„Niebüll ist gar nicht so doof“: Erster Poetry Slam im Rathauskeller

Marie Wilke las locker vom Hocker.
Marie Wilke las locker vom Hocker.

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22. Juni 2015, 13:50 Uhr

Marie Wilke, Freiwillige des Kulturellen Jahres, lässt ihre Niebüll-Zeit fulminant ausklingen. Sie lud zum ersten Niebüller Poetry Slam in den Rathauskeller: Das zog die Neugierigen in den Bann. Marie Wilke begann die Lesung mit einem hintergründigen Epos über gelbe Zitronen, die durch sauren Regen langsam braun werden. Ein mutiges, eindeutiges Statement gegen Neonazis.

Zum Thema Liebe und Gleichberechtigung der verschiedenen Ausprägungen hatte die junge Niedersächsin ebenfalls eine klare Aussage parat: Jeder soll heiraten, wen er will. Ihre Gedichte sind dabei nicht einem Schema untergeordnet, wenn es passt, dann reimt es sich. Diese Freiheit sorgt für viel Lebendigkeit. Mit „Vom Glück im Unglück zu Glück und wieder zurück“ weist sie auf die Glücksmomente des Alltags hin; ihre eigene Unsicherheit, was die Zukunft bringt, spricht sie offen in einem weiteren Gedicht aus. Ausgesprochen lyrisch wurde es bei der Begegnung zweier Autos auf der Landstraße – aus der Sicht der Kraftfahrzeuge.

Zwischendurch kam mit Ann-Kathrein eine weitere Poetin zu Wort – wie es unter Slammern üblich ist, war ihr Nachname für den Auftritt nicht wichtig. Ann-Kathrein hatte vorher noch Bedenken, ob sie die persönliche Premiere wagt, doch ihr Beitrag war sicher und überzeugend. Die junge Frau sprach über das viele Nachdenken und die Schwierigkeiten, nun in Aktion zu kommen. Es gab viel Beifall für die beiden Dichterinnen, so dass Marie Wilke noch einmal ihren Niebüll-Rap vortrug: „Und muss sagen, dass Niebüll viel Schönes vereint. Niebüll ist schon kennenswert, wenn man den Wert erkennt, den Niebüll hat“.

Es gab viele Komplimente der Zuschauer, unter anderem: „Die Welt sähe anders aus, wenn es mehr Frauen wie euch gäbe.“ Jüngere Zuschauer erklärten spontan, dass sich ihre Sichtweise auf Niebüll geändert habe. „Stimmt, Niebüll ist gar nicht so doof!“

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