Kunst im Amt : „Nichts ist zufällig“

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Reliefs, Grafiken, Drucke: Der Achtruper Künstler Jörg Bernkopf stellt seine Werke im Amt Südtondern aus

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09. Mai 2015, 05:00 Uhr

Die Vernissage des Achtruper Künstlers Jörg Bernkopf lockte zahlreiche Kunstfreunde in das Amt Südtondern. Amtsvorsteher Peter Ewaldsen begrüßte die Gäste und drückte Zuneigung zum Werk aus. „Ich muss aufpassen, dass ich mich nicht daran gewöhne.“

Jörg Bernkopf – er ist Maler, Bildhauer, Holzschneider und Musiker – übernahm es, seine Arbeiten in einem Rundgang vorzustellen. Dies geschah auf geerdete und unterhaltsame Weise, nicht abgehoben, sondern für jeden verständlich. Die Werke repräsentieren in ausgewählten Beispielen einen Überblick über das Schaffen der letzten 20 Jahre. Zentrales Bild ist das Relief „Meesreskraft“, geschnitzt aus einem drei Meter langen Stück Mahagoniholz. Oft sind es aufwändig gestaltete Holzreliefs, die versilbert, vergoldet und farbig gefasst werden. Sie entstehen in oft monatelanger Arbeit und sind einzigartige Bilder von außerordentlich hoher Qualität und Wirkung. Gleich am Eingang des Foyers ist ein sagenhaftes Kunstwerk zu sehen: Hier findet man auf dem Relief mehrere hundert kleine geschnitzte und gemalte Porträts oder feinste Einlegearbeiten.

In anderen Arbeiten geht es um die vielfältigen Lebensformen des Meeres und der Natur. Der Untergang der „Pallas“ vor Amrum war beispielsweise ein Anlass für ihn, kreativ zu werden. Genauso intensiv ist seine „Fantasie über Wrackteile im Wattenmeer“. Oder aber der Entwurf für eine japanische Briefmarke gegen die Überfischung der Meere. Ideen entstehen bei der Arbeit: „Die Wahrheit ist das, was auf dem Bild passiert.“

Jörg Bernkopf geht vom Handwerk aus, eignete sich die Grundlagen der Kunst gründlich an, soweit, dass er Farben selbst herstellte, hat in Hannover Freie Kunst studiert. „Während des Studiums hatte ich mich intensiv mit der Technik und Geschichte des Holzschnittes beschäftigt. So erschienen in meiner Werkstatt später handgedruckte Bücher und Grafikfolgen mit Holzschnitten in kleinen Auflagen.“

Jörg Bernkopf schätzt Holz auch als Werkstoff, er ist einer der letzten Holzstecher Deutschlands. „Der Gestaltung sind fast keine Grenzen gesetzt und es lassen sich Oberflächen von eigener Schönheit schaffen. Bevorzugt arbeite ich mit schichtverleimten hochwertigen Hölzern aber auch mit teilweise seltenen Hölzern und Materialien. Ich male ausschließlich mit Ölfarbe oder Eitempera und verwende reines Feingold und Sterling Blattsilber.

Durch den Werkprozess bedingt, verläuft die Herstellung eines Bildes oft über mehrere Monate, manchmal entstehen Bilder über Jahre. Bemerkenswert auch seine aktuellen Multiplex-Arbeiten; da wird ein schlichter Lappen plötzlich dreidimensional; das wortreiche Werk einer Dichterin kongenial umrahmt. „Nichts ist zufällig“, betont der Künstler. So orientiert er sich an alten Meistern; widmete sich der altniederländischen Malerei, lernte alte Kirchenmalerei, Faßmalerei und Vergoldertechniken. Aus seinem Lieblingsbild von Gerard Terborch („Ein Knabe floht seinen Hund“, um 1655) machte er ein sehr eigenes, modernes Kunstwerk. „Früher war ich Aktionist mit wandgroßen Bildern, heute beschränke ich mich.“

Alles an Bernkopf ist handfest, seine Kunst hat einen konkreten Hintergrund: Er liebt Hunde, aber auch Hähne und Kühe. Das Getier ist bildhaft in den Fluren des Amtsgebäudes wiederzufinden, sogar ein Vogelküken unter dem Hemd ist dabei. Fantasie ohne Grenzen: Kuhohren erscheinen wie ein Strickmuster. Fazit: Alle Arbeiten verraten große Könnerschaft und Individualität, der Besuch ist dringend zu empfehlen. Die Ausstellung ist bis zum 26. Juni zu sehen.

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