespräch. Als ob die Hamburger geahnt hätten, dass Sankt Margarethen nichts werden kann, argumentieren sie beim Standort Helgoland damit, dass ihnen ja erlaubt worden sei, von 2008 bis 2011 bei "E3" maximal 6,5 Millionen Kubikmeter Hafenschlick auszubringen - und tatsächlich sind dort nur zwei Kubikmeter hinausgefahren worden. Jetzt liegt im Kieler Umweltministerium die Formulierung "Fristverlängerung wegen nicht ausgeschöpfter Baggergutmengen" vor. In den Jahren davor - von 2005 bis 2008 - hatte die "Port Authority" 4,5 Millionen Kubikmeter Hafenschlick vor der Hochseeinsel verklappt.
Solche Spitzfindigkeiten mögen die Küstenbewohner nicht. Für sie gehört zur Wahrheit, dass laut einvernehmlicher Abmachung 2011 Schluss sein sollte mit der Verklappung. Die Hamburger hätten im Gegenzug - wie schriftlich verabredet - ihr Sediment-Management vorantreiben müssen, so die Auffassung der Mehrheit. Wienholdts Ansicht: "Wir müssen das Problem kurzfristig lösen - und dann ein Anschlusskonzept finden", entlockte dem Kuratoriumsvorsitzenden, Landrat Dieter Harrsen, deshalb nur den Kommentar: "Da waren wir schon 2008." Hans von Wecheln, Vertreter des Gewerkschaftsbundes, unterstützte ihn und interessierte sich dafür, warum die Hamburger es denn bisher nicht geschafft haben? - "Es läuft uns aus dem Ruder. Sollen wir alle vier Jahre einen neuen Antrag über nicht ausgeschöpfte Mengen beschließen?" Es gibt noch andere Fragen zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein, spielte von Wecheln auf die politische Dimension an - und dachte dabei an die Hamburger Konkurrenz-Windmesse 2014. "Es ist wenig passiert. Unsere Aufgabe ist es, den Druck sicherzustellen", betonte Harrsen.
Sollten die Hanseaten ihre Vertragsverlängerung dennoch bei Minister Dr. Robert Habeck durchbekommen, fordert die Mehrheit des Kuratoriums, folgende Punkte für den Meeresschutz umzusetzen:
Zur Vermeidung der Einschleppung invasiver fremder Arten ist vor einer Genehmigung eine Artenliste für den Hamburger Hafen zum Abgleich mit der Artenliste des Verklappungsgebietes beizubringen.
Die Verklappung ist durch elektronische Einrichtungen an Bord ("Black Box") hinsichtlich Schiffsbewegung, Verklappungsort, Pump- und Löschtätigkeit zu dokumentieren.
Von jeder Ladung ist eine Probe zu entnehmen, die von einem unabhängigen Institut zeitnah auf Schwermetalle, wie Cadmium und Blei, Dioxine und Furane sowie enthaltene Arten untersucht wird. Auf Anregung von Hans von Wecheln sind auch das giftige TBT (Tributylzinnhydrid) sowie halogenierte Kohlenwasserstoffe aufgenommen worden. Bei Überschreitung von Grenzwerten oder fremden invasiven Arten ist der Import von Hafenschlick sofort zu untersagen.
Ein Monitoring zur Sediment-Verdriftung hatte ebenfalls Hans von Wecheln auf die Liste setzen lassen. Die anderen Punkte gehen auf eine Vorlage eines Sprechers der Muschelfischer, Peter Ewaldsen, zurück.
Die Naturschutz-Seite enthielt sich bei allen Punkten der Stimme - einige Vertreterinnen und Vertreter sogar bei der Ablehnung der Verklappung. Nun ist Tatsache, dass der Umweltminister ein mögliches Entgegenkommen daran knüpft, dass die Hamburger pro Kubikmeter Baggergut zwei Euro zahlen. Diese Summe würde den Grundstock bilden für eine Nationalpark-Stiftung. Noch mehr Geld müsste Hamburg aber auf jeden Fall für ein neues Management in die Hand nehmen. Laut Wienholdt sind unter anderem Schadstoffe und Mengen zu reduzieren - dazu kommen eine dritte Deponie sowie Sedimentfänge vorm Hafen und "Flurraum" für die Elbe.
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