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Niebüll in der NS-Zeit : Noch ein Jahr bis Ausstellungsbeginn

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Von März bis Mai 2015 ist im Richard Haizmann-Museum Material über Niebüll während der NS-Zeit zu sehen

Das Interesse an der näheren Historie wächst. Die Jahresversammlung des Niebüller Geschichtsvereins war gut wie nie besucht. Nach dem Jahresbericht der Vorsitzenden Beate Jandt, der Wiederwahl des Vorstands samt Beirat, stand der Vortrag von Wolfgang Raloff im Mittelpunkt.

Seit drei Jahren arbeitet der Ex-Direktor der Friedrich-Paulsen-Schule an der zeitgeschichtlichen Erfassung der Niebüller Presse in der Zeit vom 1933 bis 1945. Alle Zeitungsartikel hat er dazu durchforstet, jede Meldung notiert. Trost war ihm im Archivraum oft nur die Gewissheit, dass auch seine Vorsitzende im ehemaligen Mädchenheim als Schülerin über schwerer Lektüre gebrütet hat.

Tatsächlich ist das große Ziel für den Geschichtsverein das Jahr 2015. Dann wird das Ergebnis seiner Forschung in Buchform vorgestellt. Und: Vom 1. März bis 3. Mai 2015 wird der Niebüller Geschichtsverein die große Ausstellung über Niebüll zu Zeiten der Nazi-Diktatur im Richard Haizmann-Museum präsentieren. Beate Jandt war es zuvor wichtig, klarzustellen, dass „auf niemanden mit dem Finger gezeigt werde“. Der Bitte, noch eine Generation zu warten, wollte sie jedoch nicht Folge leisten. „Dann sind wir selbst zu alt, und jetzt leben noch die Zeitzeugen.“

In diesem Sinne befasste sich Wolfgang Raloff mit Hintergrund-Informationen zur Zeitgeschichte wie dem auch in Niebüll umjubelten „Ende des Parlamentarismus“ 1933 – und speziell mit prägnanten Einzelereignissen, die den Geist der Zeit wiedergeben. So wie ein Zeitungsbericht über eine Versammlung der NSDAP im Friesischen Haus, bei der das System und seine Erfolge gefeiert wurden.

Gleichzeitig ordnete der Freizeit-Historiker das Niebüller Geschehen der damaligen Gesamtsituation zu; bewies anhand von Zahlen, dass die Wahlerfolge in Niebüll besonders hoch waren. Bei zirka 2000 Wahlberechtigten wählten im März 1933 rund 1200 die NSDAP – mehr als 20 Prozent über dem Reichsdurchschnitt. Raloff erläuterte die Missachtung der Weimarer Republik in der Folge mit Weltwirtschaftskrise und Versailler Vertrag. Für Niebüller besonders interessant: Die Aufmärsche und Umzüge, mit denen das System gefeiert wurde. Pimpfe und HJ, Reiter-SS und SS, Uniformierte in der FPS-Turnhalle; die SA auf dem Schulhof der FPS.

Die Gleichschaltung hatte die Kleinstadt erfasst: Rund um den Maibaum wurde am 3. Mai 1937 gigantisch gefeiert. Zehn Meter hoch der Maibaum, Umzüge der Handwerker, der uniformierten Verbände, Bund Deutscher Mädchen, Pimpfe, Reichsarbeitsdienst, Partei- und Volksgenossen. Alle hörten gebannt der Rede des „Führers“ zu, danach wurde getanzt.

Wer nicht feiern wollte, wurde von der SA zurechtgewiesen. Zu dieser Zeit saßen schon längst manche Niebüller in Schutzhaft oder kamen als gebrochene Männer wieder zurück. Wolfgang Raloff zeigte in seinem spannenden Vortrag weitere besondere Momente der Niebüller Historie; wie den Besuch eines Ritterkreuzträgers. Doch da naht schon das Ende, mit der raschen Zunahme der Todesanzeigen ab 1941 ist der Untergang des „3. Reiches“ für die Bevölkerung schon besiegelt.

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erstellt am 27.Mai.2014 | 05:15 Uhr

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