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Nordfriesland Tageblatt

20. Oktober 2017 | 13:20 Uhr

Nicht nur wissen, sondern begreifen

vom

Harald Richter reiste 1963 mit 35 Jugendlichen erstmals nach Putten

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Ladelund | Der Besuch der holländischen Jugendlichen in Ladelund im Rahmen der Jugendbegegnung ist zwar vorbei (wir berichteten), aber die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit sind noch ganz frisch. Präsent sind auch die Erinnerungen vom pensionierte Pastor Harald Richter, der 1962 und 1963 die Anfänge dieser Tradition begründete.

"Ohne die Arbeit von damals wäre die heutige Jugendbegegnung nicht möglich", berichtet der Geistliche. Bereits 1962 wollten der Geistliche und Ladelunder Jugendliche nach Putten reisen, um dort im Sinne von Aktion Sühnezeichen 14 Tage kostenlos zu arbeiten. "Wir waren nicht willkommen", erzählt Harald Richter, der zuvor einen Brief an den Puttener Bürgermeister geschrieben und ihm den Wunsch seiner Jugendlichen mitgeteilt hatte. Doch die Antwort aus Putten lautete, dass man dort nicht wisse, was die deutschen Jugendlichen machen sollten. Die Türen in Putten öffnete ausgerechnet der einzige Überlebende, der gemeinsam mit 13 anderen Männern bei einer Razzia in Holland abgeführt und nach Ladelund verschleppt wurde. 1962 kehrte er an den Ort des Geschehens zurück und sprach bei den Ladelunder Jugendlichen von seinen Erlebnissen. Dass die Jugendlichen an der Geschichte interessiert waren, gefiel dem Holländer, und so organisierte er für sie private Unterkünfte in der holländischen Gemeinde Bilthoven. Durch einen privaten Kontakt von Pastor Richter konnten schließlich auch in Putten Plätze für Jugendliche gefunden werden. Mit 35 Jugendlichen fuhren die Ladelunder Geistlichen dann 1963 erstmals nach Holland. Zum Abschluss ihres Aufenthaltes luden sie ihre Gastgeber ein, zeigten einen Licht- und Tonbildvortrag zum Thema Konzentrationslager. Die Reaktion der holländischen Zeitung am nächsten Tag war niederschmetternd: "Deutsche Jugendliche wissen viel, aber begreifen nichts", lautete die Schlagzeile.

Aufgrund des Engagements des Ladelunder Pastors wurden die Ladelunder jedoch ein Jahr später, am 2. Oktober, bei der 20-jährigen Gedenkfeier in Putten, willkommen geheißen und legten dort einen Kranz nieder. Im Jahr 1965 war der Bürgermeister aus Putten erstmals zu Gast in Ladelund. Ihn zu Ehren spielte der Ladelunder Posaunenchor, von dem der Holländer so begeistert war, dass er in seiner Heimat ebenfalls einen Posaunenchor gründete. Mit den "Koperblazers Putten" nahmen die Ladelunder zu ihrem 50-jährigen Jubiläum sogar eine gemeinsame Schallplatte auf.

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