Musikalischer Auftakt : Noldes Farben und Erdmanns Klänge

Begeisterten in der Nolde-Stiftung: Shoko Hayashizaki und Michael Hagemann.
Begeisterten in der Nolde-Stiftung: Shoko Hayashizaki und Michael Hagemann.

Freunde der Nolde-Stiftung feiern Premiere mit Konzertveranstaltung des Klavierduos Shoko Hayashizaki und Michael Hagemann.

shz.de von
07. August 2018, 07:00 Uhr

Nach wochenlanger Hitze und strahlendem Blau gibt es draußen endlich mal wieder einen Himmel mit voluminösen Wolkenskulpturen, so wie man ihn von Emil Noldes Bildern kennt. Der entsprechende Wind aus West fehlt auch nicht. Ein angemessenes Passepartout für das erste Konzert, das der Verein der Freunde der Nolde Stiftung Seebüll zum Auftakt des 151. Geburtstages des bekannten Malers veranstaltet.

Drinnen, im Vortragssaal des modernen Museumsgebäudes haben sich gut 80 Interessierte eingefunden, um die Darbietung des Klavierduos Shoko Hayashizaki und Michael Hagemann zu erleben. „Dieser Landstrich, südlich und nördlich der Grenze, ist seit jeher eine ganz besondere Kulturlandschaft,“ begrüßt Alexander Schmidt, Vorsitzender des Vereins, die Anwesenden. „Wir wollen nicht im Bild verharren, sondern zukünftig auch andere kreative Farbtöne wie die Musik präsentieren.“ Der im Saal aufgestellte Flügel wurde einst von dem Pianisten und Komponisten Eduard Erdmann gespielt. Damit ist der Bogen zu Nolde geschlagen, denn Erdmann war der Vater von Jolanthe, der zweiten Ehefrau des Malers.

Mit dem Engelkonzert, aus der Symphonie „Mathis der Maler“ von Paul Hindemith, einem Zeitgenossen Erdmanns, beginnt das Konzert. Sofort beweisen die vier Hände ihr Können. Die zierliche Asiatin bedient in zarter und verspielter Weise das hohe Register, während der bodenständige Schwabe kraftvoll und robust die tieferen Töne anschlägt. Mit dem Rondo A-Dur von Franz Schubert klingt ein Lieblingsstück von Eduard Erdmann an. Das von ihm zitierte „Farbenfrohe und Gestaltenreiche“ des Werkes bringen die Pianisten dem Publikum nahe. Die melancholische Musik ist voller Emotion und Dramatik. Mimik und Gestik der beiden unterstreichen die Klangstimmungen zusätzlich.

Es folgt die Sonate in C-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart in drei Sätzen. Fröhlichkeit und Leichtigkeit klingen in diesem Opus an. Temporeiche Stakkato- und Legatopassagen wechseln sich ab, immer wieder faszinieren und verblüffen die präzisen gemeinsamen Einsätze. Dem Frühlingsstimmenwalzer von Johann Strauss folgen 16 Walzer op 39 von Johannes Brahms.

Michael Hagemann liefert in seiner Moderation fachkundige Erläuterungen und schmückt seine Ausführungen mit lustigen, teilweise skurrilen Anekdoten und Gedichten aus. Das Pianistenpaar spielt vier Tänze von Gustav Jenner und Variationen aus „Lulu“ von Alban Berg. Die Hände fliegen über die Tastatur, so wie die Augen über die Noten. In atemberaubendem Tempo werden Melodie- und Begleitpassagen gespielt, die Akrobatik der Finger scheint keine Mühe zu bereiten. Der Klang der Musik besticht durch eine ausgefeilte Dynamik, das Duo durch seine musikalische Korrespondenz und Innigkeit. Ein Schmunzeln huscht über alle Gesichter, als Hagemann seiner Partnerin beim finalen Triller in höchster Lage über beide Arme greift.

„Wie klingt eigentlich Eduard Erdmann?“ Die Antwort geben Hayashizaki und Hagemann mit seinem Foxtrott in C-Dur. Im Gegensatz zu den klassischen Werken ist ein jazziger Einfluss zu hören. Eine andere Tonskala, eine versetzte Rhythmik, freche und komische Elemente lockern dieses Stück auf. Die Zuhörer applaudieren begeistert und werden mit zwei Zugaben belohnt.

Das Pianistenduo hat ihnen einen kurzweiligen und unterhaltsamen Abend mit Klaviermusik auf hohem Niveau beschert. Man darf hoffen, dass diesem gelungenen Debut viele weitere Konzertveranstaltungen im Nolde-Museum folgen werden.

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