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David Safier in Leck : „New York, Rio, Tokio – Leck“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Erfolgsautor David Safier unterhielt mit Romanpassagen und Privatem – und bot seinem äußerst amüsierten Publikum eine Weltpremiere

shz.de von
erstellt am 16.Sep.2015 | 05:00 Uhr

Kurz vor 19 Uhr in der Buchdruckerei CPI Clausen & Bosse: Noch immer strömen Besucher in den Konferenzraum, aus angrenzenden Büros werden Stühle herangetragen, damit alle Platz finden. Rund 140 Literaturfreunde wollen ihn sehen und hören: Erfolgsautor David Safier ist zu Gast. Seine Romane („Mieses Karma“, „Jesus liebt mich“) haben sich millionenfach verkauft und sind teilweise verfilmt, zudem wurden seine Drehbücher für die Fernsehserie „Berlin Berlin“ unter anderem mit dem Grimme-Preis und dem „Emmy“ ausgezeichnet. „Happy Family“ soll bald als Animationsfilm zu sehen sein.

„Literatur erleben!“ heißt die Veranstaltungsreihe der Druckerei in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Brendel, der Bücherei Leck und der Nordsee Akadamie. Und ein echtes Erlebnis kündigt David Safier bald in Form einer Weltpremiere an: „New York, Rio, Tokio, Leck – man kennt das ja.“ Er werde aus seinem Buch „Mieses Karma hoch 2“ lesen, „nur hier, nur heute in Leck. Das Buch erscheint erst am 30. Oktober, und ich werde damit nicht auf Lesereise gehen.“

Doch zuvor stimmt der 48-Jährige sein Publikum mit Passagen aus seinem Debüt-Roman „Mieses Karma“ ein. Zur Geschichte: Fernsehmoderatorin Kim Lange wird vom Spülbecken einer russischen Raumstation erschlagen und als Ameise wiedergeboren, da sie zu viel schlechtes Karma angehäuft hat. Das Leben auf sechs Beinen birgt allerlei Überraschungen und Gefahren, wie die Zuhörer in Leck erfahren: Mit angenehmer Lesestimme lässt der Autor den ebenfalls als Ameise wiedergeborenen Casanova mit südländischem Akzent seine Avancen machen. Plump und resigniert hingegen klingt die Spinne, in deren Gestalt ein reinkarnierter Beamter für Wasserwesen sein neues Dasein fristet.

Das Publikum kommt aus dem Lachen kaum heraus, denn genauso komisch wie die Roman-Dialoge sind die Dinge, die der sympathische Autor aus seinem Leben erzählt. Etwa von der Verleihung des „Emmy“ in New York. „Das ist so etwas wie der Oscar für Fernsehserien, wir hätten nie im Leben damit gerechnet, zu gewinnen.“ Nach der Dankesrede – „sag irgendwas mit Germany und Comedy, dann lachen die schon“ – habe an der Bühne bereits Lenny Kravitz auf seinen Auftritt gewartet, während Safier mit seinen Kollegen unter „Hurry up“-Befehlen über die Großküche des Hilton-Hotels auf eine andere Bühne geleitet worden sei: „Wie in Filmen, wenn der Präsident heimlich irgendwo hingebracht wird.“ Der Masse von 300 wartenden Fotografen hätten die drei Deutschen in Leih-Smokings dann etwas hilflos gegenübergestanden: „Bei drei Männern, die das absolut nicht gewöhnt sind, guckt natürlich jeder in eine andere Richtung. Ich habe später Fotos im Internet gesehen, die man am besten mit ,doof, aber glücklich‘ untertiteln könnte.“

In der Pause signiert David Safier geduldig Bücher, die Leser mitgebracht oder gerade erworben haben – am Büchertisch von Buchhändlerin Kristina Brendel sind schnell alle Romane vergriffen. „Macht nichts, ich signiere auch andere Bücher“, sagt Safier und berichtet, andernorts bereits Werke von Stephen King oder Nele Neuhaus signiert zu haben, einmal sogar „Conni schläft im Kindergarten“.

Dann kommt die Weltpremiere. „Ich hatte noch nie einen Menschen gesehen, der so lässig lässige Hemden tragen konnte. Sogar Angela Merkel würde bei seinem Anblick ,What a Man‘ singen“: Das denkt Gelegenheitsschauspielerin Daisy Becker über Hollywoodstar Marc Barton bei ihrer ersten Begegnung. Doch von Harmonie kann bei den beiden Hauptfiguren von „Mieses Karma hoch 2“ keine Rede sein: Denn James-Bond-Darsteller Barton ist dermaßen arrogant, dass Daisy fast aus ihrem hautengen Latex-Anzug fährt – zudem das Ekel auch noch ihre Rolle streichen lässt. Doch es kommt, wie es kommen muss, zu einem Autounfall nämlich, bei dem Daisy und Marc sterben und als Ameisen wiedergeboren werden.

„Ich wurde immer wieder gefragt, wann es denn endlich eine Fortsetzung von ,Mieses Karma‘ gibt, und ich habe stets gesagt: ,Wenn ich eine gute Idee habe‘“, verrät der Autor. In Leck hat David Safier das Publikum mit seinen Ideen vollends überzeugt, wie Lachsalven und Applaus zeigen. Und wer bisher noch keines seiner Bücher gelesen hat, wird es nach diesem Abend sehr wahrscheinlich nachholen.

Und der Autor hat schon eine neue Roman-Idee: Zum Dank für die unterhaltsame Lesung bekam Safier ein Buch mit leeren Seiten, eben als Anregung für das nächste Werk. „Ich werde meinen nächsten Roman CPI nennen“, sagt der Schriftsteller schmunzelnd.

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