Landwirtschaft : Niederschläge setzen den Äckern zu

In diesem Frühjahr haben Landwirte in Südtondern besonders viel Arbeit. Der nasse Herbst hat weite Flächen buchstäblich „verschlämmt“.

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21. März 2014, 06:45 Uhr

Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt… So beginnt das aus Mähren stammende Volkslied, das Ende des 19. Jahrhunderts in einem deutsch-österreichischen Liederbuch erschien und eine bäuerliche Romantik besingt, die es heute nicht mehr gibt. Das Wiehern der Rösslein auf den Feldern ist längst vom Brummen PS-starker Motoren abgelöst worden. In der Landwirtschaft geht es knallhart zur Sache. Felder und Wiesen werden zwar auch heute noch „instand“ gesetzt. Doch Feldbestellung geht anders – in Nordfriesland, in Südtondern, in der Marsch und auf der Geest.

Für die Bodenbearbeitung ist Geduld angesagt. Den Ackerbauern hängt noch der extrem nasse Herbst 2013 nach. Niederschläge der vergangenen Tage setzen der Wartezeit noch einen drauf. Es dauert etwas, bis die Felder trocken sind. Doch es kann gedüngt werden. Zum Beispiel mit dem Naturdünger Gülle. Wo Felder wegen des zu weichen Bodens nicht befahrbar sind, wird die Methode des „Verschlauchens“ angewandt, ein Verfahren, das sich in den vergangenen zehn Jahren entwickelt hat. Vom Fahrzeug direkt oder Behälter aus fließt Gülle mithilfe Pumpkraft in einen in die Fläche gelegten Schlauch – und von diesem zu den Pflanzen. Diese Methode, angewandt von Lohnunternehmen, gilt als schonend, boden- und pflanzennah sowie umweltfreundlich, wenngleich sie auch um einiges teurer ist als das großflächige Verspritzen der Gülle. Außerdem gibt es die Versorgung der Böden mit Mineraldünger.

Andere Arbeiten, die jetzt auf dem Zettel des Landwirts stehen, sind vielfältiger Art: Es gilt die Dränung zu spülen, gegen Pestizide und Unkraut anzugehen, Weidezäune zu reparieren, Knickgewächse „auf den Stock“ zu setzen und die letzten Orkanschäden zu beheben. Wo der Boden „abgesoffen“ ist, muss er gelockert werden. Wo der Weizen infolge der Nässe ausgegangen ist, muss nachgesät werden – teils großflächig, teils punktuell, doch immer maschinell und schlimmstenfalls per Umbrechen und Neueinsaat. Außerdem warten die „stoppeligen“ Maisschläge darauf, „Luft“ zu bekommen – und auf eine Zugabe von Kalk, mit der der PH-Wert verbessert werden soll.

Es ist viel zu tun draußen auf den Feldern. In diesem Frühjahr besonders viel, weil der nasse Herbst weite Flächen buchstäblich „verschlämmt“ hat. Vorausgesetzt, dass es zwei, drei Wochen niederschlagsfrei bleibt, kann es auf den Feldern in die Vollen gehen, zumal die Vegetation dank sonniger Märztage auch schon gut in Gang gekommen ist.

Gut entwickelt hat sich der Raps, der, wie Landwirtschaftsmeister Wolfgang Stapelfeldt sagte, „rausgekommen ist, wie er reinkam“, schadenfrei geblieben ist, eine frühe Blüte erwarten lässt und etwa vier Wochen weiter ist als zur selben Zeit im Vorjahr. Große Sorgen haben die Schweinemastbetriebe. Der administrative Zwang, den aus den Mastställen kommenden Geruch abzufiltern, bringe die Landwirte an den Rand der Resignation, sagt Stapelfeldt. „Umweltvorschriften nagen an der Existenz“, wettert er und sieht an den Schaltstellen der Legislative „Gutmenschen, die von der Landwirtschaft null Ahnung haben“. Mit Sorgen verfolgt er nach eigenen Worten die Situation um den kürzlich geschlossenen Schlachthof. „Jetzt drohen uns für die Anlieferung des Schlachtviehs noch weitere Wege – und höhere Kosten.“

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