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Niebüll regt zum Dichten an: Erster Poetry Slam im Rathauskeller

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

von
erstellt am 12.Jun.2015 | 11:18 Uhr

Marie Wilke liebt Niebüll. Die Freiwillige des Kulturellen Jahres sitzt bestens gelaunt in ihrem Dienstzimmer im Rathaus. Sie hat in der „Heimat auf Zeit“ in den vergangenen elf Monaten fast nur Schönes erlebt. „Es war der richtige Weg. Nicht erst in die Großstadt, sondern zunächst in die Kleinstadt.“ Das Leben und Treiben in Niebüll regte die echte Dörflerin – sie stammt aus Putten bei Vechta – zum Dichten an. „Wenn ich mit meinem Fahrrad über das Kopfsteinpflaster fahre, singt mein Drahtesel ratternd eine Melodie, die nur unterstreicht, dass Niebüll gemütlich ist und leicht.“

Fröhlich schaut sie hinter dem Computer hervor und schreibt munter weiter. Gedichte? Nein, sie organisiert ihren Abschied. Sie lädt mit FKJ-Kollegin Clara Kienlein zu einer speziellen Veranstaltung „Streichzart und ungesalzen“ am 9. Juli, 17.30 Uhr, in den Charlottenhof ein. Doch zuvor gibt es einen echten Knaller, angestoßen von Uschi Gade, Wirtin des Ratskellers und der Kaffeemaus. Sie hatte Marie Wilkes Niebüll-Rap beim Stadtmarketing-Treffen gehört und war sofort begeistert. Da die junge Autorin noch mehr Texte in der Schublade hat, wird es einen ersten Niebüller Poetry Slam geben, am Freitag, 19. Juni, 20 Uhr, im Ratskeller. Mit dabei sind weitere Dichter der jüngeren Generation, die spontan zugesagt haben.

Teilnehmen kann grundsätzlich jeder.
Denn Poetry Slam ist die aus den USA importierte Version des Stegreifgedichts, bevorzugt ist die Kurzform, man darf frei sprechen oder ablesen. Üblicherweise wird durch Klatschen oder andere Meinungskundgebung ein Sieger ermittelt. Das wird in Niebüll nicht der Fall sein. „Wir laden jeden ein, einfach vorbeizukommen“, so Marie Wilke. Sie selbst hat sieben Gedichte vorbereitet, sie sind sehr unterschiedlich und dauern von einer bis zu fünf Minuten. Ihr Niebüll-Rap ist auch dabei, aber auch das Thema Zukunft und die Unsicherheit, was kommt, alles zumeist humorvoll verpackt. „Ich schreibe gern lustig“, sagt Marie Wilke und lacht über den Schreibtisch hinweg. Mit Texten wie „Vom Glück im Unglück zu Glück und wieder zurück“ fordert sie auf, die kleinen Glücksmomente des Alltags schätzen zu lernen. Doch sie kann auch politisch, wirbt für Toleranz und wendet sich gegen Rechtsradikale. Erblich vorbelastet durch den Vater hat sie bereits an Schreibwerkstätten teilgenommen, sowie an Poetry Slams in Flensburg, Neumünster und Kiel.

Nun steht Niebüll an; ein wenig aufgeregt ist die angehende Studentin schon. Klar ist, dass der Spaß im Vordergrund steht – und der Eintritt ist frei.


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