Bücherei-Bilanz : Niebüller sind Leseratten

Das Team der Niebüller Bücherei: Die Verwaltungsangestellten Heike Christ (vorne l.) und Anke Hansen (vorne r.); hinten: Anett Petersen, Bibliotheksassistentin und Büchereileiter Ronald Steiner.
Das Team der Niebüller Bücherei: Die Verwaltungsangestellten Heike Christ (vorne l.) und Anke Hansen (vorne r.); hinten: Anett Petersen, Bibliotheksassistentin und Büchereileiter Ronald Steiner.

Bibliotheks-Leiter bilanzert: Online-Leihe vor allem bei Älteren beliebt. Gedruckte Bücher aber weiter auf Platz eins.

shz.de von
12. Januar 2018, 16:50 Uhr

Niebüll | Über mangelndes Interesse der Südtonderaner an Romanen, Krimis und Sachbüchern kann Ronald Steiner sich nicht beschweren. Bei vielen Leseratten immer beliebter wird es dabei, sich seinen Lesestoff über das Internet auf den heimischen Rechner oder das Tablet zu laden: „Die Stadtbücherei zieht für das Angebot Onleihe zwischen den Meeren im Jahr 2017 eine positive Bilanz“, sagt der Niebüller Büchereileiter. Rund 10 Prozent der 2500 Leser nutzen demnach das Online-Angebot und liehen in einem Jahr 10 200 Medien aus. Auf Platz eins steht aber weiterhin die Zahl der Entleihungen im analogen Bestand: 160 000 Entleihungen aus 39 000 gedruckten Werken verzeichnet die Bücherei.

„Niebüll liegt mit seinen Zahlen gleich hinter der Stadtbücherei Husum und noch vor der Stadtbücherei Westerland“, so Ronald Steiner. Er ist damit zufrieden, wundert sich jedoch über die Klientel. „Wir haben gedacht, nun kommen die Jüngeren – doch es sind eher die Älteren, die die Onleihe kräftig nutzen.“ Die Hälfte der Leser komme aus Niebüll, die anderen Besucher kommen aus dem Umland – vor allem Risum-Lindholm liege hier weit vorn. Auch die speziellen E-Book-Reader in der Bibliothek haben demnach Anklang gefunden; inzwischen hat jedoch fast jeder ein Gerät zuhause.

An Besuchern fehlt es nicht: „Der Zuspruch reißt nicht ab“, sagt der Büchereileiter erfreut. Die Bücherei ist an 246 Tagen im Jahr geöffnet. Zeitungsleser sind als Stammgäste gern gesehen, aber auch die Magazinfans tummeln sich gern im Frontraum. Im hinteren Bereich des Gebäudes in der Hauptstraße ist es eher ruhig. Besonders die Kleinen kommen gern in den separaten Teil der Stadtbücherei, sagt Steiner. Hier ist es gemütlich, große Stofftiere und warme Farben sorgen für eine heimelige Atmosphäre. Ein weiterer Schwerpunkt der Niebüller Bibliothek sind die Ausstellungen. Dafür hat Ronald Steiner mit Dr. Thomas Gädeke einen kompetenten Kurator gefunden. Im Vorjahr gab es nach der stark besuchten Michael-Ende-Ausstellung mit einer Andreas-Brandt-Schau eine bemerkenswerte Hommage an den früheren Kurator, den in Niebüll ansässigen, international bekannten Konstruktivisten. Dieser hatte die Stadtbücherei auf einen Level gehoben, den Thomas Gädeke bewahrt und fortführt. „Mit Nikolaus Störtenbecker und vor allem Oskar Kokoschka haben wir einen Riesenerfolg gehabt und viel Resonanz erzeugt“, freut sich der engagierte Bibliothekar. Überraschende Begeisterung rief die Ausstellung der Malschule der Nolde Stiftung hervor – hier hatten Kinder unter der Leitung von Mechthild Gransow frei nach Nolde gestaltet. Lesungen komplettieren das kulturelle Angebot.

Niebülls Stadtbücherei ist auf dem Weg zu einem Treffpunkt zu werden, so wie es in skandinavischen Ländern längst üblich ist. „Das ist die Zukunft“, sagt der Büchereileiter: „Ein Ort für Menschen und nicht nur für Bücher!“

Morgen im Nordfriesland Tageblatt: Die Jahresbilanz 2017 der Bücherei in Leck.



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