Niebüll will Luftkurort bleiben

 Wilfried Bockholt: Nach 18 Jahren Bürgermeister der Stadt Niebüll bewirbt sich Bockholt als einziger Bewerber für einen vierte und letzte Amtszeit.
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Wilfried Bockholt: Nach 18 Jahren Bürgermeister der Stadt Niebüll bewirbt sich Bockholt als einziger Bewerber für einen vierte und letzte Amtszeit.

Für die Erneuerung der Auszeichnung steht eine umfangreiche Klima-Messung an – ohne das Label müssen Läden sonntags geschlossen bleiben

shz.de von
22. März 2017, 12:41 Uhr

Es geht um ein Prädikat, das für Lebens- und Freizeitqualität steht. Seit 1985 ist Niebüll ein staatlich anerkannter Luftkurort. Doch diese Auszeichnung ist kein Geschenk auf unbegrenzte Zeit. Die in einer Anerkennungsverordnung definierten Anforderungen müssen regelmäßig neu überprüft werden. Genau das wird in absehbarer Zeit geschehen. Der Deutsche Wetterdienst wird über sechs Monate die klimatischen Daten an drei verschiedenen Standorten im Stadtgebiet aufzeichnen und auswerten. „Die Kosten für dieses Gutachten sind bereits im laufenden Haushalt eingestellt“, sagt Bürgermeister Wilfried Bockholt.

Um sich weiter mit dem Prädikat „Luftkurort“ schmücken zu können, muss der entsprechende Bescheid spätestens zum September 2018 vorliegen. „Wir sind gut in der Zeit, ich rechne bereits im Frühjahr kommenden Jahres mit diesem Schreiben“, sagt Bockholt. Die gute, emissionsarme Luft, die Nähe zum Meer, das Reizklima – „das ist doch unser Pfund. Alles Gute der Nordsee liegt vor unserer Haustür“, sagt der Bürgermeister. Ein Plus an Lebensqualität, das künftig noch mehr Urlauber in die Region Niebüll locken soll, „und das auch ein Privileg für die Bewohner ist“, sagt Bockholt, der zudem die wirtschaftliche Bedeutung des Labels hervorhebt.

Denn geht die Anerkennung als Luftkurort verloren, fällt Niebüll aus der Bäderverordnung heraus. „Dann wäre es vorbei mit den offenen Geschäften am Sonntag“, sagt Bockholt. Diese hätten für den Tourismus eine wachsende Bedeutung. Dafür reiche schon der Blick nach Dagebüll. Dort haben sich die Übernachtungszahl binnen weniger Jahre verdoppelt. „Einkaufen gehen fast alle Gäste in Niebüll. Da die meisten am Sonnabend anreisen, auch gerne am Sonntag. Das ist schon ein Faktor für die hiesige Wirtschaft.“ Doch auch in den umliegenden Gemeinden gebe es immer mehr hochwertige Quartiere. Und schließlich will Niebüll künftig auch sein eigenes touristisches Potenzial erst richtig heben. „Dafür ist das Prädikat Luftkurort bestes Marketing“, sagt Wilfried Bockholt.

Wichtig ist dafür eine gesundheitsfördernde Luftqualität. Welche Kriterien müssen noch erfüllt werden? „Möglichkeiten und Anreize, sich in der guten Luft aufzuhalten und zu bewegen“, sagt Bockholt. Zum Beispiel durch Wanderwege wie den Stadtpfad, Grünflächen wie den Stadtpark oder den Nordic Walking-Park, Liegewiesen, Wasserläufe wie die Wehle, in der Umgebung Wälder oder das Meer, nahliegende Ausflugsziele wie den Marschenpark, ein Freibad und in angemessener Entfernung auch ein Hallenbad. Dazu komme ein Mindestmaß an medizinischer Versorgung. „Auch die Bedeutung, die wir der Fußgänger- und Radfreundlichkeit gegeben haben, passt in diese Linie, wie auch die Förderung der E-Mobiliät“, zählt der begeisterte Radfahrer auf.

In Niebüll ist die Saison am Sonntag eröffnet worden. Seitdem sprudelt auf dem Marktplatz wieder das Wasserspiel, dahinter ist an sieben Masten die Sommerbeflaggung zu sehen. „Die Fahnen der vier skandinavischen Länder und der drei Nationen, mit denen wir Städtepartnerschaften pflegen“, erläutert Bockholt.

Das Prädikat Luftkurort steht an sich für stark vom Tourismus geprägte Orte, das trifft auf Niebüll derzeit nicht zu. Das war Anfang der 80er-Jahre aber schon mal anders. „Damals wurde viel für die Aufwertung der Stadt getan, das Rathaus wurde gebaut, das Haizmann-Museum eröffnet. Der Tourismus hatte einen viel höheren Stellenwert als heute“, erinnert sich Wilfried Bockholt. Damals habe es als Werbeplattform schon eine Marketinggemeinschaft Südtondern mit einem hauptamtlichen Geschäftsführer gegeben. Es wurde bereits in größeren Einheiten gedacht.

„Das ist genau der richtige Weg. An sich ist Schleswig-Holstein zusammen mit Dänemark doch eine große Landzunge oder Halbinsel, die von zwei Meeren umgeben ist“, sagt Bockholt. Es sei ein großer Vorteil, dass nicht in der Chemieindustrie oder in Fabriken, sondern im Tourismus das größte wirtschaftliche Potenzial für die Region stecke. Wilfried Bockholt ist sich sicher: „Investieren alle kontinuierlich in die Qualität, dann wird der Tourismus nachhaltig immer neue Arbeitsplätze schaffen.“

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