zur Navigation springen

Besondere Projektwoche : Neukirchener Schüler gründen ein Dorf und lernen Wirtschaftskreisläufe kennen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

In der Emil-Nolde-Schule ist in den vergangenen Tagen „Noldawia“ entstanden. Morgen ist das Dorf für Besucher geöffnet.

Wie viele Stunden muss ich arbeiten, um mir ein neues Armband zu kaufen? Und kann ich mir mehr als zehn Angestellte leisten,  um meine Pralinen-Produktion noch gewinnbringend  zu betreiben? Antworten auf diese und weitere Fragen können zumindest die Schüler der Emil-Nolde-Schule in Neukirchen jetzt beantworten. In der Grund- und Gemeinschaftsschule ist in den vergangenen Tagen  das Dorf Noldawia entstanden. Mit seinen insgesamt 26 Betrieben – zu denen unter anderen eine Post,  eine Bank, ein Autowasch-Service, Tischlerei sowie  Pizzeria und  Werbeagentur zählen –  ist das Dorf komplett eigenständig.

Vergnügen kann man sich in der Cocktailbar, der Tanzschule und beim Zocken am Computer – wer es lieber entspannter mag, gönnt sich ein erfrischendes Eis oder stöbert im Trödelmarkt.  Eine Bürgermeisterin sorgt dafür, dass alles so läuft, wie es soll. Ziel der Projektwoche ist es, dass  die Kinder und Jugendlichen der 1. bis 10. Klasse lernen, handlungsorientiert, jahrgangs- und schulartübergreifend einen Wirtschaftskreislauf aufzubauen und darin zu arbeiten.  Von 15.30  bis 18.30 Uhr können Besucher am morgigen Freitag das Dorf in der Schule besuchen.

„Das ganze ist ein Wirtschaftsspiel, dessen Idee es ist, dass es sich trägt und einige sogar Gewinn machen“, sagt  Schulleiterin  Petra Christiansen. Die Schüler hätten großartige Ideen für ihre eigenen Unternehmen, berichtet sie begeistert. Bevor es an die Produktion geht, müssen die Schüler allerdings sorgfältig kalkulieren und prüfen, wie viel sie investieren dürfen, um später nicht auf einem Schuldenberg zu sitzen. Hinzu komme, dass Schüler „Ängste überwinden und  Aufgaben wahrnehmen, die sie sich sonst nicht zugetraut hätten“, erklärt sie die sozialen Kompetenzen, die das Projekt fördert. Ein Junge, der sonst eher schüchtern ist, würde gerade mit einem Bauchladen durch die Schule laufen, andere ansprechen und ihnen seine Produkte verkaufen. Ihr sei es wichtig, dass die Schüler auch Spaß haben und motiviert sind, sagt Petra Christiansen.

An Ansporn und  Freude scheint es den rund 360  Schülern nicht zu  fehlen:  Alleine oder in kleinen Gruppen haben die  Neunt-und Zehntklässler ein eigenes Unternehmen gegründet. Sie haben die Verantwortung und müssen sich  in der Planung und Durchführung beweisen, aber auch Löhne und Steuern eigenständig verwalten. Schulleitung und Lehrer beraten und begleiten als  Aufsichtsräte. Die rund 290  jüngeren Schüler stellen die Arbeitnehmer dar – die zudem in  Lehrlingen und Gesellen unterteilt sind. Bevor die Projektwoche beginnt, können die   Arbeitnehmer  durch geschaltete Job-Anzeigen, in denen die Betriebe ihre Tätigkeiten präsentieren, aussuchen, wo sie am liebsten arbeiten möchten. Für ihre Arbeit erhalten sie einen Lohn, der ihnen in Form einer eigenen Währung  (ein Nolde sind 50 Cent) der täglich vom Betriebsleiter ausgezahlt wird. Mit dieser Währung können die  Schüler eigenständig wirtschaften – was den Umgang mit Geld schult – und im Dorf zum Beispiel   Schmuck, ein Vogelhäuschen  oder  Pralinen kaufen.

„Wir haben viel experimentiert und oft auch in den Pausen neue Rezepte getestet“, sagt Anna Tychsen (17) die gemeinsam mit Thordies Dwornizcak und Madita Ewaldsen (beide 16) die Pralinen-Confiserie leitet.  Alle sieben Sorten der Schokoladen-Pralinen, die Schöne und Biest, Bambi  oder Rotkäppchen heißen, sind Eigenkreationen.   Zehn Mitarbeiter beschäftigen die drei Unternehmerinnen  in ihrer Produktion. In einer Gesundheitsbelehrung haben sie vorher gelernt, was sie beachten müssen, wenn sie Lebensmittel  herstellen, die später verkauft werden.

Damit auch die Finanzen am Ende stimmen, werden die Mitarbeiter der  Noldawia-Bank von zwei Auszubildenden der örtlichen Bank unterstützt.Die Nolde-Noten werden  jedes Mal neu gedruckt und auf der Rückseite gestempelt, um die Gefahr, dass Scheine aus vergangenen Projekten als Falschgeld in Umlauf geraten, zu bannen, sagt Dörte Momsen.

Wie sie die Stimmung in Moldawia erklären soll, weiß   die stellvertretende Grundschulkoordinatorin, die im Dorfleben die Rolle der leitenden Verwaltungsbeamtin innehat, nicht:  „Man muss es wirklich erleben, herumlaufen, probieren  und sehen, um  zu verstehen, was hier passiert“, sagt  Momsen. Die besonderen Einfälle der Kinder, wie zum Beispiel der, die Sandwiches in einem Kaffefilter zu servieren, damit nichts tropft,  überraschten sie immer wieder, erzählt sie. „Es ist großartig, zu sehen, wie stolz die Kinder sind, wenn es so klappt, wie sie es sich vorstellen – oder auch   zuvor Unbekanntes dazulernen.“

Noldawia wird seit 2003 alle zwei Jahre aufgebaut. Der Impuls ging von einem   ähnlichen Projekt aus, das damals in Bredstedt organisiert worden war. Rund ein Jahr im voraus beginnen Schulleitung und Lehrer mit der Planung.  Mit dem Erlös aus dem  Vorjahr sowie Spenden werden Lebensmittel und Baumaterialen vorab finanziert. Einige Dinge, wie die Waren im Trödelmarkt,  sind Spenden. Nur am Freitag, dem letzten Tag der fünftägigen Projektwoche, wird Geld eingenommen.

Nolwawia in der Emil-Nolde-Schule: Freitag, 16. Juni, von 15.30 bis  18.30 Uhr. Adresse: Otzhusumweg 6, 25927 Neukirchen (Achtung: Parkplätze sind knapp), Telefon 04664/94010.  Homepage:   www.emil-nolde-schule.com.

zur Startseite

von
erstellt am 15.Jun.2017 | 14:26 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen