Hoffnung auf Prädikat : Niebüll als Nationalpark-Partner

Urlaub ohne schlechtes Gewissen gegenüber der Natur ist besonders an der Nordsee ein Trendthema. Ausdruck dafür ist die Nationalpark-Partnerschaft.
Urlaub ohne schlechtes Gewissen gegenüber der Natur ist besonders an der Nordsee ein Trendthema. Ausdruck dafür ist die Nationalpark-Partnerschaft.

Die Auszeichnung als Botschafter des Weltnaturerbes steht kurz bevor. Die Stadt verspricht sich spürbare Impulse für den Tourismus.

shz.de von
03. Juli 2018, 06:00 Uhr

Große Themen hatte sich der Ausschuss für Umwelt und Wirtschaft auf die Tagesordnung seiner ersten Sitzung in neuer Besetzung gepackt. Über die Belebung des Rathausplatzes oder ein neues Leitbild für die Stadt wurde lange und vielschichtig diskutiert, ohne dass in naher Zukunft mit konkreten Ergebnissen gerechnet werden kann. Ganz anders sieht es bei dem Thema Nationalpark-Partnerschaft aus. „Wir haben sehr gute Chancen, dieses Prädikat schon bald zu bekommen“, sagte ein dann auch strahlender Bürgermeister Wilfried Bockholt.

„Der Nationalpark Wattenmeer liegt uns zu Füßen. Die Region liegt uns am Herzen. Dann sollten wir das auch zeigen.“ Mit dieser Begründung hatte die SPD-Fraktion vor gut einem Jahr den Antrag gestellt, sich um eine Nationalpark-Partnerschaft zu bewerben. Das große Netzwerk der bisherigen Partner verbindet vor allem Naturschutzorganisationen und touristische Dienstleister wie Reedereien, Hotels, Wattführer oder Radverleiher miteinander. Doch bisher können sich nur wenige Kommunen im Land mit dem Prädikat Nationalpark-Partner schmücken – in Südtondern ist Niebüll die erste.

„Diese Mitgliedschaft wäre eine Top-Werbung für die Region Niebüll“, sagte Ausschussvorsitzender Peter Schumann (SPD). „Nachhaltigkeit ist nicht nur in Niebüll, sondern auch im Tourismus insgesamt ein Trendthema, das weiter an Bedeutung gewinnen wird“, betonte Wilfried Bockholt.

Welche Vorteile bringt eine Nationalpark-Partnerschaft mit sich? „Einen spürbaren Imagegewinn“, sagt Matthias Kundy von der Nationalparkverwaltung. Alle Partner zählen zu einer Marketinggemeinschaft, die neue Angebote für Gäste entwickelt und überregional bewirbt. Dazu gibt es Informationsmaterial und Fortbildungen. Und natürlich Plaketten und Fahnen. Wann könnten diese sichtbaren Zeichen dafür, für einen zukunftsfähigen Tourismus gut gerüstet zu sein, denn in Niebüll eintreffen? „Unsere Bewerbung muss noch durch ein Gremium gehen“, sagt Wilfried Bockholt. Doch es gebe schon jetzt Signale dafür, dass die Niebüller Bewerbung richtig gut gelungen sei. „Es musste ein Riesenfragenkatalog sorgfältig ausgefüllt werden. Dafür gilt mein Dank der Verwaltung, unserem Stadtmanager und auch dem Naturkundemuseum“, zählt Bockholt auf. Letztgenanntes ist bereits Nationalpark-Partner. Weitere sichtbare Zeichen für gelebte Nachhaltigkeit sind unter anderem die Auszeichnung als Fairtrade-Stadt, die Förderung des Radverkehrs und der E-Mobilität sowie verschiedene Kampagnen zur Müllvermeidung. Die aktuellste, mit der die Zahl der Plastiktüten in der Innenstadt deutlich reduziert werden soll, wird gerade vom Kinder- und Jugendbeirat angestoßen. Zudem wird die FPS demnächst als Fairtrade-School ausgezeichnet.

Unter anderem an den neuen Info-Stellen – einem neuen Besucherleitsystem – soll das Prädikat zum Schutz des Wattenmeeres sichtbar werden.

Naturschutz und Tourismus arbeiten Hand in Hand. Dadurch kann das Weltnaturerbe Wattenmeer effektiv für nachhaltige Ferien vermarktet und viele Urlauber für die Schutzwürdigkeit dieses Lebensraumes sensibilisiert werden. So lautet die für beide Seiten Gewinn bringende Grund-Idee der Nationalpark-Partnerschaft. Die Nachfrage nach einem Urlaub ohne schlechtes Gewissen gegenüber der Umwelt sei an der Nordsee bereits größer als das Angebot.

Die wohl bevor stehende Auszeichnung bietet für Niebüll also beste Chancen, die Gäste- und Übernachtungszahlen (weniger als 100 000 pro Jahr) zu steigern. „Dieses Ziel haben wir uns seit Jahren auf die Fahnen geschrieben“, sagt Peter Schumann.

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