Stadtplanung : Neues Geschäftshaus geplant

In die Jahre gekommen: Der Gebäudekomplex an der Ecke Hauptstraße, Kirchensteig, Stellmacherweg und Norderfangweg soll weichen und Platz für neue Ideen machen.
In die Jahre gekommen: Der Gebäudekomplex an der Ecke Hauptstraße, Kirchensteig, Stellmacherweg und Norderfangweg soll weichen und Platz für neue Ideen machen.

Niebüll verändert sich: Der Gebäudekomplex, der einst Teehaus, Eisdiele und Parfümerie beherbergte, soll abgerissen werden.

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21. März 2018, 07:11 Uhr

Niebüll | Alles wird anders: An Hauptstraße, Kirchensteig, Stellmacherweg und Norderfangweg verändert die Stadt ihr Gesicht. Der gesamte Gebäudekomplex wird abgerissen und durch ein neues Geschäftshaus ersetzt. Das neue Gebäude wird sich auf den gesamten Areal bis hoch kurz vor dem Neubau am Raffelhüschengebäude im Norderfangweg erstrecken.

Die Gebäudehöhe ist durch die Gestaltungssatzung auf maximal 13,50 Meter festgelegt. Damit wird voraussichtlich die Höhe des Schuhhauses Schmäl erreicht. Während Wohnungen im oberen Bereich gebaut werden, soll es im unteren Bereich Platz für neue Geschäfte geben. Hier können sich HGV-Aktive zum Beispiel gastronomische Einrichtungen vorstellen – Burgerrestaurant oder Fischlokal.

Über die Gestaltung des Gebäudes wird derzeit noch gesprochen. Die Investoren reden gemeinsam mit den Architekten und der Stadt. Sicher ist nur, dass roter Backstein verwendet wird. Eine genauere Vorstellung wird es am Donnerstag, 19. April, auf dem nächsten Bauausschuss geben. Im jüngsten Bauausschuss hatte die Stadt Niebüll per Feststellungsbeschluss grundsätzlich grünes Licht erteilt.

Alteingesessene Niebüller erinnern sich noch an die alte Tabakbude, die einst im heutigen Vorgarten des Teegeschäfts stand. Die alte Eisdiele war ein Magnet für die Kinder. Vorne im Eingangsraum gab es das Eis; dazu eine kleine Sitzbank. In der Spielhalle im Hinterzimmer flipperten die Großen, die Kleinen spielten Tischfußball. Um Geld zu sparen, klemmten die Frechen gern eine Wurstpappe in die Tore, um das Herabrutschen des Balles zu verhindern. Der Eisdieleninhaber Werner Nissen wusste um den Trick, beließ es aber bei einer Ermahnung.

Die Eisdiele wurde zum Wirtshaus – und ist nach wie vor bekannt für gute deutsche Küche. Am Montag treffen sich hier die Skatspieler; ein Flohmarkt hat etliche Niebüller angezogen, die ein Utensil aus alten Zeiten erwerben konnten. Ende des Monats ist endgültig Schluss.

Zur Geschichte der Eisdiele kann man im Geschichtsverein fündig werden. Guido Tödt weiß genau, an welcher Stelle der Chronik von Peter Müller etwas zu finden ist. Man erfährt, dass die Alte Schmiede früher ein reetgedecktes Haus war, das damals fast an der Straße lag. Viel berichtet Müller über die Vorbesitzer, es waren tatsächlich alles Schmiede, ehe es durch Ludwig Nissen Mitte der 50er Jahre zur Eisdiele wurde.

Im Teegeschäft befand sich um 1870 ein Uhrmacher Volquardsen, folgt man dem Chronisten. Später war hier ein Zimmerer, der sogar einen Laden einrichtete, ab 1924 die Drogerie Bohnsack. Sein Nachfolger wurde Drogist Schüller, der später in das Eckhaus der Top-Parfümerie zog. Im Eckhaus residierte zudem lange Fritz Carstensen; bis 1927 gab es dort ein Herrenkonfektionsgeschäft Walter Bockelmann.

Die Chronik ist ein wahres Wunderwerk an Aussagekraft – und manches weiß man selbst noch. Alles hat ein Ende: Doch der Verlust der „Eisdiele“, dem Mekka der Rouladenliebhaber, ist ebenso schwer zu verkraften wie der Verlust der Jugend – tempi passati.

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