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Langes Leben : Niebülls ältester Bürger wird 103

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Er kam in dem Jahr zur Welt, als die „Titanic“ vom Stapel lief: Jens Johannsen blickt auf ein bewegtes und bewegendes Leben zurück

Jens Johannsen, ältester Bürger der Stadt Niebüll, feiert heute seinen 103. Geburtstag. Der Jubilar erlebt seinen Ehrentag in erstaunlich geistiger Frische und kann sich gut an viele Stationen in seinem an Erlebnissen reichen Leben erinnern.

Sein Geburtsjahr war ein besonderes Jahr. 1911 lief in Belfast die „Titanic“ vom Stapel. In China endete das Kaiserreich. Roald Amundsen erreichte als Erster den Südpol. In Hamburg wurde der Elbtunnel fertig, in Dresden die Strauß-Oper „Der Rosenkavalier“ uraufgeführt. Und im nordfriesischen Ockholm tat der kleine Jens Johannsen, Sohn des Wasserbauwerkers Sievert Ingwer Johannsen, am 28. Oktober seinen ersten Schrei.

Kindheit und Schulzeit verbrachte er in seinem Heimatdorf, war aber schon früh viel und fleißig unterwegs, um zur Haushaltskasse seiner Mutter beizutragen, nachdem sein Vater aus dem 1. Weltkrieg nicht heimkehrte. Die erste Stelle als landwirtschaftlicher Gehilfe trat er im Januar 1927 bei Hans Karstensen im Südergotteskoog an. Als Knecht verdiente er 30 Mark im Monat. Kost und Logis waren frei. Die Wege „von A nach B“ pflegte er zu Fuß zurückzulegen – und zwar in Holzklotzen. „Schuhe hatte ich nur zum Jahrmarkt an.“

Der Jahrmarkt war es auch, auf dem er 1935 seine Frau Amalie („Mali“), geborene Nommensen, kennenlernte. Gefunkt hatte es zwischen beiden auf einer Runde im Kettenflieger. Sie lernte bei Marie Kramer das Schneiderhandwerk. Im September 1937 wurden die beiden in der Niebüller Kirche von Pastor Walter Schröder getraut. Nach der Hochzeit bezog das Ehepaar das frühere Anwesen von Hans Christiansen im Gotteskoog – eine kleine Nebenerwerbs-Landstelle mit vier Demat und späterer Zupacht von drei Hektar, die für je zwei Kühe, Schweine und Schafe reichte. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, denen elf Enkel und 14 Urenkel folgten.

1939 wurde Jens Johannsen eingezogen – und geriet 1945 in französische Gefangenschaft, während der er auf einem Hof in der Nähe von Nantes arbeitete, Anfang 1948 floh und am 21. April zu Hause war. Auf abenteuerliche Weise kam er bei der Gemeinde Niebüll wieder zu Papieren. Wiesenbaumeister Petersen („Wiesenpeter“) stellte ihn als Wasserbauwerker ein. 1974 ging er in Rente, war danach noch lange erfolgreich in der Reeternte tätig.

Erstaunlich war stets die körperliche Fitness des Jens Johannsen. Von 1992 bis 1997 legte er als Mitglied der Lindholmer „Fiile Floose“ des MTV Frisia 100 000 Kilometer mit dem Fahrrad zurück. 2005 starb seine Frau, mit der er 68 Jahre verheiratet war. Seit 2009 wohnt Jens Johannsen im Altenheim am Bachstelzenring.

Schönster Tag in seinem Leben war für ihn der Hochzeitstag. Als einen traurigen Tag empfand er den Tag seiner Heimkehr aus der Gefangenschaft. „1939 ging ich in den Krieg und in die Fremde. Für meine Kinder kehrte ich 1948 als Fremder heim.“ Die größte Leistung während seiner Ehe attestierte er seiner tapferen Frau. „Sie war zwar ‚nur‘ eine Schneiderin. Doch sie stand während des Krieges als Bäuerin ihren Mann.“

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erstellt am 28.Okt.2014 | 05:00 Uhr

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